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Der demographische Wandel Mythos - Illusion - Realität von Weber, Hannes (eBook)

  • Verlag: Kohlhammer Verlag
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Der demographische Wandel

Die 'demographische Frage' ist der Angstmacher in öffentlichen Debatten: Sei es die Diskussion um die Renten, die Altersarmut oder die Einschätzung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands - immer spielt die Demographie zur Begründung und Beantwortung der mit diesen Themenfeldern verbundenen Fragen eine wichtige Rolle. Das Buch liefert einen Überblick über die demographische Entwicklung in Deutschland, ihre Gründe sowie Modellrechnungen für die Zukunft in Abhängigkeit von Faktoren wie der Migration. Es diskutiert den Einfluss der Bevölkerungsentwicklung auf Wohlstand, Löhne, Sicherheit oder Umwelt und entdeckt hinter den vielbeschworenen Untergangsszenarien durchaus auch positive Folgen für die Gesellschaft. Die demographische Entwicklung - so lautet ein Fazit des Bandes - bietet keinen Grund zur Panik. Dr. Hannes Weber ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für Soziologie der Universität Tübingen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 122
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170331464
    Verlag: Kohlhammer Verlag
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Der demographische Wandel

1 Einleitung: Aussterben vertagt

Überraschung: Deutschland schrumpft nicht. Lange galt es als unabwendbares Schicksal, dass die Bevölkerung in Deutschland im Laufe des 21. Jahrhunderts drastisch abnehmen werde. So sagten es seit mehreren Jahrzehnten die demographischen Prognosen des Statistischen Bundesamts und anderer Experten voraus. Noch 2009 prognostizierte das Statistische Bundesamt einen starken Rückgang der Bevölkerungszahl bis 2060 von 82 auf 65 bis 70 Millionen Einwohner - ein Verlust von zwölf bis 17 Millionen Menschen innerhalb nur eines halben Jahrhunderts. 1 Unzählige Male wurde im apokalyptischen Duktus das "Aussterben" der Deutschen, der "demographische Untergang" oder die "Entvölkerung" und "Verödung" weiter Teile des Landes vorhergesagt.

Im Frühjahr 2017 korrigierte das Statistische Bundesamt die Prognosen drastisch nach oben: Bis Mitte des Jahrhunderts werde die Bevölkerung in Deutschland demnach überhaupt nicht zurückgehen, sondern wahrscheinlich weiterhin bei rund 80 Millionen liegen. Grund ist die nach 2011 stark gestiegene Zuwanderung, die die meisten Experten nicht vorhergesehen hatten. Die offiziellen Prognosen des Statistischen Bundesamts seit dem Jahr 2006 hatten bis 2050 mit jährlich lediglich 100 000 oder, in der "hohen" Zuwanderungsvariante, mit 200 000 Migranten pro Jahr gerechnet. Stattdessen kamen 2012 bis 2016 innerhalb von fünf Jahren netto mehr als drei Millionen Menschen ins Land, das sind im Schnitt 600 000 pro Jahr. Infolgedessen stieg auch die zusammengefasste Geburtenziffer 2016 auf den höchsten Wert seit mehr als 40 Jahren, Deutschland erlebt einen Mini-Babyboom.

Naturgemäß sind längerfristige Bevölkerungsprognosen mit großer Unsicherheit behaftet. Das liegt vor allem an den schwer vorherzusagenden zukünftigen Wanderungsbewegungen, weil diese von vielen Faktoren wie etwa der prinzipiell wandelbaren Migrationspolitik abhängen. Doch selbst wenn man von einer Halbierung des jährlichen Nettozuzugs auf langfristig 300 000 Migranten ausgeht und darüber hinaus auch noch annimmt, dass sich deren Geburtenrate sofort derjenigen der Einheimischen angleicht, wird damit der natürliche Bevölkerungsrückgang bis mindestens 2050 ausgeglichen. 2

Das "Aussterben" ist also bis auf weiteres vertagt. Wenn keine unvorhersehbaren Ereignisse eintreten, werden auch in den kommenden Jahrzehnten zwischen Rhein und Oder wahrscheinlich noch in etwa so viele Menschen leben wie heute. Die öffentliche Diskussion hat sich dem recht schnell angepasst - vom Aussterben oder Entvölkern spricht heute kaum jemand mehr, stattdessen eher von Wohnungsnot, Staus, fehlenden KiTa-Plätzen und verfehlten Klimazielen. Dass diese Probleme mit dem Bevölkerungswachstum zusammenhängen, das zur Verhinderung von Herausforderungen des demographischen Wandels gewünscht wurde, die durch die reine Erhöhung von Geburtenrate oder Bevölkerungszahl überhaupt nicht bewältigt werden können und teilweise ganz andere als "demographische" Gründe haben, offenbart die offenkundige Planlosigkeit der deutschen Demographiepolitik.

Muss man jetzt, da die Bevölkerungsimplosion wohl nicht kommt, überhaupt noch über Demographie reden? Die Antwort lautet: Mehr denn je! Nach einer weltweit einmaligen, über vierzig Jahre andauernden Phase konstant niedriger Geburtenzahlen, welche seit 1972 Jahr für Jahr von der Zahl der Verstorbenen übertroffen werden, steht die Bundesrepublik nämlich in der Tat kurz vor einem tiefgreifenden demographischen Umbruch. Ab etwa 2025 erreichen die in den 1960er Jahren geborenen "Babyboomer"-Kohorten das Rentenalter, und es rücken Jahr für Jahr nur gut halb so starke Geburtsjahrgänge ins erwerbsfähige Alter nach. Dann wird sich das Verhältnis zwischen den Erwerbsfähigen im Alter von 20 bis 65 und den Über-65-Jährigen schlagartig verringern.

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