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Vergangenheit und Zukunft der Moderne

  • Erscheinungsdatum: 08.12.2014
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Vergangenheit und Zukunft der Moderne

Mit der Ankunft der Zeitgeschichtsschreibung in den siebziger und achtziger Jahren ist eine Reflexion auf die Geschichte der Moderne und ihre Vorgeschichte unabweisbar geworden. Es steht an, den internen Bruch zwischen "Erster" und "Zweiter" Moderne sowohl historisch als auch soziologisch zu verstehen. Zugleich muss dabei der Horizont einer Tiefenzeit der Moderne berücksichtigt werden, die weit hinter das 19. Jahrhundert zurückreicht, in die stufenweisen Modernisierungsschritte mindestens seit der Renaissance. Welche Konsequenzen haben solche Reflexionen für das soziologische Verständnis der "Zweiten Moderne" selbst? Wie ist unter diesen Umständen die Identität der Moderne zu verbürgen? Impliziert eine Identität der Moderne Kontinuitäten, die sich bei allen Brüchen durchhalten?

Ulrich Beck ist einer der weltweit anerkannten Soziologen. Sein 1986 erstmals veröffentlichtes Buch Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne brachte ein neues Zeitalter auf den Begriff. Dieses Konzept machte ihn international und weit über akademische Kreise hinaus bekannt. Zwanzig Jahre später erneuerte und erweiterte er seine Zeitdiagnostik in Weltrisikogesellschaft. Auf der Suche nach der verlorenen Sicherheit im Zeichen von Terrorismus, Klimakatastrophen und Finanzkrisen. Er war zwischen 1997 und 2002 Herausgeber der Reihe Edition Zweite Moderne im Suhrkamp Verlag. Zwischen 1992 und 2009 war Beck Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 1999 bis 2009 fungierte Ulrich Beck als Sprecher des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Sonderforschungsbereichs Reflexive Modernisierung. Vom Europäischen Forschungsrat wurde Ulrich Beck 2012 ein Projekt zum Thema Methodologischer Kosmopolitismus am Beispiel des Klimawandels mit fünfjähriger Laufzeit bewilligt. Beim Weltkongress für Soziologie 2014 in Yokohama erhielt Ulrich Beck den Lifetime Achievement Award – For Most Distinguished Contribution to Futures Research der International Sociological Association.

Ulrich Beck wurde am 15. Mai 1944 in Stolp in Hinterpommern geboren. Nach seinem Studium der Soziologie, Philosophie, Psychologie und Politikwissenschaft in München promovierte er dort im Jahr 1972. Sieben Jahre später wurde er im Fach Soziologie habilitiert. Sein wissenschaftliches Hauptinteresse galt dem Grundlagenwandel moderner Gesellschaften. Diese grundlegenden Veränderungen faßte er, neben dem Begriff des Risikos, unter anderem mit Konzepten wie Reflexiver Modernisierung, Zweite Moderne, unbeabsichtigte Nebenfolgen und Kosmopolitismus.

Ihm wurden mehrere Ehrendoktorwürden europäischer Universitäten und zahlreiche Preise verliehen.

Er starb am 1. Januar 2015.

Martin Mulsow, geboren 1959, studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte in Tübingen, Berlin und München. Er ist Professor für Wissenskulturen der europäischen Neuzeit an der Universität Erfurt und Direktor des Forschungszentrums Gotha. Er war Member des Institute for Advanced Study in Princeton und von 2005 bis 2008 Professor für Geschichte an der Rutgers University in den USA.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 427
    Erscheinungsdatum: 08.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518738429
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 5089 kBytes
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Vergangenheit und Zukunft der Moderne

Ulrich Beck und Martin Mulsow

Einleitung

I. Soziologie und Geschichtswissenschaft[ 1 ]

Lange Zeit war der Dialog zwischen Soziologie und Geschichtswissenschaft verstummt. Nach der engen Liaison in den 1970er Jahren im Zeichen der Sozialgeschichte und der historischen Makrosoziologie haben andere Entwicklungen das jeweilige Feld bestimmt und für ein langsames, aber stetiges Auseinanderdriften der Disziplinen gesorgt. Die Soziologie hat die Systemtheorie, die Medientheorie und den Symbolbegriff entdeckt; die Geschichtswissenschaft öffnete sich für die Anthropologie und die Kulturwissenschaften. Heute gibt es weniger Beispiele für eine echte Zusammenarbeit.

