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Die Hälfte der Erde Ein Planet kämpft um sein Leben von Wilson, E. O. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Hälfte der Erde

Die Hälfte der Erdoberfläche der Natur zu überlassen – das ist die Forderung des weltberühmten Biologen Edward O. Wilson. Sein Buch ist das Testament eines großen Forschers und Schriftstellers, der wie kein anderer erkannt hat, dass der Mensch trotz aller unübersehbaren Fortschritte eine biologische Spezies bleibt, die den früheren Lebensbedingungen auf unserem Planeten besser angepasst ist als der Umwelt, die wir gerade erschaffen. Geschichte zu haben ist kein Privileg des Menschen. Und dennoch ignorieren wir die Geschichten von Millionen anderen Arten, die durch unser Verhalten vom Aussterben bedroht sind. Wilson ist davon überzeugt, dass wir nur dann den lebendigen Anteil unserer Umwelt retten und die für unser eigenes Überleben nötige Stabilität herstellen können, wenn wir den halben Planeten zum Naturschutzgebiet erklären. Wenn die Menschheit sich nicht sehr viel mehr Wissen über die globale Lebensvielfalt aneignet und sich nicht schnell dazu entschließt, sie zu schützen, dann werden wir schon bald die meisten Arten, in denen sich das Leben auf der Erde manifestiert, unwiederbringlich verlieren. E. O. Wilson (geb. 1929) forscht und lehrt über Umwelt, Tierverhalten, Evolution und Biodiversität. Unter seinen vielen wissenschaftlichen Auszeichnungen finden sich die amerikanische National Medal of Science und der Crafoord-Preis der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften – der weltweit renommierteste Preis für Ökologie. Für seine Veröffentlichungen erhielt er zweimal den Pulitzer- Preis, für Biologie als Schicksal. Die soziobiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens (1978, dt. 1980) sowie (mit Bert Hölldobler) für Die Ameisen (1990, dt. 1995). Im Verlag C.H.Beck sind von ihm lieferbar: Ameisenroman. Raff Codys Abenteuer (2011); Die soziale Eroberung der Erde. Eine biologische Geschichte des Menschen (2013); Der Sinn des menschlichen Lebens (2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406697869
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: Half-Earth. Our Planet's Fight for Life
    Größe: 5255 kBytes
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Die Hälfte der Erde

TEIL I
Das Problem

Die wahre Vielfalt der Lebensformen auf der Erde ist der Wissenschaft bis heute weitgehend unbekannt. Die Arten aber, die ausreichend erforscht sind, insbesondere Wirbeltiere und Blütenpflanzen, nehmen zahlenmäßig in zunehmendem Tempo ab - und schuld daran ist fast ausschließlich der Mensch.

Verschiedene Pilze. Franciscus van Sterbeeck, 1675.

1.
Die Welt geht zweimal unter

Vor 65 Millionen Jahren krachte ein Asteroid von zwölf Kilometern Durchmesser mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Kilometern pro Sekunde in den Erdboden nahe der heutigen Ortschaft Chicxulub auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Er grub einen zehn Kilometer tiefen Krater mit einem Durchmesser von 180 Kilometern und schüttelte den Planeten kräftig durch. Es folgten Vulkanausbrüche, Erdbeben, saurer Regen und ein gigantischer Tsunami rund um die Welt. Rußwolken hingen am Himmel, verdeckten die Sonne und verhinderten damit die Photosynthese. Es blieb so lange dunkel, dass der Großteil der Pflanzenwelt ausstarb. Im tödlichen Dämmerlicht sanken die Temperaturen in ungeahnte Tiefen, auf dem Planeten herrschte ein vulkanischer Winter. Siebzig Prozent aller Arten verschwanden, darunter auch die letzten Dinosaurier. Bakterien, Pilze und Aasfliegen konnten den Nahrungsüberfluss nutzen und profitierten eine Zeitlang von den vielen abgestorbenen Pflanzen und Tierleichen; schon bald aber ging es auch für sie bergab.

Es war das Ende des Mesozoikums, des Zeitalters der Reptilien, und der Anfang des Känozoikums, des Zeitalters der Säugetiere. Höhepunkt und potenzielles Endprodukt des Känozoikums sind wir.

Geologen gliedern das Känozoikum in sieben Epochen, die sich durch die jeweilige Verbindung charakteristischer Umwelten mit den darin lebenden Pflanzen- und Tierarten definieren. Die älteste dieser Epochen war das Paläozän, ein Zeitabschnitt von zehn Millionen Jahren, in dem die Vielfalt des Lebens nach dem Massenaussterben am Ende des Mesozoikums einen neuen Aufschwung nahm. Es folgten Eozän, Oligozän, Miozän und Pliozän. Die sechste Epoche war dann das Pleistozän, in dessen Verlauf sich die Kontinentalgletscher ausdehnten und wieder zurückzogen.

Die letzte von den Geologen ausdrücklich anerkannte Epoche, in der wir noch immer leben, ist das Holozän. Es begann vor 11.700 Jahren, als die letzten Kontinentalgletscher sich allmählich zurückzogen, brachte milderes Klima und eine kurzzeitige Artenvielfalt, die in der Geschichte des Lebens womöglich einen absoluten Höhepunkt darstellt.

Zu Beginn des Holozäns hatte sich auch der Mensch in einem Großteil der bewohnbaren Gebiete auf der Erde ausgebreitet. Alle drei Organisationsebenen des Lebens sahen sich nun einer neuen Bedrohung mit dem Zerstörungspotenzial des Chicxulub-Einschlags gegenüber. Bis heute sind diese Organisationsebenen zunächst die Ökosysteme, etwa Korallenriffe, Flüsse und Wälder; dann die Arten, also Korallen, Fische und Eichen als lebendige Teile der Ökosysteme; und schließlich die Gene, die die Merkmale jeder einzelnen Art festlegen.

Denkt man in geologischen Maßstäben, dann sind Aussterbewellen gar keine besondere Seltenheit. In der gesamten Geschichte des Lebens traten sie in allen erdenklichen Ausmaßen immer wieder auf. Wirklich apokalyptisch ging es freilich nur etwa alle hundert Millionen Jahre zu. Fünf solche Massenaussterben lassen sich dokumentieren, das jüngste davon war Chicxulub. Die Erde brauchte nach diesen Ereignissen jeweils etwa zehn Millionen Jahre, um sich davon zu erholen. Die vom Menschen verursachte Aussterbewelle nennt man häufig das sechste Massenaussterben.

Viele Autoren sind der Meinung, die Erde habe sich bereits so verändert, dass man das Holozän für beendet erklären und stattdessen eine neue geologische Epoche ansetzen sollte. Als Bezeichn

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