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Der skandinavische Kriminalroman Genese, Strukturen, Motive und Erfolg von Gizbili, Turan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2008
  • Verlag: GRIN Verlag
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Der skandinavische Kriminalroman

Magisterarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich Germanistik - Gattungen, Note: 1,5, Universität Duisburg-Essen, 87 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Arbeit hier nimmt sich mehrerer Fragestellungen hinsichtlich des Phänomens des skandinavischen Kriminalromans an. So wird untersucht, in wie weit der skandinavische Krimi sich sozialkritischer Themen annimmt und wie diese Motive literarisch verarbeitet werden. Struktur- und Handlungsmuster werden zuerst dargelegt, dann werden diese Motive anschließend mittels meist sozialanthropologischer/ethnographischer Studien auf ihren 'Wahrheitsgehalt' geprüft. Denn wenn der skandinavische Krimi ein sozialkritischer Krimi ist, müssen seine Motive mit gesellschaftlichen Problemen in der 'Realität' korrelieren und korrespondieren. Die sozialanthropologischen Ansätze haben den großen Vorteil, dass sie individuelle Verhaltensweisen in sozialen und kulturell spezifischen Rahmen aufzeigen und deuten, ohne in ein 'Psychologisieren' oder ins Fahrwasser gefährlich- pauschalisierender Mentalitätsschemata zu geraten. Und gegenüber rein soziologischen Studien haben sie den Vorteil, dass sie weder zu statisch, noch zu abgehoben vom Individuellen, vom Menschen sind.
Doch zuerst wird eine kleine Geschichte des skandinavischen Krimis zeigen, wie sehr sich diese Literatur aus angelsächsischer Tradition gelöst hatte, um dann ihr heutiges Gesicht zu erlangen, wofür maßgeblich die wahren 'Eltern' dieser Literatur, Maj Sjöwall und Per Wahlöö, verantwortlich sind. Kurz werden deshalb auch zwei ihrer Romane, 'Der Mann, der sich in Luft auflöste' und 'Das Ekel aus Säffle' vorgestellt und analysiert.
Der beeindruckende Erfolg der Mordgeschichten aus dem Norden hat sicherlich mehrere Gründe. Zum einen gibt es in Norwegen und Schweden eine hervorragende staatliche Autorenförderung, denn darf man trotz aller Rahmenbedingungen eines nicht aus dem Blick verlieren: das Buch, bzw. seine Qualität, die Fähigkeit des Autors, seine Leser zu begeistern, schließlich und abschließend für die Arbeit aber auch die positive Reputation, über die Skandinavien in Deutschland generell verfügt. Zu guter Letzt wird der 'Nordland-Mythos' beschrieben, die lange Tradition, die Verklärung des Nordens, sein positives Image über Ideologie- und Altersgrenzen hinweg in den deutschen Köpfen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 110
    Erscheinungsdatum: 21.01.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783638897013
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V85106
    Größe: 340kBytes
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Der skandinavische Kriminalroman

2. Die Wurzeln der modernen skandinavischen Kriminalliteratur
Eine chronologische Auflistung aller skandinavischen Kriminalromane auf ein paar Seiten wiederzugeben, ist nicht nur nahezu unmöglich, es sei denn, man stellt eine Liste auf, sie wäre auch unsinnig und wenig erkenntnisbringend. Denn nicht allein die quantitative Flut an Literatur, allein schon die Frage, wann fängt qualitativ gesehen denn der wirklich ‚echte' skandinavische Krimi an, kann man perspektivisch unterschiedlich betrachten. Exemplarisch werden hier Autoren und ihre Werke als Vorgänger und Inspirationen vorgestellt, auch chronologisch geordnet. Neben den ‚reinen' Kriminalromanen werden auch realistische, sozialkritische Werke mit in die Ahnenreihe aufgenommen. Denn eine entscheidende These dieser Arbeit, und nicht nur dieser [14] , ist ja, dass der moderne skandinavische Kriminalroman auch als Nachfolger der realistischen sozialkritischen Literatur gesehen werden kann. Somit ist der aktuelle Kriminalroman die Synthese dieser zwei Richtungen, mit klarem Schwerpunkt natürlich in der Kriminalliteratur, dessen Grundstrukturen moderne Autoren trotz aller Brüche, Weiterentwicklungen und Kunstgriffe nie wirklich verlassen haben. Immer noch geht es im Gros der Romane um Mord, die Ermittlung/Ermittler und die Überführung des Täters am Ende der Geschichte. Das, was wir heute unter anderem an den skandinavischen Romanen so schätzen, neben ihren Plots, ihrer Action und quantitativ unglaublichen Auswahl, ist das typisch "Skandinavische" (siehe Kapitel 7: Der Nordland- Mythos). Johan Wopenka schreibt diesbezüglich folgendes: "Die Plots basierten eher auf skandinavischen Lebensbedingungen und Verhältnissen, und in den Dialogen ging es um aktuelle skandinavische Themen, man aß skandinavisches Essen und trank skandinavisches Bier." [15]
Wopenka beschreibt hier die Emanzipation von der angloamerikanischen Kriminalliteratur und die Geburtsstunde der skandinavischen Krimis, so wie wir sie heute kennen. Doch zuerst waren die angloamerikanischen Erfinder und Produzenten des Genres übermächtig. So wurden entweder die Werke angloamerikanischer Autoren schlichtweg übersetzt und beherrschten die heimischen Märkte, oder heimische Autoren hielten sich streng an die erfolgreichen Vorlagen ihrer angelsächsischen Kollegen.
Vor Sherlock Holmes schrieb allerdings der Norweger Mauritz Christopher Hansen einen kleinen Krimi "Mordet på Maskinbygger Roolfsen", eine Detektivgeschichte, die schon 1839 herauskam. Er ist damit der erste skandinavische Krimi- Autor überhaupt, obwohl ihm lange die Aufmerksamkeit verwehrt blieb [16] . Es folgte der Schwede Fredrik Lindholm, unter dem Pseudonym Prins Pierre schrieb er 1893 den "Stockholmsdetektiv", danach schrieben der Norweger Christian Sparre 1897 "Karl Monks oplevelser".
In Dänemark schrieb Palle Rosenkrantz 1903 "Hvad Skovsøen gemte" und 1908 schrieb der Pfarrer Sture Stig in Schweden zwei Sherlock Holmes Parodien, "von denen die erste – Sherlock Holmes i ny belysning – sehr amüsant ist." [17]
Richtig ‚los' ging es dann ab 1904 mit dem Norweger Sven Elvestad [18] und dem Schweden Frank Heller [19] , der in Wirklichkeit Gunnar Serner hieß [20] und 1926 seine Detektivgeschichten um den jüdischen Psychoanalytiker Zimmermann schrieb. Elvestads Romane um die beiden Meisterdetektive Knut Gribb und Asbjørn Kragg verkauften sich hervorragend, in seiner Heimat erreichten sie die Auflage von einer Million, in Deutschland erreich

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