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Die größte Agentur der Welt Anleitung zum Post-Fake-Marketing von Sottong, Hermann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.09.2017
  • Verlag: Sven Murmann Verlagsgesellschaft mbH
eBook (ePUB)
16,99 €
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Die größte Agentur der Welt

Wir sind echt ne Marke! Wir alle sind gemeint - wir, die namenlose Mega-Agentur aus Experten und Spezialisten. Mit unserem geballten Sachwissen und schier unbegrenzten Erfahrungsfundus. Kein Unternehmen der Welt kann mit uns mithalten. Wir testen Produkte und Dienstleistungen und machen sie groß. Wie werden Marken eigentlich zu Marken? Spontane Antwort: hauptsächlich durch Werbung. Dieser Konnex freut die Marketingprofis. Sind sie doch immer noch verliebt in den Gedanken, dass ihre Ideen einem Markenprodukt zum Durchbruch verhelfen. Sie zeigen die Produktwelt von ihrer allerbesten Seite, erzählen pausenlos vom richtigen und guten Leben und versprechen, Wünsche zu erfüllen, die vielleicht so noch gar nicht existieren. Und weil ihre Bilder so schön, die transportierten Versprechungen so verlockend sind, kaufen die Leute. So weit, so einfach. Bis jetzt: Denn wenn es so einfach ginge, warum stößt Werbung dann heute auf so wenig Beachtung und Akzeptanz? Und das, obwohl sie noch nie so viel Geld, so viel Raum und Zeit verschlungen hat wie in diesen lärmenden Tagen. Genau in diese Parade fährt Hermann Sottong. Der Marken- und Organisationsentwickler dreht das Spiel. Er zeigt, dass es die Alltagsdiskurse und Verständigungsprozesse der Konsumenten und Nutzer sind, die aus einem x-beliebigen Angebot eine Marke mit Aufmerksamkeitswert machen. Im Klartext: Wir, die Konsumenten, sind die eigentlichen Markenmacher. Und damit könnten wir die aufgeblasene PR- und Werbewelt eigentlich in den Ruhestand schicken. Hermann Sottong wurde 1959 im sanften Schatten des saarla?ndischen Schaumbergs geboren. Zum Studium wechselte er von der Saar an die Isar, wo die pra?gende Begegnung mit Strukturalismus und Semiotik zur Promotion u?ber Denksysteme in der Literatur des 19. Jahrhunderts und weiteren Bu?chern u?ber Simulation und Zeichentheorie fu?hrte. Sein Freiheitsdrang und die Mechaniken des zeitge- no?ssischen Unibetriebs erwiesen sich als inkompatibel, also gru?ndete er nach einigen Lehrjahren in der Wirtschaft mit Gleichgesinnten eine Beratungsagentur fu?r Unternehmenskommunikation. Da die kommunikativen Fa?higkeiten von Wirtschaftsorganisationen nach seiner Beobachtung eher nicht zugenommen haben, bleibt hier noch viel zu tun. Er nimmt sich allerdings regelma?ßige Auszeiten zum Schreiben und E-Bass-Spielen, um fu?r eine angemessene Life-Life-Balance zu sorgen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 19.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783946514725
    Verlag: Sven Murmann Verlagsgesellschaft mbH
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Die größte Agentur der Welt

Keine Marke ohne Zeichen: Die Semiotik der Marke

Marke und Besitz

Wer durch Wald und Fluren wandert, begegnet hin und wieder alten Grenzsteinen. Darauf sind manchmal noch verwitterte Wappen und ähnliche Zeichen zu erkennen. Solche Marksteine zeigen heute noch an, wo früher die Grenze zwischen den Herrschaftsgebieten von Feudalherren verlief. Auf der einen Seite des Marksteins findet sich dann etwa der Löwe des Fürsten Aggro von Lausenstein, auf der anderen die Lilie der Gräfin Sophie von Friedthal, und wer des Weges kam, wusste genau, auf wessen Herrschaftsgebiet er sich jeweils befand. Bis heute hat sich in Landschaftsnamen wie Uckermark oder Mark Brandenburg diese Etymologie erhalten.

