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John Maynard Keynes Eine Einführung von Willke, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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John Maynard Keynes

Keynes ist einer der bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum seines Denkens steht die Frage nach der Domestizierung des Kapitalismus, nach der Rolle des Staates und den Möglichkeiten der Nachfragesteigerung. Mit diesem Ansatz steht er seit der Finanzkrise von 2008 erneut im Mittelpunkt vieler Analysen der aktuellen Lage. Denn schon vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 beschäftigte sich Keynes mit der Frage, wie Depression und Arbeitslosigkeit erklärt und bekämpft werden könnten. Gerhard Willke hat seine 2003 erschienene Einführung entsprechend aktualisiert und um ein Kapitel zur Keynes-Renaissance in der gegenwärtigen Krise erweitert. Damit steht die Relevanz des keynesianischen Denkens für die heutige Zeit im Mittelpunkt der Neuausgabe. Gerhard Willke, geb. 1945, war Professor für Wirtschaftspolitik an der Hochschule Nürtingen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 167
    Erscheinungsdatum: 12.03.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593412948
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 3960 kBytes
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John Maynard Keynes

Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 und der Massenarbeitslosigkeit der dreißiger Jahre wurde Keynes von der Frage umgetrieben, wie Depression und Unterbeschäftigung erklärt und bekämpft werden könnten. Die Ökonomik seiner Zeit hatte ihm auf diese Frage nur Unsinn anzubieten: von "Löhne runter!" über "Abwarten, wird schon wieder" bis zum Prinzip des ausgeglichenen Staatshaushalts. Die Situation verlangte nach einer neuen, besseren Theorie. Diese sollte vor allem eines bieten: die Grundlage für eine wirkungsvolle Politik zur Steuerung der Wirtschaft und zur Sicherung einer hohen Beschäftigung. Denn anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und Unterauslastung der Produktionskapazitäten waren für Keynes zuallererst ein "unerträglicher öffentlicher Skandal der Ressourcenvergeudung".

Insofern ist Keynes' Theorie einerseits: seine Zeit in Gedanken gefasst, also Theorie der Depressionszeit. Sie ist andererseits aber auch eine allgemeine Interpretation des Kapitalismus und seiner Funktionsprobleme. In der Depression der dreißiger Jahre zerbrach die Vorstellung von der "besten aller möglichen Welten" - und mit ihr die (klassische) Theorie einer Wirtschaft im Gleichgewicht. Die neue Theorie interpretierte die Welt anders und schuf damit die Basis für eine andere Welt.

Im Vorwort zu seinem Hauptwerk sagt Keynes, dieses Buch dokumentiere auch sein Ringen um die Überwindung eingefahrener Denkformen (GT, S. viii). Tatsächlich riss sein revolutionärer Theorieansatz die damals herrschende Wirtschaftstheorie aus ihrem dogmatischen Schlummer. Keynes entzauberte die "Mystik" ihrer Gleichgewichtsverheißung und zeigte, dass die alte Theorie sich "irreführend und verhängnisvoll" (GT, S. 3) auswirken musste, wenn sie auf eine reale Situation wie die Weltwirtschaftskrise angewendet wurde.

Sein Ziel war es, die Ursachen aufzudecken, die den Wirtschaftsmotor immer wieder blockieren. Theorie hatte für ihn den Zweck, Ansatzpunkte für wirtschaftspolitisches Handeln zu liefern. Die "klassische" Theorie war dazu nicht in der Lage, ja sie hatte davon abgelenkt und sich als "Hindernis gegen eine realistische Analyse" erwiesen (Sweezy 1946, S. 77). Keynes' leitendes Interesse bestand hingegen darin, Probleme der wirklichen Welt zu lösen und dafür den theoretischen Unterbau auszuarbeiten. Ihm ging es um "praktische Ratschläge" (Schumpeter 1946, S. 54).

Durch sein Studium geprägt, war Keynes zunächst überzeugter Anhänger der klassischen Theorie; immerhin hatte er bei ihren führenden
Köpfen - Marshall und Pigou - studiert. Angesichts der sich verschlimmernden Millionen-Arbeitslosigkeit nach 1929 reifte in ihm jedoch die Einsicht, dass die klassischen Rezepte die Fehlentwicklungen nicht korrigieren konnten, im Gegenteil: Das Patentrezept der Klassiker - Lohnsenkungen - führte zu sinkenden Einkommen und schwächte die Konsumnachfrage; bei rückläufiger Nachfrage sind die Unternehmen aber gezwungen, die Produktion weiter zu drosseln und noch mehr Arbeitskräfte zu entlassen. Das konnte wohl nicht die Lösung sein.

In einer über viele Jahre andauernden grandiosen Leistung hat Keynes die theoretischen Grundlagen für eine seiner Überzeugung nach bessere Wirtschaftspolitik geschaffen. Bei Depression und Massenarbeitslosigkeit sollte der Staat nicht (nach Art des laissez-faire, siehe Glossar) die Hände in den Schoß legen oder die Situation durch Einschränkung der öffentlichen Ausgaben noch verschlimmern, sondern er sollte steuernd eingreifen und die Gesamtnachfrage stützen. Wie? Durch zusätzliche Staatsausgaben! Und die Finanzierung? Durch Kreditaufnahme: "mit geborgtem Geld" (GT, S. 98). Das war damals verpönt - und ist es heute wieder. Gibt es gleichwohl eine Rechtfertigung dafür?

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