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Migration und Behinderung von Halfmann, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.09.2014
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (PDF)
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Migration und Behinderung

Menschen mit den Merkmalen Behinderung und Migrationshintergrund droht doppelte Diskriminierung. Einrichtungsträger und Fachverbände für Menschen mit Behinderung haben sich deshalb auf interkulturelle Öffnung und kultursensible Arbeit für Menschen mit Migrationshintergrund verpflichtet. Das Buch liefert dafür das grundlegende Fachwissen für professionelle Handlungskompetenz. Vermittelt wird zunächst ein Verständnis von Migrationsprozessen in interkultureller Perspektive. Sehr konkret werden dann Einblicke in die Lebenswelt von Familien mit Migrationshintergrund und einem behinderten Kind eröffnet. Fallorientiert wird auf Ressourcen und Bedarfe dieser Familien eingegangen und im engen Bezug auf die professionelle Arbeit werden schließlich Konzepte eines Beratungs- und Unterstützungsangebotes für diese Klientel vorgestellt. Dr. phil. Julia Halfmann ist Sonderpädagogin mit den Fachrichtungen Geistigbehindertenpädagogik und Sprachbehindertenpädagogik. Dr. Karin Terfloth ist Professorin für Pädagogik bei schwerer geistiger und mehrfacher Behinderung und Inklusionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Dr. Werner Schlummer lehrt an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln im Bereich Pädagogik und Rehabilitation bei Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung.

Produktinformationen

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Migration und Behinderung

1

Einleitung

"Wir behandeln alle gleich!" Diese Einstellung ist in sozialen Einrichtungen weit verbreitet und erweckt - angesichts des Postulats der Gleichheit - den Anschein gerechten und moralisch unangreifbaren Handelns auch in Bezug auf den Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund (vgl. Schröer 2005). Sie soll zumeist als Ausdruck einer kritischen Stellungnahme in Bezug auf Interkulturalität verstanden werden, nach der Menschen mit Migrationshintergrund eben nicht in Anbetracht ihrer nationalen und kulturellen Herkunft eine gesonderte Betrachtung und Behandlung erfahren. Eine solche Stellungnahme resultiert vielfach aus Sorge, den Eindruck zu erwecken, Menschen auf ihre Ethnizität zu reduzieren und damit zu diskriminieren oder, im Gegenteil, ihnen eine Sonderbehandlung zukommen zu lassen. So gut dies auch gemeint ist, werden dadurch jedoch bestehende kulturelle Unterschiede ignoriert und die Lebenswirklichkeit einzelner Personen und ihrer Familien verkannt.

Andererseits findet oftmals eine Überbetonung kultureller Unterschiede statt. Alltägliche (Problem-)Situationen im Kontakt zu Personen mit Migrationshintergrund werden vorschnell über kulturelle Zuschreibungen in Bezug auf das Herkunftsland bzw. die Herkunftskultur der Familien gedeutet und erklärt. Dies geschieht unter Bezugnahme auf - in sehr unterschiedlichem Maße vorhandenes - kulturspezifisches Wissen. Ein verengter Blick auf die Kultur birgt jedoch die Gefahr einer vorurteilsbehafteten Sichtweise in sich, die darüber hinaus oftmals mit bestimmten Erwartungshaltungen und entsprechenden Verhaltensmustern einhergeht. Diese beiden - wohlgemerkt extremen - Pole zeigen zu Beginn des Buches in plakativer Weise die verschiedenen Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in sozialen Institutionen auf, die in einem breiten Spektrum vorzufinden sind.

Die Migrationsprozesse der letzten 50 Jahre haben innerhalb Deutschlands zur Entstehung einer kulturellen Vielfalt geführt und damit zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur beigetragen. Durch diesen Veränderungsprozess wurden gesellschaftliche und bildungspolitische Debatten angestoßen, infolge derer grundlegende Reformen in öffentlichen Bereichen verlangt wurden und werden. Diese müssen durch wissenschaftliche Forschung begleitet werden. So hat sich der Themenschwerpunkt Migration als bedeutungsvoller Zweig vieler Humanwissenschaften etabliert. In der Heil- und Sonderpädagogik, genauer gesagt der Geistig- und Schwerbehindertenpädagogik, die im Zentrum des vorliegenden Buches steht, hat die Thematik bis heute jedoch wenig Relevanz.

Die Heil- und Sonderpädagogik hat die Aufgabe, sich dieser gesellschaftlichen Herausforderung zu stellen. Um den im Grundgesetz verankerten und im SGB IX - Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen - detailliert festgelegten Rechtsansprüchen sowie den Leitprinzipien der Inklusion Rechnung zu tragen, muss sich die Heil- und Sonderpädagogik im Hinblick auf aktuelle gesellschafts- und bildungspolitische Entwicklungen stets selbst hinterfragen. Hierzu zählt gegenwärtig auch die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Migration und Behinderung.

Für Personen mit einer geistigen und/oder schweren bzw. Komplexen Behinderung (vgl. Fornefeld 2008) ist es oftmals gang und gäbe, dass die Behinderung vom sozialen Umfeld als 'Dreh- und Angelpunkt' ihres Lebens angesehen wird. An ihr orientieren sich nahezu sämtliche Überlegungen für die Gestaltung der Lebensbereiche Wohnen, Schule, Arbeit, Freizeit etc. sowie im Kontext dessen erforderliche Unterstützungs-, Förder- und Bildungsbedarfe. Der biografische Hintergrund, wie bspw. die Erfahrung von Migration, gerät dabei oftmals aus dem Blickfeld der pädagogischen Profession. Die Lebenswelt von Migranten mit Behinderung und deren Familien findet bislang nur wenig öffentliches Interesse und auch aus wissenschaftlicher Persp

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