Ursprünglich verweist also der Begriff Marke auf die Grenze zwischen Besitztümern und Herrschaftsgebieten und markiert den Umfang dieser Bereiche. Marke in diesem Sinne zeigt also einen Besitz- und Herrschaftsanspruch an.

Besitzrechte spielen auch die zentrale Rolle beim englischen Wort brand . In Howard Hawks' wunderbarem Western Red River aus dem Jahre 1948 ist das Brandzeichen des Rinderbarons Tom Dunson von zentraler Bedeutung. Der von John Wayne verkörperte Dunson plant mit seiner riesigen Herde einen bis dahin nie gewagten Viehtrieb in den Norden, um dort seine Rinder auf die Fleischmärkte zu bringen und so die ökonomische Krise seiner Ranch zu beenden. Bevor es losgeht, muss allen Rindern das Zeichen "Red River D" eingebrannt werden. Mit diesem Branding wird unzweifelhaft klargestellt, wem das Huftier gehört.

Was beim Einbrennen des Zeichens in die Kuhhaut geschieht, nennt die Zeichentheorie einen performativen Akt: Dadurch, dass jemand ein Zeichen äußert, verändert er die Realität - in diesem Falle die Besitzverhältnisse. Irgendwann im Verlauf des zunehmend konfliktträchtigen Viehtriebs sagt Dunsons Ziehsohn Matt Garth zu Tom: "Du würdest am liebsten jedem von uns dein Brandzeichen aufdrücken!", und bringt damit dessen Beziehung zu den Viehtreibern auf den Punkt: Dunson möchte auch sie alle besitzen, ihnen seinen Willen aufzwingen - und sie damit verdinglichen.

Das Einbrennen eines Zeichens in die Haut eines Lebewesens ist ein außergewöhnlicher Fall von "Äußerung". Zeichen können flüchtig sein wie etwa gesprochene Wörter und werden im Normalfall auf eigens dafür geschaffene Trägermedien wie Papier oder Leinwand appliziert. Im Fall des Brandings aber wird bewusst eine untrennbare Verbindung geschaffen. Solange die Kuh lebt, wird sie auch dieses Zeichen tragen und damit im Besitz dessen sein, dem das Zeichen gehört. Die Huftiere in Red River sind also eindeutig Waren, die erzeugt, geliefert und verkauft werden. Und das Brandzeichen ist damit auch "Warenzeichen". Die Unterscheidung, die durch das Brandzeichen hergestellt wird, ist die zwischen mein und dein, die Bedeutung des Red River D liegt in der Aussage: Dieses Rind gehört Tom Dunson. Es besteht eine klare, einfache Relation zwischen einer Person, einem eindeutigen Zeichen und einer untrennbar mit diesem Zeichen verbundenen Sache, durch die ein Besitzverhältnis hergestellt wird. Logisch gesprochen besteht die Bedeutung des Zeichens in einer Eigentümerproposition, die sich genau in dem Moment realisiert, in dem das Zeichen angebracht wird.

Ein solches Brandzeichen sagt nichts über weitere, etwa qualitative Unterschiede zwischen den Rindern aus. Das würde auch keinen Sinn ergeben: Wem auch immer in diesem Gebiet die Longhorns gehören - sie laufen alle in den Weiten der Prärie herum, fressen das gleiche Gras, sind derselben Witterung ausgesetzt. Dunsons Rinder sind nicht fetter oder fitter als die seiner Nachbarn, ihr Fleisch ist nicht zäher oder zarter, nicht mehr oder weniger "bio". Hier zeigt sich bereits einer der Aspekte, in denen sich die Bedeutung der Begriffe Brand und auch Marke im Laufe der Zeit gewandelt hat. Beide verweisen heute nicht mehr unmittelbar auf Besitzer, Herrscher

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