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Freiheit für alle Grundlagen einer neuen Sozialen Marktwirtschaft von Lorch, Alexander (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.10.2014
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Freiheit für alle

Seit über 60 Jahren gilt die Soziale Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland als Richtschnur der Wirtschaftspolitik. Alexander Lorch prüft, inwiefern dieses Konzept und die ihm zugrunde liegende Gesellschaftstheorie des Ordoliberalismus heute noch zeitgemäß sind. Er zeigt anhand aktueller philosophischer und wirtschaftsethischer Debatten Wege und Perspektiven auf, eine moderne Soziale Marktwirtschaft zu entwickeln. Die umfassende Freiheit der Bürger, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, gilt dabei als zentrale Forderung für eine freiheitliche und sozial gerechte Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik.

Alexander Lorch ist Postdoctoral Researcher am Lehrstuhl für Wirtschaftsethik der Haas School of Business an der University of California in Berkeley.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 277
    Erscheinungsdatum: 02.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593424668
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2029 kBytes
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Freiheit für alle

1 Einleitung

'Wenn auch gerade der Nationalökonom besonders geneigt sein wird, vor der Überschätzung des wirtschaftlichen Elements in der Geschichte zu warnen, so darf er doch die Behauptung wagen,
daß sich unsere Kultur deshalb überall in unlösbar scheinende Probleme verstrickt, weil sie mit der elementaren Aufgabe einer wohlgeordneten und dem Menschen angemessenen Wirtschaftsverfassung nicht recht fertig wird.'
Wilhelm Röpke

1.1 Die Orientierungskrise des Liberalismus

Der Gedanke von Wilhelm Röpke scheint immer noch mindestens so aktuell wie vor 75 Jahren, als er ihn äußerte: Auch heute scheint die Wirtschaft in einer Verfassung zu sein, die weder wohlgeordnet noch dem Menschen angemessen ist. Und eben wegen dieser Wirtschaft tun sich zunehmend gravierendere Probleme auf. Seit die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2008 in den Sog der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise geraten ist, lässt sich eine ordnungspolitische Orientierungslosigkeit beobachten, da die vormaligen Leitplanken des Neoliberalismus mit der Wirtschaftskrise an Glaubwürdigkeit und Rückhalt verloren haben. Die drängenden Probleme, die vielerorts die Frage nach einer angemessenen Gestaltung der Wirtschaft aufwerfen, können mit der neoliberalen Ideologie nicht gelöst werden: Die Finanzwirtschaft scheint kaum mehr eine Verbindung zur Realwirtschaft zu haben, es gibt (auch in Deutschland) seit vielen Jahren schon eine wachsende Ungleichverteilung des Reichtums; Unternehmen und deren Lobbyisten beeinflussen die Politik, während gleichzeitig Politikverdrossenheit herrscht und die Bürger kaum mehr glauben, von der Politik überhaupt wahrgenommen zu werden. Dringende weltwirtschaftspolitische Themen wie die Neuordnung der Finanzmärkte werden aufgrund nationaler oder parteipolitischer Interessen nur zögerlich adressiert. Als Ergebnis dieser beispielhaften Entwicklungen fordern die Bürger von der Politik, die Deutungshoheit über gesellschaftspolitische Fragen von der Wirtschaft zurück zu erlangen, wie beispielsweise in den Forderungen der Occupy-Bewegung deutlich wird. Die einseitigen neoliberalen Vorschläge wie Wirtschaftswachstum, Privatisierung und Deregulierung, die in den vergangenen Jahrzehnten die Gestaltung der gesellschaftlichen Institutionen maßgeblich geprägt haben, haben offenkundig versagt und sind nicht mehr zur Lösung der aktuellen Probleme geeignet, sondern vielmehr wesentlich mitverantwortlich für die jüngsten Verwerfungen. Der Neoliberalismus scheint Ausdruck einer Denkweise, die sich in ihrer Radikalität heute kaum noch so unwidersprochen wie in den letzten beiden Jahrzehnten äußern kann:

'Blamiert hat sich die Agenda, die Anlegerinteressen eine rücksichtslose Dominanz einräumt, die ungerührt wachsende soziale Ungleichheit, das Entstehen eines Prekariats, Kinderarmut, Niedriglöhne und so weiter in Kauf nimmt, die mit ihrem Privatisierungswahn Kernfunktionen des Staates aushöhlt, die die deliberativen Reste der politischen Öffentlichkeit an renditesteigernde Finanzinvestoren verscherbelt, Kultur und Bildung von den Interessen und Launen konjunkturempfindlicher Sponsoren abhängig macht.' (Habermas 2012: 100)

Dass Habermas mit dieser Analyse Recht haben könnte, zeigt sich nun in einem Legitimationsproblem des Neoliberalismus, der als gesellschafts- und wirtschaftspolitische Orientierung nicht mehr tragbar ist - wie der Niedergang der FDP als der liberalen Partei in Deutschland beispielhaft zeigt. Sie hatte zuletzt nur noch ein wirtschaftsliberales Programm vertreten, das in seiner Einseitigkeit nun kaum noch Rückhalt bei den Wählern findet.
Das ordnungspolitische Vakuum, das durch den Misskredit, in den der Neoliberalismus geraten ist, entstanden ist, konnte bisher noch nicht mit neuen überzeugenden Ideen zur Gestaltung einer modernen, nachhaltigen liberalen Gesellschaft und einem darin eingeschlossenen marktwirtschaftlichen System gefüllt werden. In der derze

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