Doch der Zeitpunkt für eine neue Annäherung, für ein Gespräch in veränderter Konstellation, ist da. Nachdem sie sich in den ersten vier Jahrzehnten der Bundesrepublik vor allem dem Dritten Reich und der Nachkriegszeit gewidmet hatte, ist die Zeitgeschichtsforschung in den 70er und frühen 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angekommen. Das hat zum einen damit zu tun, dass zunehmend Archivsperrfristen entfallen, zum anderen werten wir diesen Trend als Resultat einer gewissen Erschöpfung hinsichtlich der Themen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Das bedeutet nun aber, dass Historiker sich jenen gesellschaftlichen Veränderungen zuwenden, die in zahlreichen Soziologien als Wende zur Spätmoderne, zur Postmoderne oder zur Zweiten Moderne diagnostiziert worden sind.[ 2 ] Wird der Historiker dasselbe sehen, was der Soziologe beschrieb? Wird seine retrospektive Analyse die Tendenzmeldungen der Soziologen bestätigen?

Doch die neu zu entdeckende Verflechtung zwischen Soziologie und Geschichtswissenschaft reicht viel tiefer, als diese recht äußerliche Verifikationsbeziehung nahelegt. Die Zweite Moderne und das globalisierte Zeitalter der unausweichlichen Kosmopolitisierung, so die These dieses Bandes, bringt ganz von sich aus die Geschichte in die Soziologie zurück. Denn die Kategorien der modernen Gesellschaft, welche die traditionelle Soziologie noch ohne einen Schatten des Argwohns als universell ansetzte, sind geschichtlich geworden. Wir wissen heute nicht mehr, ob funktionale Differenzierung wirklich ein Grundprinzip von gesellschaftlicher Entwicklung schlechthin ist. Wir wissen nicht, ob sich all jene Begriffe, die vor achtzig oder vierzig Jahren entwickelt wurden, unter den veränderten Bedingungen noch korrekt anwenden lassen. Viele der "klassischen" Analyseinstrumente der Soziologie stellen sich ja mehr und mehr als Instrumente aus der Zeit des methodologischen Nationalismus heraus, als die Gesellschaft, die der Soziologe beschrieb, mit der von Staaten und Nationen identisch war. Doch diese Gleichung gilt nur für die Epoche, die in diesem Band 'Erste Moderne' genannt wird. Sie gilt nicht mehr für die modernisierte Moderne der Gegenwart, und sie gilt - wie sich herausstellen wird - auch nicht für die Zeiten der europäischen Vormoderne. Daher hat die Soziologie ihre eigene geschichtliche Bedingtheit zu reflektieren und mit ihr umzugehen.

Auf der anderen Seite bringt die Zweite Moderne auch die Soziologie in die Geschichtswissenschaft zurück. Denn die Wandlungsprozesse, die seit den 1970er Jahren zu beobachten sind, haben inzwischen eine Dichte erreicht, die manche Historiker nicht mehr zögern lassen, von einem Epochenumbruch zu reden. Wenn aber ein Epochenumbruch stattgefunden hat, dann benötigen wir Definitionen, um die Zeit vor den 1970er Jahren von der Phase danach zu unterscheiden. Dazu bedarf es einer strukturellen Analyse des gesellschaftlichen Tiefenwandels. Ohne soziologische Kategorien ist das jedoch nicht möglich. Doch es werden sicherlich andere Kategorien sein als jene, die zur Zeit der letzten Liaison noch zur Verfügung standen.

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