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Todschick Edle Labels, billige Mode - unmenschlich produziert von Burckhardt, Gisela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.11.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Todschick

Mode und Moral - warum teuer nicht gleich fair bedeutet

Es ist ein verhängnisvoller Irrtum: Wenn wir Markenmode kaufen, glauben wir, der höhere Preis sei durch eine bessere Qualität gerechtfertigt - auch bei den Produktionsbedingungen. Für die Edelmarken sterben doch bestimmt keine Textilarbeiterinnen in Bangladesch ... Falsch! Auch teure Modelabels lassen ihre Ware unter erbärmlichsten Bedingungen fertigen. Hauptsache billig, selbst wenn es Menschenleben kostet. Ein Buch über das dunkle Geheimnis edler Modemarken - Anklage und Hoffnung zugleich, denn wir können die Textilfirmen zu verantwortlichem Handeln zwingen!

Gisela Burckhardt, entwicklungspolitische Expertin und Vorstandsvorsitzende von FEMNET, war viele Jahre im Auslandseinsatz in Nicaragua, Pakistan und Äthiopien, unter anderem für das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) und für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Seit fast 15 Jahren setzt sie sich im Rahmen von FEMNET und der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC - Clean Clothes Campaign) für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie weltweit ein.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 10.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641145217
    Verlag: Heyne
    Größe: 7366kBytes
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Todschick

1

Wo Arbeit Leben kostet: Billiglohnland Bangladesch

Land und Leute

Bangladesch: Zahlen und Fakten

-Größe: 147 570 km 2

-Einwohner: rund 156,6 Mio. (2013), davon ein Drittel jünger als 14 Jahre

-Zum Vergleich: Deutschland ist 2,5-mal so groß, hat aber nur gut halb so viele Einwohner, wovon wiederum nur etwa 13 (!) Prozent jünger als 14 Jahre sind.

-Hauptstadt: Dhaka - eine Megacity mit mindestens 15 Mio. Einwohnern. Tendenz steigend.

-Währung: Bangladeshi Taka (BDT). Stand August 2014: 100 Taka = 0,95 Euro, 1 Euro = 104 Taka

-Amtssprache: Bangla/Bengalisch

-Religionszugehörigkeit: etwa 90 Prozent Muslime, knapp 9 Prozent Hindus sowie wenige Buddhisten (0,6 Prozent und noch weniger Christen (0,3 Prozent

-Pro-Kopf-Einkommen: 840 US-Dollar/Jahr (2013), das sind umgerechnet etwa 627 Euro/Jahr (Stand August 2014: 1 USD = 0,75 Euro). 31 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der offiziellen Armutsschwelle von 1,25 Dollar (rund 0,93 Euro) am Tag. 1

In unseren Breitengraden ist "Bangladesch" inzwischen ein Synonym für unmenschliche Arbeitsbedingungen und gewissenlose Geschäftemacherei in der Bekleidungsindustrie geworden. Fast alle bekannten Unternehmen lassen in Bangladesch produzieren. Hier sind die Lohnkosten niedriger als irgendwo sonst auf der Welt ; und die Auflagen hinsichtlich der Sozial- und Umweltstandards - sofern sie überhaupt existieren - lassen sich besonders leicht umgehen. Die Leidtragenden dieses ausbeuterischen Systems sind überwiegend die Frauen.

Bangladesch ist ein winziges Land, kaum mehr als doppelt so groß wie Bayern, das bloß eine kleine Kerbe in den östlichen Ausläufer des Riesenstaates Indien schneidet. Und es gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. 70 Prozent der städtischen Bevölkerung leben in Slums, wo nur ein Fünftel aller Haushalte über sanitäre Anlagen verfügt. Da die Armut und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit auf dem Land besonders ausgeprägt sind - am schlimmsten betroffen ist der trockene Nordwesten von Bangladesch -, ziehen jährlich Hunderttausende Menschen, unter ihnen viele sehr junge Frauen, in die längst überfüllten Städte, vor allem nach Dhaka.

Eklatant ist der Anteil der Analphabeten: Nur etwa die Hälfte aller Frauen und 62 Prozent aller Männer können lesen und schreiben. Allerdings unternimmt Bangladesch große Anstrengungen, diese Quote zumindest bei den nachwachsenden Generationen zu senken: Inzwischen sind 95 Prozent der Kinder im Grundschulalter eingeschult. Die Qualität des Unterrichts jedoch ist dürftig, weshalb lediglich 67 Prozent überhaupt die 5. Klasse erreichen. Nur wer die Gelegenheit hat, eine Schule zu besuchen, hat auch die Chance, der Armutsfalle zu entkommen. Viele Mütter, die in den Textilfabriken von Bangladesch arbeiten, ertragen die täglichen Strapazen und Demütigungen nur deshalb, um ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen.

Da der größte Teil des Landes nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt, verursachen Wirbelstürme im Frühjahr und Sommer fast jährlich katastrophale Überschwemmungen. Die englische Schriftstellerin Zadie Smith schrieb im Jahr 2000 über die Bangladescher:

"Sie leben unter dem unsichtbaren Finger wahllosen Unheils - Flutkatastrophen und Zyklonen, Hurrikans und Schlammlawinen. Die Hälfte der Zeit liegt die Hälfte ihres Landes unter Wasser; ganze Generationen werden mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks ausradiert; die Lebenserwartung liegt bei optimistischen 52; und sie sind sich kühl bewusst, dass sie, wenn man von Apokalypse spricht, wenn man von wahllosem Massensterben spricht, in diesem Bereich führend sind, dass sie die Ersten sein werden, die es erwischt, die Ersten, die Atlantis-artig hinunter auf den

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