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Plädoyer für die Tiere von Ricard, Matthieu (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.03.2015
  • Verlag: nymphenburger Verlag
eBook (ePUB)
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Plädoyer für die Tiere

Für ein neues Miteinander: Mathieu Ricard liefert alle Hintergründe und zeigt Lösungen auf Jeder Einzelne kann etwas tun, damit das Leiden der Tiere aufhört. Das fängt mit unserer geistigen Einstellung an, unserem Überlegenheitsgefühl gegenüber Tieren, setzt sich fort in der Art, wie wir uns ernähren, unserem Fleischkonsum, bis hin zur Verwendung von Kosmetika, die auf Tierversuchen basieren. Wir können nicht länger wegschauen angesichts von Artensterben, Klimawandel, Tierversuchen, Massentierhaltung. Matthieu Ricard beleuchtet die heute in unserer Gesellschaft gängigen Mechanismen, den manipulativen Einfluss der Industrie und zeigt die Dringlichkeit für ein Umdenken und ein ethisch motiviertes Handeln. Dr. Matthieu Ricard, 1946 in Paris geboren, ist promovierter Molekularbiologe. 1979 wurde er als buddhistischer Mönch ordiniert und lebt heute im Kloster Shechen (Nepal). Matthieu Ricard ist Autor zahlreicher, sehr erfolgreicher Bücher, ein international anerkannter Fotograf und wirkt, in Zusammenarbeit mit führenden Vertretern der Kognitionswissenschaften, an wissenschaftlichen Studien mit. Er setzt sich für humanitäre Projekte ein: Den Erlös aus seinen diversen Büchern stellt er einer Stiftung zur Verfügung. matthieuricard.org

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 18.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783485061087
    Verlag: nymphenburger Verlag
    Größe: 1576 kBytes
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Plädoyer für die Tiere

Einleitung

Es gibt Menschen, die kommen mit einer natürlichen Neigung zu Mitgefühl auf die Welt. Von frühester Kindheit an begegnen sie ihrer Umgebung mit spontaner Güte, die sie auch Tieren gegenüber zeigen. In meinem Fall war das anders. Ich stamme aus einer bretonischen Familie und ging bis zu meinem 15. Lebensjahr angeln. Auch erinnere ich mich noch gut daran, als kleines Kind zusammen mit meinen Kameraden, mit denen ich die kleine Schule im Ort besuchte, Sonnenstrahlen mithilfe einer Lupe gebündelt zu haben, um Ameisen zu grillen. Rückblickend schäme ich mich dafür, mehr noch, ich frage mich, wie ich dieses Verhalten damals normal finden konnte. Als ich fünf Jahre alt war, nahm mich mein Vater bei einem Mexikobesuch zu Stierkämpfen mit. Es waren rauschende Feste, die Musik war mitreißend und die Darbietungen begeisterten offensichtlich alle Gäste ... Warum bin ich damals nicht heulend davongelaufen? War dies einem Mangel an Mitgefühl, Erziehung oder Vorstellungsvermögen geschuldet? Ich kam nicht auf die Idee, mich in die Lage des Fisches, der Ameise oder des Ochsen zu versetzen. War ich schlicht hartherzig? Oder hatte ich einfach nicht nachgedacht, nicht die Augen geöffnet?

Bevor ich mir all dessen bewusst wurde, sollte noch einige Zeit vergehen. Ich lebte viele Jahre bei meiner Großmutter, die alle Qualitäten hatte, die man sich von einer Oma nur wünschen kann. Wie viele Menschen, die auch gute Eltern oder gute Kinder sind, war sie eine begeisterte Anglerin. In unseren gemeinsamen Urlauben verbrachte sie ihre Nachmittage oft an den Ufern eines Sees oder, in Begleitung alter Bretoninnen, die noch die traditionellen weißen Hauben der Bigouden trugen, an den Kais von Le Croisic. Diesen ehrlichen und mutigen Menschen wäre es ansonsten nie in den Sinn gekommen, irgendjemandem Unheil anzutun. Ich erinnere mich noch genau, wie die kleinen zappelnden Fische in der Sonne funkelten, wenn wir sie am Angelhaken aus dem Wasser zogen. Sicherlich gab es dann diesen bedrückenden Augenblick, wenn sie in dem Weidenkorb erstickten und ihre Augen glasig wurden, aber dann schaute ich einfach schnell weg.

Einige Jahre später - ich war inzwischen 14 Jahre alt - machte mich eine Freundin ohne Umschweife auf mein Treiben aufmerksam: "Was? Du angelst?" Der Ton ihrer Stimme und der Ausdruck ihres Gesichts, gleichzeitig erstaunt und missbilligend, waren unmissverständlich.

"Du angelst?" Plötzlich sah ich die ganze Sache in einem anderen Licht: Erst jetzt fiel mir auf, dass der Fisch an einem Eisenhaken aus seinem Element gezogen wurde, um anschließend genauso elend an der Luft zu ersticken, wie wir im Wasser ertrinken würden. Hatte ich nicht eigenhändig Maden bei lebendigem Leib durchbohrt, um aus ihnen einen lebenden Köder zu machen? Opferte ich damit nicht ein Leben mit der Absicht, ein anderes noch einfacher zu zerstören? Wie hatte ich so lange diese Tatsachen, dieses Leid übersehen können? Mir krampfte sich das Herz zusammen und ich ließ fortan vom Angeln ab.

Angesichts der Tragödien, die überall auf der Erde das Leben so vieler Menschen vernichten, mag manchem meine Sorge um die kleinen Fische lächerlich erscheinen. Aber für mich war das ein entscheidendes Erlebnis.

Im Alter von 20 Jahren hatte ich das große Glück, spirituellen Meistern aus Tibet zu begegnen, die seither jeden einzelnen Augenblick meines Lebens inspirieren. Die Lehre, die ich von ihnen erhielt, basiert auf dem Königsweg von universeller Liebe und Mitgefühl.

Auch wenn ich mich lange nicht in andere hineinversetzen konnte, lernte ich dank der Anleitung dieser Meister langsam, was altruistische Liebe ist. Nach und nach öffnete ich meinen Geist sowie mein Herz so gut ich konnte dem Schicksal anderer. Ich übte mich in Mitgefühl und dachte sowohl über das menschliche Dasein als auch über das von Tieren nach. Es liegt zweifel

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