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Mit aller Härte. Wie Polizei und Staatsschutz Linksradikale jagen von Brunner, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.10.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Mit aller Härte. Wie Polizei und Staatsschutz Linksradikale jagen

MIT ALLER HÄRTE bietet einen spannenden Einblick in zwei auf den ersten Blick verschiedene Welten: einerseits Polizei und Geheimdienste auf der Jagd nach Staatsfeinden, anderseits ein Biotop aus Kommunisten und Anarchisten, die von der Revolution träumen. Dabei sind beide Gruppen sich ähnlicher, als sie denken: Ermittler und Linksradikale schotten sich ab, pflegen eine eigene Sprache; beide verfolgen ihre Ziele mit einem Furor, der ständig zwischen gnadenlosem Ernst und unfreiwilliger Komik mäandert.

Frank Brunner lässt beide Welten wie in einem Krimi aufeinander prallen. Er beschönigt nichts und stellt trotzdem die richtigen Fragen: Rechtfertigt der Zweck die Mittel oder muss das Ziel auch bei der Wahl der Mittel immer erkennbar bleiben?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 252
    Erscheinungsdatum: 26.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732549368
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1396 kBytes
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Mit aller Härte. Wie Polizei und Staatsschutz Linksradikale jagen

Kapitel 1: Verhaftung

Die drei Männer hätten wissen müssen, dass sie in jener Nacht in eine Falle tappen. An Hinweisen hatte es nicht gefehlt. Einen hätten sie übersehen können. Oder zwei. Aber nicht so viele. Ihre Unachtsamkeit werden sie in den kommenden Jahren teuer bezahlen. Zunächst jedoch läuft alles nach Plan.

Dreieinhalb Stunden vor dem Ende seines bisherigen Lebens läutet es an der Tür von Oliver Rast. Es ist 22.41 Uhr an diesem letzten Julitag des Jahres 2007, und der 35-Jährige ist zufrieden. "Fast pünktlich", denkt er und geht Richtung Flur. Seit ein paar Monaten wohnt er hier in der Tegeler Straße im Berliner Bezirk Wedding. Das Revier zwischen Sprengelpark und Sparrplatz ist kein Szeneviertel. Dönerbuden und Internetcafés ducken sich zwischen ergrauten Altbauten. Feierwütige Erstsemester, schwäbische Partytouristen und andere Hauptstadtplagen verirren sich selten in diese Gegend. Oliver Rast mag dieses Kleine-Leute-Milieu. Sorgfältig kultiviert er sein Image als Proletarier. Dafür besucht er Woche für Woche Heimspiele viertklassiger Fußballvereine oder vollgequalmte Absturzkneipen, wo allein das Wort Rauchverbot einen Aufstand auslösen würde. Mit seinem breiten Kreuz, dem starken Nacken und den raspelkurzen Haaren könnte Oliver Rast auch als englischer Hooligan durchgehen. Dass sich hinter der Fassade ein Bücherwurm versteckt, der druckreif über Politik parlieren kann und sardische Weißweine liebt, wissen nur jene, die ihn länger kennen. "Komm rein", sagt Rast, als er die Tür öffnet. Schnell huscht der Besucher in die spärlich eingerichtete Wohnung. Was vor dem Haus vor sich geht, ahnen sie nicht.

Vor dem Haus wartet Carsten Großmann. Der vierzigjährige Kriminalhauptkommissar hat sich gegenüber dem Hauseingang von Oliver Rasts Wohnung postiert. Neben sich zwei Kollegen. Wie Großmann gehören sie zum Mobilen Einsatzkommando ( MEK ) des Landeskriminalamts Berlin. Insgesamt neun Beamte hat das MEK zur Observation abgestellt. 2 MEK -Einheiten sind darauf trainiert, Schwerkriminelle zu observieren und festzunehmen. Heute wurden sie vom Bundeskriminalamt ( BKA ) angefordert. Seit Wochen überwachen sie Handys und Festnetzanschlüsse von drei Männern, die auf den ersten Blick ein völlig normales Leben führen. Oliver Rast ist Antiquar, sein Freund, den alle nur "den Langen" nennen, ein Sozialpädagoge, und der Dritte im Bunde - er soll in dieser Geschichte "der Schwede" heißen - arbeitet als Altenpfleger. Keiner ist jemals mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Dennoch glaubt man beim BKA , drei große Fische an der Angel zu haben. Vor zwei Tagen schien sich der Verdacht zu bestätigen.

29. Juli 2007, kurz vor halb fünf Uhr nachmittags. Oliver Rast sitzt an diesem Tag an seinem Schreibtisch im Roten Antiquariat und stellte die Verkaufsliste zusammen, die er einmal im Monat an Stammkunden verschickt. Das Geschäft in der Rungestraße ist ein Sehnsuchtsort für Menschen, die noch immer nach Wegen zum Sozialismus, Kommunismus oder Anarchismus suchen oder einst gesucht haben. Und die nun, mit Wehmut und Pensionsanspruch, die zu Buchstaben geronnenen Überbleibsel ihrer rebellischen Jugend kultivieren. Oliver Rast liebt die Arbeit im Roten Antiquariat. Wo sonst wäre er umgeben von Büchern, deren Autoren jede noch so verborgene Schattierung linker Bewegungen ausleuchten. Gebrauchsanweisungen für den Graswurzelwiderstand lagern neben Pulverdampf-Prosa von Mao bis Malatesta. In meterhohen Regalen ruhen jene Utopien, die 1990 für eine schöne neue Welt beerdigt wurden. Zwischen Hardcover gepresste Träume, allmählich verblassend, wie Druckerschwärze auf vergilbtem Papier, aufgetürmt zu Bücherbarrikaden gegen den Kapitalismus draußen vor der Ladentür. Drinnen läutet ein Telefon.

"Ja?", fragt Rast.

"Der Opel Astra ist im Eimer. Wagenschrott, Elektronik im Arsch", sagt der Anrufer. Es ist der Lange./sp

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