text.skipToContent text.skipToNavigation

Kampfzone Straße Jugendliche Gewalttäter jetzt stoppen von Gaertner, Karlheinz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2012
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Kampfzone Straße

Anfangs stehen sie sich unversöhnlich, geradezu feindlich, gegenüber: Hier der Berliner palästinensischer Herkunft, Mitglied einer Straßengang und kriminell. Dort der Berliner Polizist, der Hassgegner schlechthin. Doch es passiert das Unglaubliche: Aus Konfrontation wird die gemeinsame Suche nach Lösungen, aus unversöhnlichen Gegnern werden Freunde. Die Geschichte einer besonderen Beziehung und des gemeinsamen Kampfes gegen die Jugendgewalt.

Fadi Saad, geboren 1979 in Berlin, stammt aus einer palästinensischen Familie, spricht Deutsch und Arabisch, und ist ausgebildeter Bürokaufmann. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Berlin und arbeitet als Quartiersmanager in Berlin Moabit-Ost.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 24.04.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451339165
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 2540kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Kampfzone Straße

Wie alles begann

Der Alltag

"Ich bin überfallen worden!"

Die Nachmittagssonne strahlte in den Wachbereich des Polizeiabschnitts 55 hinein und beleuchtete goldschimmernd den Publikumstresen. Ich stand etwas abseits und beobachtete das rege Hin und Her zwischen Strafanzeigenaufnahme und der Abarbeitung von Funkwageneinsätzen. Wie so häufig war auch an diesem Donnerstag der Polizeiabschnitt Anlaufpunkt für unzählige Hilfesuchende.

Auf einmal fiel mir ein junger Mann auf, groß gewachsen und breitschultrig, der mit bekümmertem Gesichtsausdruck die Wache betrat und sich gegen den Tresen lehnte. Unsicher und zurückhaltend sprach er eine Kollegin an und bat darum, eine Anzeige erstatten zu dürfen. Nach dem Grund fragend, erwiderte er höflich: "Ich bin überfallen worden!"

Aufgrund der Art und Weise seines Auftretens begab ich mich ebenfalls zur Kollegin und hörte mir seine Schilderung des Geschehens an. Unterbrochen von hilflosen Gesten seiner Arme und nur mühsam unterdrückter Wut berichtete er, dass er vor ca. einer halben Stunde mit der U-Bahn der Linie 7 in Richtung Rudow unterwegs war. Auf dem U-Bahnhof Parchimer Allee stiegen drei offensichtlich arabischstämmige Jugendliche in den Zug und kamen unmittelbar auf ihn zu. Zwei der etwa 15- bis 1 7-Jährigen setzten sich rechts und links neben ihn, während der Dritte vor ihm stehen blieb. Ohne zu zögern beleidigten sie ihn sofort mit den Worten: "Was is, du Schwuchtel, was glotzt du?" Er, der in seiner Freizeit Taekwondo trainiert und sportlich fit ist, wollte aufstehen und dieser Provokation aus dem Weg gehen, als er bemerkte, dass der rechts neben ihm Sitzende ein überdimensionales Messer gegen seinen rechten Oberschenkel drückte. Stockend, nur mühsam seine eigene Hilflosigkeit unterdrückend, berichtete er weiter. Der mit dem Messer blaffte ihn erneut an mit den hasserfüllten Worten: "Los du Schwuchtel, gib mir Handy, sonst stech ich dich ab!", während der links von ihm Sitzende die Szene in Richtung Wageninneres abdeckte. Starr gegenüber solcher bisher nicht erlebter Gewalt zog er sein neues Handy, welches er erst vor einer Woche von seinem Vater zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte, aus der Tasche und übergab es dem "Messertyp". Dieser nahm es an sich, sprach einige arabische Sätze zu seinen Mittätern, und plötzlich, ohne jegliche Vorwarnung, trat ihm der vor ihm Stehende mit seinem Fuß so stark gegen seinen Oberkörper, dass er gegen die Rückbank prallte. Der Schreck und der Schmerz raubten ihm fast den Atem. Als er um Hilfe rufen wollte, sah er, dass die drei aus dem Waggon heraus auf den zwischenzeitig erreichten Bahnsteig Britz-Süd rannten.

Beim Umsehen erkannte er, dass die anderen Fahrgäste im spärlich besetzten U-Bahn -Waggon nichts von dem Überfall mitbekommen hatten.

Während dieser Schilderung konnte ich erneut sehen, wie sehr ihn das Geschehene mitgenommen hatte, er hatte sogar Tränen in den Augen.

Ich merkte, wie sich mein Magen verkrampfte, und ich erinnerte mich sofort an den Übergriff auf meinen Sohn, der nur ein halbes Jahr zurücklag. Auch er war in ähnlicher Weise überfallen worden. Auf dem Nachhauseweg verließ er die U-Bahn -Station Rudow und wurde von zwei südländisch aussehenden Jugendlichen von vorne und von hinten mit einem Messer bedroht, übelst beleidigt und seines teuer erworbenen Handys beraubt. Glücklicherweise wehrte er sich nicht und wurde auch nicht verletzt. Wobei dies so einfach behauptet wird. Den seelischen Schaden, den solche Überfälle bei jungen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen