text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Scheitert Europa am Euro? von Schütte, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2017
  • Verlag: Open Publishing
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Scheitert Europa am Euro?

Die Einführung des Euros im Jahr 2000 wurde getragen von der Vision eines starken vereinigten Europas. 17 Jahre später ist diese Vision zum Alptraum geworden: Die strukturellen Unterschiede der Mitgliedsstaaten konnten nicht beseitigt werden. Die permanente Rettungspolitik macht es unmöglich, die Staatsverschuldung zu beherrschen. Darüber hinaus verfolgen die Mitglieder von Anfang an gegensätzliche Ziele (Stabilitätsunion vs. Transferunion). Verfolgt Europa weiterhin diese Linie, wird daraus eine Belastung für Deutschland entstehen, welche die deutsche Wirtschaftskraft überfordert und somit den wirtschaftlichen Kern der Union zerstört. Dieser Preis für den Euro ist zu hoch. Durch seine nüchterne Analyse von Zahlen und Fakten deckt Autor Martin Schütte die prekäre Situation Europas auf und zeigt mögliche Wege aus der Krise. Prof. Dr. Martin Schütte, Jahrgang 1942, war von 1971 bis 2000 in der Bankwirtschaft beschäftigt, davon die letzten 15 Jahre als Vorstandsmitglied der HypoVereinsbank und dessen Vorgängerinstitut HYPO-Bank. Nach seinem Ausscheiden war er als Business Angel tätig und gründete auch ein eigenes Unternehmen. Daneben lehrte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München als Lehrbeauftragter und Honorarprofessor. Seit der Finanzkrise beschäftigte er sich mit den Gründen und Folgen der Finanzkrise und der gemeinsamen Währung. Er veröffentlichte dazu mehrere Artikel im Schnelldienst des ifo Instituts München ('Lehren aus der Finanzkrise', ifo Schnelldienst 3/2009, 'Eckpunkte für die Vergütung von Managern', ifo Schnelldienst 11/2009, 'Ist ein Verbot von 'nackten' Spekulationsgeschäften sinnvoll?', ifo Schnelldienst 13/2010, 'Kriterien für eine Staatsinsolvenz', ifo Schnelldienst 23/2010, 'Eurobonds: Kann eine Unterteilung in 'Blue Bonds' und 'Red Bonds' das Risiko für Euroländer minimieren?' , ifo Schnelldienst 04/2012, 'Lehren aus der Finanzkrise, zweiter Teil: was ist zu tun?' , ifo Schnelldienst 12/2014 und 'Griechenlandkrise: Wunsch und Wirklichkeit' ifo Schnelldienst 18/2015). Die Ergebnisse seiner Beschäftigung mit den Themen Finanzkrise, der Rolle und Entwicklung der Banken sowie der gemeinsamen Währung faßt er in dem vorliegenden Buch zusammen. Sein Vorgehen ist der klassische Management-Ansatz mit den Schritten Analyse der bestehenden Situation mit dem Abgleich der gesetzten Ziele mit der Zielerreichung, Analyse der Gründe dafür, der Frage, welche Lehren daraus zu ziehen sind, sowie der Bestimmung der konkreten Maßnahmen und des weiteren Vorgehens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 440
    Erscheinungsdatum: 08.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959122245
    Verlag: Open Publishing
    Größe: 881kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Scheitert Europa am Euro?

3. Die Stabilität der Staatsfinanzen

Das gilt vor allem für das Kernproblem, der aus dem Ruder gelaufenen Staatsverschuldung in der gesamten Union. Gemeint ist damit die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand in den jeweiligen Staaten. Für Deutschland heißt das die Verschuldung von Bund, Ländern, Gemeinden und öffentlichen Körperschaften insgesamt. Die Stabilität der Staatsfinanzen ist Grundlage und Namensgeber für den Maastricht-Vertrag (Stabilitäts- und Wachstumspakt).
3.1. Die Zielerreichung

Bisher ist keines der genannten Ziele erreicht worden.
3.1.1. Die Gesamtverschuldung

