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Mittelstadt Urbanes Leben jenseits der Metropole

  • Erscheinungsdatum: 12.04.2010
  • Verlag: Campus Verlag
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Mittelstadt

Viele Menschen in Europa leben in Städten, die weder Groß- noch Kleinstadt sind - in so genannten Mittelstädten. Was kennzeichnet dieses städtische Leben zwischen Provinz und Metropole? Die Autorinnen und Autoren erkunden Alltagswelten, suchen nach mittelstädtischen Lebensstilen und Lebensgefühlen und analysieren die Inszenierung von mittelstädtischen Stadtbildern. Erstmals tragen Vertreterinnen und Vertreter der Kultur- und Sozialwissenschaften, der Geschichtswissenschaft sowie der Stadt- und Raumplanung ihre Forschungen zusammen und bieten neue Perspektiven auf diesen bislang wenig untersuchten Typus Stadt. Mit Beiträgen von Andrew S. Bergerson, Ueli Gyr, Daniel Habit, Rolf Lindner, Clemens Zimmermann u. a. Brigitta Schmidt-Lauber war Professorin am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie in Göttingen und ist seit 2009 Professorin und Vorständin des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 12.04.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593408484
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3372 kBytes
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Mittelstadt

Hausbesetzungen in Hilden 1980-1982: Protest im Kontext lokaler Ambitionen und Realität (S. 207-208)

Sebastian Haumann

Legt man die statistischen Informationen des Bundeskriminalamtes zu Hausbesetzungen der Jahre 1980 bis 1982 zu Grunde, müsste man diese Welle des Protests als mittelstädtisches Phänomen charakterisieren. Die Anzahl von Besetzungen in Orten, die weder Groß- noch Universitätsstädte sind, war auffällig hoch. Als Beispiel kann die Stadt Hilden dienen, in der es zwischen 1980 und 1982 zu sechs Hausbesetzungen kam. Die Ereignisse in Hilden, mit seinen rund 50.000 Einwohnern zwischen Düsseldorf und Solingen, zeigen, dass Mittelstädte nicht bloß "Schauplatz" von Protest waren, sondern dass ein spezifisch mittelstädtischer Kontext für die Auseinandersetzungen kennzeichnend war.

Ein erster Blick richtet sich auf das Selbstverständnis der Kommune. Die Hildener Lokalpolitik und eine Mehrheit der öffentlichkeit suchte die Abgrenzung zu den umliegenden Großstädten, wehrte sich aber auch gegen die Marginalisierung als "Schlafstadt". Die Versuche, suburbane Beschaulichkeit mit städtischem Flair zu verbinden, mündeten in eine Stadtentwicklung, die selbstbewusst konzipiert war, inhaltlich aber auf Hildens Platz in der Region basierte. Die Aktionen der Hausbesetzer müssen vor dem Hintergrund dieser Komposition aus großen Visionen und vorstädtischer Enge gesehen werden.

Ein zweiter Schritt, der die sozialen Netzwerke der Beteiligten in den Mittelpunkt rückt, eröffnet Perspektiven auf die Dynamik der Auseinandersetzungen. Auffällig, und abweichend vom großstädtischen Kontext, ist die relativ starke Vernetzung zwischen den Konfliktparteien. Hausbesetzer und Ratspolitiker waren sich persönlich bekannt und gingen aufeinander - wenn auch zum Teil äußerst rabiat - ein. Auch die Strategie, sich gegenseitig in abstrakten Kategorien zu diffamieren, etwa als "Krawallmacher" oder "Spekulanten", ging unter diesen Bedingungen nicht auf. Die relative soziale Enge der Mittelstadt war, als Sozialkontrolle wahrgenommen, ein wesentlicher Kritikpunkt der jugendlichen Besetzer, wirkte aber auch eskalationshemmend.

Die Hausbesetzerbewegung: Hilden als "Schauplatz"?

Als beginnend mit einigen aufsehenerregenden Zwischenfällen in West- Berlin im Spätherbst 1980 eine Welle von Hausbesetzungen über die Bundesrepublik rollte, machte sich das Bundeskriminalamt daran, das Ausmaß der illegalen Protestpraxis abzuschätzen. Mit einer im April 1981 zuerst vorgelegten und im August fortgeschriebenen Erhebung für den internen Gebrauch sollte unter anderem der Verdacht erhärtet werden, dass es sich bei den Hausbesetzungen um eine zentral organisierte, zumindest aber eng vernetzte Bewegung handelte. Man ging davon aus, dass die Bewegung ihren Schwerpunkt in den Groß- und Universitätsstädten hatte, wo sich auch die Basis zahlreicher als verfassungsfeindlich eingestufter Organisationen der radikalen Linken befand (Willems 1997: 267-271).

Während West-Berlin mit 159 registrierten Besetzungen tatsächlich eine gewisse Sonderrolle innehatte, verwundert umso mehr, wie viele Städte geringerer Größe in der Liste des Bundeskriminalamts auftauchen. In der Kategorie der Städte mit einer Bevölkerung zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern betraf dies ohne Berücksichtigung der Universitätsstädte so unterschiedliche Orte wie Celle, Dorsten, Emden, Gütersloh, Hanau, Herne, Ingolstadt, Lüneburg, Offenburg, Rüsselsheim, Sindelfingen, Viersen oder Wetzlar, um nur einige zu nennen - und eben Hilden mit drei Besetzungen in diesem Zeitraum.1 Im Folgenden wird versucht, auszuloten, inwieweit es sich bei den in Hilden registrierten Besetzungsaktionen um ein eigenständiges mittelstädtisches Phänomen handelte. Daraus können Rückschlüsse auf lokale Spezifika gezogen werden, die möglicherweise auch für andere Mittelstädte - und mithin für die auffallen

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