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Meer ohne Fische? Profit und Welternährung

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2007
  • Verlag: Campus Verlag
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Meer ohne Fische?

Um den riesigen Bedarf an Fisch als Nahrung zu decken, werden jedes Jahr 100 Millionen Tonnen an Fischen und Schalentieren dem Meer entrissen. Das hat fatale Folgen für die Zukunft des Meeres und der Menschheit. Peter Cornelius Mayer-Tasch, Professor em. für Politikwissenschaft und Rechtstheorie an der Universität München, ist Rektor der Hochschule für Politik München sowie Gründer und Leiter der Forschungsstelle für Politische Ökologie an der LMU München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 16.04.2007
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593403502
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2711 kBytes
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Meer ohne Fische?

Als Hugo Grotius (1583-1645) seine Idee des mare liberum formulierte, gab es für ihn und seine Zeitgenossen keine Zweifel an der Grenzenlosigkeit und Unerschöpflichkeit des Meeres. Angesichts der unvollständigen geographischen Kenntnisse, der überschaubaren Zahl an Menschen und insbesondere deren begrenzte technische Möglichkeiten Fischfang zu betreiben, war diese Vorstellung faktisch richtig, und der Gedanke an die Gefahr einer Überfischung außerhalb des kollektiven Vorstellungsvermögens. Das Problem der Übernutzung aber kannte man als lokales Phänomen. Die Frage der gerechten Verteilung stellte sich bei Wiesen oder anderen Ressourcen, insbesondere Wäldern, die nicht im Privateigentum standen, sondern einer ganzen Dorfgemeinschaft gehörten und daher für deren Mitglieder ungeregelt zugänglich und nutzbar waren. Der hemmungslosen Ausbeutung solcher - als Allmende bezeichneten - Grundflächen durch Einzelne zu Lasten aller anderen, zu der die freie Nutzung einlädt, stand aber die kollektive soziale Kontrolle der Dorfgemeinschaft entgegen, so dass eine Erschöpfung des Gemeinschaftsguts meist vermieden werden konnte. Auch die Meere waren damals schon Allmende, die globale gemeinsame Weide oder der gemeinsame Wald aller, die von allen frei und ohne Entgelt genutzt werden durften. Für Nutzungskonflikte bei der Ausübung der Fischerei im Allgemeinen, geschweige denn hinsichtlich einzelner Fischarten, fehlte aber die Konfliktvoraussetzung der Knappheit, denn es war jederzeit genug Beute für alle verfügbar. Inzwischen aber haben sich die Nutzungsbedingungen dramatisch verändert. Die Zahl der Menschen ist exponentiell gewachsen mit der Folge, dass der Fischfang sowohl quantitativ dramatisch ausgeweitet als auch qualitativ nicht nur optimiert sondern durch Ausschöpfung industrieller Verfahren revolutioniert wurde. Durch die sich daraus ergebende kontinuierliche Schrumpfung der Fischbestände hat sich die Situation ab der Mitte des 20. Jahrhunderts nach und nach zu einem Verteilungsproblem gewandelt. Da die Meere weiterhin unter dem rechtlichen Primat der Freiheit der Fischerei stehen, also grundsätzlich für alle Interessenten zugänglich und nutzbar geblieben sind, steht die Menschheit vor dem größten heute relevanten Allmendeproblem. Das bedeutet, dass sich der Wettlauf um die immer knapper werdenden Bestände dauernd steigert, wodurch die Bestände immer schneller abnehmen. Dieser Teufelskreis droht zur völligen Erschöpfung der Meeresressourcen zu führen, denn das Zusammenbrechen einer Fischpopulation zieht in einem Dominoeffekt innerhalb des Ökosystems weitere Arten nach sich, deren Verschwinden wiederum weitere Arten schädigt. Die internationale Staatengemeinschaft hat daher in Erkenntnis der wirtschaftlichen Bedeutung der Fische als Nahrungsmittel, aber auch aus wachsender Einsicht in die Empfindlichkeit ökologischer Systeme versucht, Normen zu vereinbaren, um einen dem Allmendeproblem adäquaten rechtlichen Rahmen zu schaffen. Damit soll dem Phänomen Rechnung getragen werden, dass sich bei der Nutzung von Allmendegut immer einzelne Trittbrettfahrer finden, die, gerade bei optimaler Kooperation aller anderen zur Erhaltung, Steigerung und nachhaltigen Nutzung der Ressourcen, aus dem Erfolg dieser Selbstbeschränkung besonders hohen Profit ziehen und so die Früchte der Kooperation abschöpfen und die Kooperationsbereitschaft der anderen untergraben.

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