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Wer raucht, der stiehlt... Zur Interpretation quantitativer Daten in der Jugendsoziologie. Eine jugendkriminologische Studie

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2009
  • Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
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Wer raucht, der stiehlt...

Am Beispiel eines Datensatzes mit mehr als 4.000 15-jährigen SchülerInnen aus fünf europäischen Städten sowie einer repräsentativen Umfrage aus Bremen zeigt Stephan Quensel, wie man mit Hilfe der SPSS schrittweise die diversen jugendkulturellen Bedeutungen des Konsums legaler wie illegaler Drogen sowie ihres delinquenten Handelns herausarbeiten kann. Die kritische und enge Verbindung von methodischen Überlegungen mit theoretischen Ansätzen aus der Jugendsoziologie und -kriminologie öffnet den Blick für eine alternative Art der Prävention im Umgang mit solchen als deviant angesehenen Verhaltensweisen. Die Datensätze sowie ihre statistische und graphische Verarbeitung, die auch in studentischen Projekten entwickelt wurde, findet man als Begleitmaterial im Internet unter www.vs-verlag.de. Stephan Quensel ist Professor am Bremer Institut für Drogenforschung (BISDRO) an der Universität Bremen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 301
    Erscheinungsdatum: 26.02.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783531914503
    Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
    Größe: 2190 kBytes
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Wer raucht, der stiehlt...

3 Hauptteil: Bedeutungen und Bewertungen. Der kulturelle Rahmen (S. 223-224)

"Und da jedes Alter auch seine eigene Zeit hat, wäre es dumm und überheblich, einem Jugendlichen vom überschwänglichen und zuweilen auch gefährlichen Austoben, Durchschmecken und Durchleben seiner Sinne abraten zu wollen." (Konstantin Wecker 2006,74)

"Wer raucht, der stiehlt", wer delinquent handelt, der ist erfahrener in der Liebe, wer sich stärker auf die Risiken der Liebe einlässt, der probiert auch eher illegale Drogen. Ein Blick auf die im folgenden Tableau 45 zusammen gestellte Graphik und die ihr zu Grunde liegende Korrelations-Matrix mit ihren hoch-signifikanten, hohen Korrelationen kann dieses 'Syndrom' noch einmal verdeutlichen. Ein aufeinander bezogenes Bündel unterschiedlicher Verhaltensweisen, das diese eigenständige Phase zwischen 'Kindheit und Erwachsen-Werden' in eben derselben Weise prägen kann, wie das Spielen und die familiäre Bindung die vorangegangene Schulkindheits-Phase oder Arbeit, Beruf und Familiengründung die daran anschließende Erwachsenen-Phase, die künftig erst mit 67 Jahren enden soll.

Wie soll man dieses Syndrom bewerten. Ist etwa das Rauchen oder die beginnende Liebe ebenso schlimm wie der kriminelle Diebstahl? Oder ist dieses delinquente Handeln umgekehrt ebenso 'normal' wie die neu einsetzende Beziehung zum anderen Geschlecht? Welches Moment dieses Syndroms färbt jeweils die anderen Momente wertend ein. Und wer bestimmt, wer entscheidet über diese Bewertung? Welche Bedeutung, welche Funktion, welches Gewicht erhalten diese Handlungen durch solche Bewertungen, von wem werden sie wann übernommen und wem dienen sie?

Mit derartigen Fragen betreten wir in diesem dritten Hauptteil ein kulturelles Spielfeld, dessen Rahmen im erwachsenen Common sense stets schon eindeutig festgelegt ist. Und zwar in dreifach legitimierter Weise: Gültig sind die Wertsetzungen derjenigen, die das 'Sagen haben', also diejenigen Werte der erwachsenen Welt, die in der herrschenden kulturellen Praxis verankert sind und die durch deren Experten vertreten und aufrecht erhalten werden. Eine einseitige Sicht, die sich sodann darauf beziehen kann, dass die vorangegangenen Phasen - Kindheit, Jugend, Adoleszenz, Postadoleszenz - als Entwicklungs- oder Übergangsphasen begriffen werden, die ihre Vollendung erst in der Phase der Erwachsenen finden: In diesem Sinne haben Jugendliche 'Entwicklungsaufgaben' zu erfüllen, die nicht durch 'frühreif' vorweg genommenes erwachsenes Verhalten gestört werden sollen.

Der damit gesetzte Werte-Kanon gilt zudem als 'natürlich' - entwicklungsbiologisch, logisch oder durch Tradition und Religion - begründet, also nicht als willkürlich gesetzt, sondern als objektiv gültig. In dieser Perspektive gelten die hier untersuchten 'devianten' jugendlichen Verhaltensweisen selbstverständlich als 'schlecht', das eigene Tun dagegen als angemessen: 'Diebstahl' ist 'Diebstahl' und nicht jugendlicher Spaß, Alkohol unter 18 Jahren sollte verboten werden und 'vorehelicher Sexualverkehr' galt lange als höchst unmoralisch.

Wenn diese Wertungen auch im 'alten Europa' zunehmend relativiert werden, so gelten sie heute in der bigotteren USA in wieder verschärfter Form, um von dort auf dem Wege der 'Suchtprävention' mehr und mehr zu uns zurück zu finden. In diesem Rahmen kann man dann allenfalls diskutieren, ob angesichts 'zunehmender Gewalt-Kriminalität in den Schulen' der Ladendiebstahl als etwas weniger schlecht zu werten sei, ob man die 'geringe Cannabis-Menge' bayerischen Verhältnissen anpassen oder nach USA-Muster das Alkohol-Verbot auf 21 Jahre heraufsetzen solle. Im Gegensatz zu dieser 'adultistisch' essentialistischen Sicht, in der alleine Erwachsene wissen, was 'objektiv richtig' sei, gehe ich von einer jeweils 'kulturell' bestimmten 'relativen' Perspektive aus. Dabei soll 'Kultur' - kulturelle Bedeutung und Bewertung - als Konstrukt v

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