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Wirtschaftsethik Vom freien Markt bis zur Share Economy von Oermann, Nils Ole (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.02.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Wirtschaftsethik

Money makes the world go round - aber wie kann man 'anständig' Geld verdienen und Geld ausgeben? Wie kann Wirtschaft fairer und nachhaltiger funktionieren? Die Antworten reichen vom Vertrauen in den freien Markt über soziale Marktwirtschaft und religiöse Wirtschaftslehren (katholische Soziallehre, islamisches Zinsverbot u.a.) bis hin zur Share Economy des digitalen Zeitalters. Nils Ole Oermann stellt in diesem Buch die wichtigsten wirtschaftsethischen Grundpositionen und Konzepte anhand von anschaulichen Beispielen vor. Nils Ole Oermann lehrt als Professor Ethik mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik in Lüneburg und St. Gallen. Durch seine Albert-Schweitzer-Biographie (C.H.Beck, 2013) und seinen Bestseller Tod eines Investmentbankers (2013) ist er einer größeren Leserschaft bekannt geworden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 127
    Erscheinungsdatum: 05.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406675508
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2629 kBytes
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Wirtschaftsethik

"Der Intellektuelle hat niemals eine freundliche
Haltung gegenüber dem Markt eingenommen:
Für ihn war der Markt immer ein Ort für
grobe Menschen und unedle Motive."
George J. Stigler
2. Markt, Reichtum und Gerechtigkeit:
Eine kurze Ideengeschichte

In Exemplistan gibt es eine Staatsbahn und ein staatliches Schienennetz. Die private Eisenbahngesellschaft Kesseldruck beantragt eine Betriebserlaubnis für eine Regionallinie. Die Genehmigungsbehörde erteilt die Erlaubnis mit der Auflage, die Kesseldruck AG müsse sich jährlich zu 5 Prozent an den Erhaltungskosten des staatlichen Schienennetzes beteiligen. Später teilt die Staatsbahn ihrer neuen Konkurrentin mit, sie werde weder Tickets der Kesseldruck AG verkaufen noch deren Werbung in den staatlichen Bahnhöfen dulden und erst recht nicht ihre Fernzüge mit der Kesseldruck-Regionallinie harmonisieren. Auch dürften die Lokführer der Kesseldruck nicht in die als besonders streitbar geltende staatliche Lokführergewerkschaft Exemplistans eintreten. Angenommen, alles das wäre legal - wäre es in einer Marktwirtschaft legitim, die sich "frei" nennt?

Kann man in diesem Fall noch von freiem Wettbewerb auf freien Märkten sprechen? Darf ein Staat, der sich zu einer "freien Marktwirtschaft" bekennt, aktiv und lenkend in Märkte eingreifen oder gar selbst unternehmerisch tätig werden? Wenn ja, warum und wann? Woher stammt überhaupt die Idee, dass Märkte "frei" sein sollen? Wer fundamentale Fragen, wie sie dieser Fall aufwirft, angemessen beantworten will, sollte sich zunächst mit der Ideengeschichte der Marktwirtschaft beschäftigen. Ökonomie als Wissenschaft betritt mit Adam Smith' Werk Wealth of Nations die akademische Bühne. Dieser hatte zunächst als Moralphilosoph eine eigene Theory of Moral Sentiments verfasst, mit der er auch die Grundlage ökonomischen Handelns ethisch fundierte. Dagegen ist Ökonomie als "Handel und Wandel" und sind Märkte, auf denen Güter und Dienstleistungen gehandelt werden, fast so alt wie die Menschheit. Eine erste systematische Beschreibung der oikonomia und ihres Zwecks gibt schon der Platon-Schüler Aristoteles, für den ein Markt nicht mehr ist als ein Handelsort (Markt, von lat. mercari , als Ort, an dem man Handel treibt), der seine ethisch-politische Bedeutung aus der Tatsache zieht, dass dieses Marktgeschehen ethisch und politisch bedeutsam ist. Dank des Marktes kann die kleinste wie gesellschaftlich wichtigste Einheit einer polis , die Familie, ihre materiellen Bedürfnisse befriedigen. Damals geschieht das noch lokal oder regional und ohne intensive Arbeitsteilung. Die Haushaltungen sind autarker, weil sie vieles selber herstellen, und sie ertauschen damit, was ihnen noch fehlt. Der Markt hilft aber nicht allein den Familien, sondern zugleich dem Gemeinwesen, auf das die Familien und jeder Einzelne ausgerichtet sind. Denn der Mensch gilt für Philosophen wie Aristoteles als ein soziales Wesen (zoon politikon) und ist darum willens und in der Lage, Ordnungen zu schaffen und sich diesen Ordnungen als freier Bürger freiwillig zu unterwerfen.

Gerade in ökonomischen Fragen der Familie als der kleineren Einheit billigt Aristoteles in Einklang mit der damaligen Realität des Wirtschaftens subsidiär mehr autonomen Einfluss als den Institutionen der polis zu, weil die Bedeutung des Marktes und freier und informierter Marktakteure klar hervortritt, auch wenn Aristoteles Frauen und Sklaven nicht als Freie betrachtete. Außerdem erscheinen seine Ansichten zum Verhältnis von Markt- zu Geldwirtschaft fast 2500 Jahre später hochaktuell, ohne dass der griechische Philosoph je etwas von global agierenden Geldhäusern gehört hätte: In der Politik kontrastiert er die Haushaltskunst, die Ökonomie, mit der Erwerbskunst, der Chrematistik, und erläutert das Wesen des Reichtums, der "nichts [ist] als eine Vielheit von Werkzeugen

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