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Wissen an der Grenze Zum Umgang mit Ungewissheit und Unsicherheit in der modernen Medizin

  • Verlag: Campus Verlag
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Wissen an der Grenze

Nichtwissen wird überall dort sichtbar, wo sich neue Fragen stellen und Zweifel erheben, wo Widersprüche, Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten auf den Plan treten. Insbesondere Patienten erkennen im Zuge medizinischer Behandlungen, dass ihr Wissen begrenzt ist. Die einzelnen Beiträge analysieren, welche Erfahrungen Patienten machen, wenn sie sich innovativen Medizintechniken öffnen, deren Wirkungen nicht gänzlich absehbar und sicher sind. Ihre Befunde liefern einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie - auch in rechtlicher und ethischer Hinsicht - die neuen Medizintechniken reflektiert werden können: Ein Plädoyer für die Diskursfähigkeit des Nichtwissens. Claudia Peter, Dr. phil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialforschung der Universität Frankfurt. Dorett Funcke, Dr. phil., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Universität Bochum.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 506
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593420172
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2980 kBytes
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Wissen an der Grenze

Im Oktober 2011 hörten wir einen Vortrag über die Zukunft des Kosmos: Wenn die aus kosmischer Sicht kurze Phase menschlichen Lebens auf der Erde vorüber und auch die Erde längst zerstört sein wird, löst sich das Universum gleichsam auf. Die Galaxien entfernen sich immer weiter voneinander, werden im Kosmos erst zu einsamen Inseln und dann von schwarzen Löchern geschluckt. Ursache dafür sei die beschleunigte Expansion des Universums. Der Kosmos dehne sich immer schneller aus, irgendetwas treibe ihn immer schneller auseinander. Der Autor des Vortrages, ein Astrophysiker aus Aachen, berichtete, dass dafür eine rätselhafte Dunkle Energie verantwortlich gemacht werden kann, aus der das Universum zu 70 Prozent besteht. Was sich dahinter verbirgt, sei bislang völlig unklar. Weitere 25 Prozent fallen auf die so genannte Dunkle Materie und etwa 5 Prozent mache die uns vertraute Materie, also Atome, aus. Hans-Joachim Blome, der diesen Vortrag auf der interdisziplinären Tagung 'Exploring Uncertainty' in Aachen mit dem Titel 'Gewiss ist nur das Ungewisse' hielt, beschloss seinen Vortrag mit den Worten, dass das, was wir nicht sehen, verantwortlich ist für die Expansion des Kosmos: 'Es gibt eben kosmische Horizonte, hinter die man nicht kommt'.

Als wir uns entschieden, zu dieser disziplinübergreifenden Konferenz nach Aachen zu fahren, auf der Physiker, Mediziner, Informatiker, Mathematiker, Philosophen, Psychologen, Soziologen, Ingenieure, Meeres- und Klimaforscher, Sprach- und Literaturwissenschaftler und Künstler zusammenkamen, waren wir schon mittendrin in den Überlegungen zu diesem Rahmentext unseres Sammelbandes. Interessant fanden wir an diesem Konferenzvorhaben das Unternehmen, aus einer multiperspektivischen Sicht ein Wissensphänomen ins Zentrum zu stellen, das - wie Günter Abel sagte - 'seine Karriere noch vor sich hat'. Hatten doch auch wir zu unserem Band Vertreter verschiedener Disziplinen eingeladen, um über die Bedeutung und den Umgang mit Ungewissheit und Nichtwissen aus ihrer (disziplinären) Sicht zu schreiben. Herausgekommen ist dabei ein Sammelband, der eine Art Podium darstellt, auf der verschiedene Stimmen versammelt sind. Es handelt sich bei diesen Stimmen nicht um einen Chor, der zu einem gemeinsamen Werk anstimmt, sondern um einzelne Stimmen, die für einzelne Standpunkte (für sich) und Standorte (eben Disziplinen) stehen, da - das hat auch die Aachener Konferenz gezeigt - gerade bei diesem Thema in absehbarer Zeit und eventuell konstitutiv bedingt keine geteilten Meinungen und schon gar kein Konsens zu erwarten ist.

1. Aktuelle Forschungsinitiativen und Debatten um das Phänomen Nichtwissen und Ungewissheit

Dass wir als Soziologinnen nicht die Einzigen waren, die über Ungewissheits- und Nichtwissensphänomene nachdachten, uns austauschten und publizierten, war von Anfang an offensichtlich. Während unser Sammelband im Verlauf der Zeit Kontur gewann, zeichnete sich mehr und mehr ab, dass fachdisziplinübergreifend eine Vielzahl an Forschern zur wissenschaftlichen Erkundung des Nichtwissens angetreten war. Nur ein paar Beispiele: Eine Gruppe von Erziehungswissenschaftlern bot 2003 in einem Sammelband einen variantenreichen Zugang zum Thema Ungewissheit im Kontext erziehungswissenschaftlicher Fragestellungen (Helsper u.a. 2003). Im Anschluss an eine transdisziplinäre Konferenz zum Thema 'Formen des Nichtwissens der Aufklärung', auf der Literaturwissenschaftler eine Antwort auf die Frage suchten, wie (Nicht-)Wissen strategisch, poetisch, poetologisch oder psychologisch zum Einsatz kommt, ist ein Sammelband publiziert worden, der darauf abzielt, über die explizite Frage nach dem Nichtwissen den Epochenbegriff der Aufklärung zu schärfen (Adler/Godel 2010). Auch im außerwissenschaftlichen Bereich steigt die Aufmerksamkeit: In einem Fachverlag für systemische Therapie, Beratung und systemisches Management hat 2011 ein Herausgeber Beiträge versammelt, in dem sich neben Wissens

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