Die Gesamtverschuldung in der Eurozone (Euro-19) ist seit der Einführung des Euro zum Jahreswechsel 2000/2001 bis 2015 um 97% oder 4,7 Billionen (!) auf 9,4 Bio. EUR angestiegen, und zwar kontinuierlich Jahr für Jahr. Dasselbe galt bis 2014 für alle Mitgliedsländer. Von den Vergleichsländern konnte nur Deutschland in 2015 den Schuldenstand um 1,2% leicht reduzieren. Bei Deutschland und Italien war der Zuwachs unterdurchschnittlich mit +73% bzw. +67%, während er bei Frankreich (+141%) und Spanien (+186%) massiv darüber lag.

Für Griechenland weist Eurostat 2015 ebenfalls eine Reduzierung des Schuldenstands um 8 Mrd. EUR auf 311 Mrd. EUR aus. Diese Zahlen müssen aber wegen der undurchsichtigen Lage in Griechenland stark in Zweifel gezogen werden. Selbst Eurostat wies im November 2105 für 2014 noch einen Schuldenstand von 317 Mrd. EUR aus, der im Juni 2016 auf 320 Mrd. EUR nach oben korrigiert wurde.

Unberücksichtigt sind dabei noch die überall, auch auf Gemeinschaftsebene, bestehenden öffentlichen Schattenhaushalte. H.-W. Sinn greift das Beispiel des europäischen Investitionsprogramms auf, das über den European Fund for Strategic Investment (EFSI) ein Volumen von 315 Mrd. EUR hat, immerhin das Doppelte des EU-Haushalts. Die Kommission will ihn bis 2020 bereits auf 500 Mrd. EUR aufstocken. 2014 waren Projekte in Höhe von 1,3 Bio. EUR beantragt worden. Diese Volumina werden nicht durch im Haushalt ausgewiesene Mittel dargestellt, sondern durch Garantien und in Verbindung mit dem Wertpapierankaufprogramm der EZB durch Anleihen, die alle im Haftungsverbund der europäischen Steuerzahler verbleiben. Das ist ein Schattenhaushalt entsprechend der den Banken vorgeworfenen Praxis, Risiken in Zweckgesellschaften auszulagern und damit zu verschleiern {6} .
3.1.2. Der Schuldenstand von max. 60% des BIP

Auch das Ziel der Obergrenze für den Schuldenstand von max. 60%/BIP ist nicht annähernd erreicht worden, sondern hat sich seit Einführung des Euro bis 2014 kontinuierlich Jahr für Jahr verschlechtert. Erst in 2015 ergab sich für die Euro-19 und Deutschland eine leichte Reduzierung um 1,3% bzw. 3,5%-Punkte, während für Spanien die Quote gleich geblieben ist.

2015 ergibt sich für die Euro-19 insgesamt eine Verschuldungsquote von 91%/BIP bzw. eine Verschlechterung gegenüber 2000 um 23%-Punkte. Dasselbe trifft zu für Deutschland (71%/BIP bzw. +12%), Frankreich (96%/BIP bzw. +37%), Italien (133%/BIP bzw. +28%) und Spanien (99%/BIP bzw. +41%).

Damit ist das zentrale Ziel der Währungsunion zur Eindämmung und Beherrschung der aus dem Ruder gelaufenen Staatsverschuldung komplett verfehlt worden. Die Situation hat sich nicht verbessert, sondern insgesamt verschlechtert.
3.1.3. Die Neuverschuldung

Besser sieht es vordergründig bei dem Ziel für die jährliche Neuverschuldung aus. Hier haben 2015 die Euro-19 das Ziel mit einer Quote von 2,1% und Italien mit 2,6% erreicht. Deutschland hat mit +0,7% sogar einen Überschuss erzielt, während Frankreich mit 3,5% und Spanien mit 5,1% das Ziel weiterhin verfehlen, genauso wie die übrigen Problemländer. Besorgniserregend bleibt, dass sich die Quote seit der Eurokrise 2008 nur minimal verbessert hat (Euro-19 und Italien um 0,1%, während sie sich bei Frankreich und Spanien weiter verschlechterte).

Die Qu

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen