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Empowerment behinderter Menschen Theorien, Konzepte, Best-Practice

  • Erscheinungsdatum: 05.05.2011
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
21,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Empowerment behinderter Menschen

Im Bereich der Arbeit mit Menschen mit Behinderung findet das Empowerment-Konzept in der fachwissenschaftlichen Diskussion ebenso wie in der praktischen Rezeption zunehmende Verbreitung. Im Zeichen des Empowerment wurde das bislang gültige Fürsorgemodell klassischer heilpädagogischer Ansätze verabschiedet, wodurch die Rollen der Akteure sowie das Selbstverständnis und die Arbeitsansätze der Professionellen im Arbeitsfeld neu ausgerichtet wurden. Dieses Buch stellt wesentliche Entwicklungen und aktuelle Ansätze, die in Praxis und Wissenschaft durch das Empowerment-Konzept angeregt oder befördert wurden und werden, vor. Es beleuchtet zunächst ? in einer dem Empowerment-Konzept immanenten bürgerrechtlichen Perspektive ? den Wandel in der Behindertenhilfe und stellt Entwicklungspfade des Konzepts vor. Dann wird bezüglich der praktischen Bedeutung des Konzeptes ein beispielhafter Querschnitt zu den bislang erprobten Ansätzen und Erkenntnissen präsentiert, wobei ganz im Sinne des Empowerment zuerst Betroffene selbst zu Wort kommen. Schließlich werden zentrale Themen der aktuellen heilpädagogischen Fachdebatte im Zusammenhang mit dem Empowerment-Konzept (neu) diskutiert. Abgerundet wird das Buch mit einem Ausblick zur Zielperspektive sozialer Inklusion.

Die Herausgeber sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Rehabilitationspädagogik und am Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 05.05.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170229013
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 2294 kBytes
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Empowerment behinderter Menschen

Vorwort

Die konzeptionellen und praktischen Entwicklungen in Behindertenarbeit und sozialpädagogischer Praxis sind stets auch mit einem begrifflichen Wandel verbunden.

Als ein "Kursgewinner" auf diesem Begriffsmarkt kann zweifelsohne der Terminus "Empowerment" gelten. Er hat sich in vielen Bereichen der Behindertenarbeit etabliert und Entwicklungen in verschiedenen Feldern angestoßen. Eben diese aktuellen Entwicklungen sind Gegenstand des vorliegenden Bandes.

Möchte man in einem ersten Schritt das hinter dem Begriff Empowerment stehende Konzept charakterisieren, fällt das nicht leicht. Empowerment ist nicht aus einer (heil-)pädagogischen Theorie entwickelt wurden; es stellt im strengen Sinne einer wissenschaftlichen, gegenstandsbezogen Deskription überhaupt keine Theorie dar.

Empowerment wird mit Bezeichnungen wie "Philosophie", "Leitbild", "Prinzip","Ansatz", "Konzept" oder Ähnlichem charakterisiert.

Der Begriff selbst entstammt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und bedeutet übersetzt etwa Selbstbemächtigung oder -ermächtigung. Er steht dort für das (vor allem politische) Aufbegehren einer marginalisierten gesellschaftlichen Gruppe. Erst später ist er in den wissenschaftlichen Diskurs aufgenommen und für verschiedene Fachrichtungen ausgearbeitet worden (so zum Beispiel für die soziale Arbeit durch Herriger, vgl. 2002). Für die Heilpädagogik ist vor allem die systematische Aufbereitung des Ansatzes von Theunissen und Plaute (erste Auflage 2002) von Bedeutung.

Vier Aspekte des Begriffes Empowerment lassen sich nach deren Auffassung unterscheiden (die Darstellung folgt Kulig 2006):

Zum Ersten verweist der Begriff auf die Selbstverfügungskräfte des Einzelnen, die ihm zur Lösung von Konflikten zur Verfügung stehen. Diese individuellen Ressourcen bilden die Grundlage aller weiteren Überlegungen.

Zum Zweiten wird mit dem Begriff politisch ausgerichtete Macht und Durchsetzungskraft im Sinne einer politischen Emanzipation von Randgruppen verbunden. Dabei geht es vor allem um die Durchsetzung gleichberechtigter Zugangschancen zu soziokulturellen Ressourcen, z. B. Bildungseinrichtungen, aber auch um den Zugang zu Macht ausübenden Institutionen.

Zum Dritten steht Empowerment in einem reflexiven Sinne auch für den Prozess des Erkennens dieser Ressourcen bzw. Durchsetzungskräfte. "Empowerment beschreibt als Prozess im Alltag eine Entwicklung für Individuen, Gruppen, Organisationen oder Strukturen, durch die die eigenen Stärken entdeckt und die soziale Lebenswelt nach den eigenen Zielen (mit)gestaltet werden kann. Empowerment wird damit als Prozess der 'Bemächtigung' von Einzelnen oder Gruppen verstanden, denen es gelingt, die Kontrolle über die Gestaltung der eigenen sozialen Lebenswelt (wieder) zu erobern." (Stark 1993, 41).

Viertens schließlich kann Empowerment auch im transitiven Sinne verstanden werden. Das meint hier, dass einzelne Personen oder gesellschaftlich marginalisierte Gruppen in die Lage versetzt werden, Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu entwickeln und ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Der Widerspruch zu den bisher genannten drei Punkten ist evident. Dieses Problem sehen auch Theunissen und Plaute (2002, 13), wenn sie schreiben: "es wäre ein begrifflicher Widerspruch, wenn es im transitiven Sinne darum ginge, jemanden zu 'ermächtigen', z. B. aus einem behinderten Menschen eine 'empowered person' zu 'machen'. Empowerment kann nicht direkt von professionellen Helfern hergestellt, vermittelt oder gemäß einer geforderten Norm verordnet [...] werden." Ungeachtet dieser Probleme muss jedoch festgehalten werden, dass ohne diese Begriffsdeutung im transitiven Sinne eine Verwendung des Ansatzes zur Bearbeitung sonder- oder sozialpädagogischer Fragen nur schwer vorstellbar ist. Denn lediglich dieser Punkt ermöglicht die Entwicklung einer Theorie helfender Professionen (vgl. zu den vier Begriffsbestimmungen Theunissen & Pla

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