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Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung Grundlagen und Konzepte für die Eingliederungshilfe von Ortland, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.08.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
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Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung

Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung ist heute unbestritten. Das stellt die Einrichtungen der Eingliederungshilfe und die darin tätigen Fachkräfte vor völlig neue Aufgaben, für deren Lösung das Wissen um Leitlinien, Handlungskonzepte und -maßnahmen unabdingbar ist. Das Buch beleuchtet zunächst beeinträchtigungsspezifische und strukturelle Erschwernisse sexueller Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung. Darauf folgt eine praxisnahe Bestandsaufnahme zu den Arbeitsbedingungen der Fachkräfte, aber auch zu den Lebensbedingungen der Bewohner im Hinblick auf die mögliche Realisierung sexueller Selbstbestimmung in den Einrichtungen. Das Buch beschreibt dann Handlungsoptionen, wobei der Schwerpunkt auf ganz konkreten Maßnahmen in den unterschiedlichsten Bereichen liegt. Dr. Barbara Ortland ist Professorin für heilpädagogische Methodik und Intervention im Fachbereich Sozialwesen der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Münster.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 253
    Erscheinungsdatum: 31.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170293168
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Größe: 5784 kBytes
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Sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung

2 Sexuelle Selbstbestimmung für erwachsene Menschen mit Behinderung

Menschen mit (geistiger) Behinderung sind im Erleben und Ausleben ihrer Sexualität oft auf die Unterstützung von anderen Menschen angewiesen. Dabei sind verschiedene Aspekte auf beiden Seiten bedeutsam. Von Seiten der Menschen ohne Behinderung können als relevant benannt werden:

- Das Wissen über mögliche Veränderungen der sexuellen Entwicklung durch das Leben mit einer Behinderung, aber auch das Wissen über sexuelle Entwicklung und Sexualität allgemein,

- die Bereitschaft, sich auf das Gegenüber in vielen Facetten seines/ihres Lebens offen einzulassen,

- die eigenen diesbezüglichen Kompetenzen, die durch berufliche Kompetenzen, aber auch die eigene (sexuelle) Lerngeschichte bestimmt sind,

- sowie die individuellen Normen und Werte im Lebensbereich der Sexualität, die durch einen gesamtgesellschaftlichen Rahmen geprägt sind.

Leben Menschen mit Behinderung in Wohneinrichtungen, so können sie bei der Realisierung sexueller Selbstbestimmung auf die Mitarbeitenden angewiesen bzw. von ihnen abhängig sein. Die persönlichen und professionellen Begegnungen sind neben den beiderseitigen individuellen Voraussetzungen noch durch weitere strukturelle Rahmenbedingungen beeinflusst. Hier lassen sich z. B. die baulichen Gegebenheiten nennen (Einzelzimmer, eigenes Bad etc.) sowie die Teamstruktur in einer Wohngruppe, Vorgaben und Unterstützungsleistungen durch die Leitungskräfte, die inhaltliche Ausrichtung des Trägers sowie die Organisationskultur.

Im Folgenden soll dieses Handlungsfeld anhand aktueller Forschungsergebnisse skizziert werden, um daraus die leitende Fragestellung für die Befragung abzuleiten. Dazu wird zunächst dargestellt, was unter sexueller Selbstbestimmung verstanden wird und wie diese oft für Erwachsene mit Behinderung eingeschränkt wird. Vor dem Hintergrund der Forderungen der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung werden Konsequenzen für die Erhebung abgeleitet.
2.1 Sexuelle Selbstbestimmung

Grundlegend ist sexuelle Selbstbestimmung mit der Frage verbunden, wie Sexualität inhaltlich gefüllt wird.

Das hier vertretene Verständnis von Sexualität setzt bei der für alle Menschen angenommenen Möglichkeit der individuellen Realisierung von Sexualität an. Jedem Menschen wird die Ausbildung einer subjektiv befriedigenden Sexualität zugetraut und demgemäß auch zugemutet. Sexuelle Selbstbestimmung ist somit eine Entwicklungsoption und -ressource, die jeder Mensch hat, egal wie seine Lebensvoraussetzungen sind. Das grundgelegte weite Verständnis von Sexualität ist durch folgende Aspekte, die bereits an anderer Stelle ausführlicher dargelegt sind (vgl. Ortland 2008, 16 ff.), gekennzeichnet:

- Sexualität ist mehr als Geschlechtsverkehr.

- Sexualität umfasst immer den ganzen Menschen mit seinen Gedanken, Gefühlen und dem Körper. Eine subjektiv befriedigende Sexualität ist nicht an die Intaktheit des Körpers gebunden.

- Sexualität ist eine unverzichtbare Lebensenergie, deren Ausleben weitere Energien freisetzen und deren Fehlen zu Bedrückung oder auch (Auto-)Aggression führen kann.

- Sexualität gehört ein Leben lang zu einem Menschen.

- Sexualität hat viele Schattierungen, die als positiv oder negativ erlebt und bewertet werden können.

- Der Weg zu einer individuelen, subjektiv befriedigenden Sexualität ist ein Lernprozess, der Erfahrungen braucht und jedem möglich ist.

Dies wird in folgender Definition zusammengefasst:

"Sexualität kann begriffen werden als allgemeine, jeden Menschen und die gesamte menschliche

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