text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte Eine wahre Freundschaftsgeschichte von Klütsch, Claudia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2018
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte

Kleiner Zettel, große Botschaft - wie ein Geschenk aus dem Supermarkt unser Leben veränderte ...
Als Claudia Klütsch ein neues Oberhemd ihres Ehemanns aus der Verpackung zieht, fällt ein Zettel heraus. Es ist der Hilferuf eines Arbeiters aus der Textilfabrik in Bangladesch, in der das Hemd hergestellt wurde. Das Ehepaar versucht monatelang herauszufinden, was und wer genau hinter dieser Nachricht steckt. Schließlich fliegen sie selbst nach Bangladesch, um den Verfasser zu finden.
Die beiden erleben eine Reise ins Ungewisse, die sie mit vielen Eindrücken und Einsichten nach Deutschland zurückkehren lässt. Und mit neu gewonnen Freundschaften, die bis heute währen.

Claudia Klütsch wurde 1965 in Wesseling in der Nähe von Köln geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Die gelernte Arzthelferin ist Mutter von vier Kindern und unterstützt seit drei Jahren als Inklusionskraft Kinder in ihrem schulischen Alltag. Als Claudia Klütsch 2005 ein ungewöhnlicher Hilferuf aus Bangladesch erreichte und sie beschloss zu helfen, begann für sie und ihre Familie eines der größten Abenteuer ihres Lebens.
Dirk Höner ist Journalist und nach Stationen beim WDR und als Autor bei TV-Produktionen arbeitet er seit 2004 als Redakteur bei stern TV. Dirk Höner lernte die Familie Klütsch 2005 kennen, als diese nach dem Verfasser des Hilferufs im Hemd suchte, und begleitete sie auf ihrer ersten Reise nach Bangladesch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 15.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641230777
    Verlag: Blanvalet
Weiterlesen weniger lesen

Von einem kleinen Zettel, der in einem Herrenhemd um die halbe Welt reiste und unser Leben für immer veränderte

1
Die Geburtstagsüberraschung

Noch fünfundzwanzig Kilometer, dann sind wir in Gazis Dorf, sagte unser Fahrer.

Es war heiß auf der Rückbank des hellblauen Toyota-Vans. Martin fächerte sich durch schnelles, rhythmisches Vor- und Zurückziehen seines obersten Hemdknopfes etwas Luft zu. Wer sagt, dass mein Mann dick ist, hat nicht unrecht. Er schwitzte, mehr als wir alle.

Die Luft draußen war schwül, roch aber angenehm würzig, hier, kurz vor den Sundarbans im Süden von Bangladesch. Reife Mangos hingen an den Bäumen, Landarbeiter ernteten Zuckerrohr. Ein Blick nach vorn zeigte mir: Die rote Lehmstraße, auf der wir mit vierzig Stundenkilometern dahinzuckelten, würde sich noch ein ganzes Stück weiter durch die subtropischen Wälder winden. Die Landschaft sah aus, als hätte jemand die Bilder zu der Internet-Suche "Exotischer Golf von Bengalen" kurzerhand zum Leben erweckt.

"Herrje, ist das schön. Hier könnte ich meine Rente verbringen", sagte ich zu meinem Mann.

"Wär mir zu heiß", erwiderte er. "Aber ich komme dich besuchen."

Ansonsten redeten wir nicht viel während der Fahrt. Wie auch? Die Schlaglöcher sorgten für eine beständige Geräuschkulisse. Die Bleche der Türen klapperten oder quietschten, manchmal auch beides gleichzeitig.

Der Blick in die südasiatische Ebene entschädigte aber für vieles. Ich zeigte mit dem Finger nach rechts, als wir einen Mann mit zerfledderten Badelatschen überholten, der eine alte Karre zog. "Schau mal, Martin, der transportiert Kokosnüsse."

Der Gegensatz zu der molochartigen Großstadt Dhaka, in der wir vor einigen Tagen die Reise unseres Lebens begannen, könnte kaum größer sein. Dort sahen wir zum ersten Mal, was es heißt, in Armut zu leben.

Ein Bild habe ich bis heute nicht vergessen. Auf einer Straßenbrücke saß ein Mann. Ihm fehlte der rechte Arm. Wir fuhren an ihm vorbei, und ich konnte nicht erkennen, ob er bettelte oder warum er dort saß. Sein Gesicht war schmutzig, der Blick leer. In dem Moment registrierte ich ihn bloß und war durch die vielen Eindrücke rundherum unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Am Abend aber, als ich im Bett lag, fiel mir die Szene wieder ein. Hatte der Mann ein Zuhause? Wovon lebte er? Woher bekam er etwas zu essen? Saß er immer noch auf der Brücke? Warum gerade an dieser vielbefahrenen Straße? Wir hatten bis dahin schon einige verzweifelte Menschen gesehen, aber dieser in dreckige Lumpen gekleidete Mann versinnbildlichte für mich das Elend in dieser Stadt wie kein anderer.

Martin wusste genau, was ich dachte, als der Mann mit der Karre voller Kokosnüsse hinter uns zurückfiel. "Wir können nicht alle retten", sagte er, pragmatisch wie immer. "Wir sind hier, um Gazi zu finden und ihn bei Bedarf zu unterstützen. Wir dürfen uns nicht übernehmen."

Auch die anderen Städte, durch die wir bisher gefahren waren, hatten alles andere als einladend gewirkt. Dreck, Plastikmüll und PET-Flaschen bestimmten das Straßenbild. Ganze Müllhaufen schienen neben den Häusern emporzuwachsen. Aus den Auspuffen der unzähligen Tuktuks quoll blauer Qualm. Es stank an vielen Orten fürchterlich. Die schlechte Luft und der Müll waren aber nur Begleitumstände eines viel größeren Übels, das wir mit ansehen mussten: An den Hauptstraßen in den Ballungsräumen lagen immer wieder Menschen reglos auf den Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen oder am Straßenrand. Einfach so, als wären sie gerade eingeschlafen.

Unser Fahrer erklärte uns, dass viele hier Angst hätten, sich um Unfallopfer zu kümmern. Die Polizei könnte annehmen, dass der Helfende etwas mit dem Unglück zu tun habe. Ob also jemand auf dem Bürgersteig schläft oder ob es sich um einen Verletzten handelt, der womöglich sogar im Sterben liegt, ändert für die Passanten nichts: Sie scheren sich nicht darum. In solchen Situationen nicht vor Verzweiflung zu weinen fiel mir schwer.

Meine vier Kinder haben mir mal den Spitznamen Mutter Teresa

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen