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Die Erfindung des Menschen Wie wir die Evolution überlisten von Schroeder, Renee (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.08.2016
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Die Erfindung des Menschen

Wir können nicht erwarten, dass sich die Evolution um das Überleben der Menschen kümmert. Wenn wir überleben wollen, müssen wir das selber tun. Vor 70.000 Jahren war der Mensch zum ersten Mal in der Lage, etwas zu denken, was es nicht gibt. Was banal klingt, ist die Geburtsstunde der menschlichen Kultur und der Startschuss für eine Reihe von Erfindungen, die den Menschen geprägt und nicht nur zum Besseren verändert haben. Er erdenkt Mythen, Religionen, erfindet Sprache, Geld und Rassismus. Jetzt steht der Mensch kurz vor seiner größten Erfindung: sich selbst. Denn die Wissenschaft ermöglicht es ihm, seine Evolution selbst fortzuschreiben. Renée Schroeder blickt auf die kurze Zeit, die der Mensch bisher gelebt hat, macht einen Ausflug in seine Genetik und ruft eine neue Aufklärung aus. Renée Schroeder, geboren 1953 in João Monlevade, Brasilien, studierte Biochemie in Wien, verbrachte ihre Lehrjahre in München, Paris und in Albany/NY. Seit 2005 leitet sie das Department für Biochemie und Zellbiologie an der Universität Wien. 2001-05 Mitglied der Bioethik-Kommission der österreichischen Bundesregierung, 2003 erhielt sie den Wittgensteinpreis und 2011 den Eduard Buchner Preis. Österreichs Wissenschaftlerin des Jahres 2002.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 09.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701745371
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 2208 kBytes
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Die Erfindung des Menschen

KAPITEL 2

WANN DER MENSCH GELEBT HABEN WIRD

Zahlen mit vielen Nullen, eine kränkende Perspektive, ein sich ausweitendes Universum und das kurze Leben im Anthropozän.

Kein Grund zur Eitelkeit: Der Mensch ist nicht so wichtig, wie er glaubt. Ich möchte hier seine Existenz - die Zeit, in der der Mensch gelebt haben wird; die Zeit, bis die Biologie auf der Erde beendet sein wird - in eine angemessene Perspektive rücken. Der Mensch ist weder die Krone einer Schöpfung noch das Ziel der Evolution. Auch wenn sich einige Menschen für das Ebenbild Gottes halten: Dieses spiegelt eher den Charakter seiner Erfinder wider als die universelle Stellung der Menschheit. Um es klar zu sagen: Der Mensch ist nicht der Grund, warum es vor 14 Milliarden Jahren geknallt hat!

Wenn wir den Zeitraum, in dem der Mensch gelebt haben wird, in Bezug zur Existenzdauer unseres Universums setzen, werden wir sehr überrascht sein. Wie kurz ist doch die Lebensdauer des Homo sapiens! Ich finde es großartig, dass die Astrophysik in der Lage ist, solche Schätzungen und Berechnungen zu liefern.

Die Zeitspanne der Existenz unseres Universums wird auf etwa 10 80 bis 10 90 Jahre geschätzt. Das ist eine Zahl mit achtzig bis neunzig Nullen, also in etwa 1 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 Jahre. Wir befinden uns jetzt gerade bei 13,8 Milliarden, 1,38 × 10 10 Jahre nach dem Urknall. Das ist eine Zahl mit 11 Ziffern: 13 800 000 000 Jahre. Das Universum ist also erst am Anfang seiner Existenz. Und das ist jetzt die gute Nachricht: Wir müssen nicht befürchten, dass das Universum zu Ende geht, während es uns Menschen noch gibt. Das wird sicherlich nicht der Grund unseres Aussterbens sein.

Zur Entstehung unseres Universums gibt es eine bevorzugte Hypothese: die Urknall-Theorie. Ob es davor oder parallel dazu noch zur Entstehung weiterer Universen gekommen ist, können wir (noch) nicht feststellen. Die anderen Universen könnten einfach zu weit von uns entfernt sein, als dass wir sie wahrnehmen können. Oder die Elementarteilchen - oder woraus auch immer diese anderen Universen bestehen - sind für den Menschen vielleicht einfach nicht wahrnehmbar: Wir können nur Dinge sehen und messen, mit denen wir in Wechselwirkung treten können. Alles andere - andere Wellen, anderes Material - können wir vielleicht einfach nicht erkennen.

Was wir mittlerweile wissen, ist, dass unser Sonnensystem ein winzig kleiner Teil des Universums ist. Unsere Galaxie, die Milchstraße, ist nur eine von 100 000 Galaxien und ein kleiner Teil von Laniakea, einer Art Galaxienfeld, "Supercluster" genannt. Die Dimension dieses Clusters ist so gewaltig, dass wir sie mit unseren beschränkten Sinnen gar nicht wahrnehmen können. Im Verhältnis zu der uns bisher bekannten Ausdehnung des Universums ist die Erde nicht einmal ein Staubkorn.

Vor ungefähr 4,6 Milliarden Jahren entstand unsere Sonne aus einem Urnebel interstellarer Materie. Sterne ihrer Größe strahlen etwa 10 Milliarden Jahre lang mit einer Temperatur von 6000 Grad Celsius. Knapp die Hälfte ihrer Lebensdauer ist also für die Sonne nun schon vorbei.

Wir schätzen, dass das Leben auf der Erde vor etwa 3,5 Milliarden Jahren entstanden ist; da war die Atmosphäre in etwa so abgekühlt, dass Wasser nicht mehr vollständig verdampfte. Es war die Zeit der Ursuppe und des biologischen Urknalls, die Entstehung einzelligen Lebens wurde möglich (siehe Kapitel 1 ). Die ersten Menschen sind vor etwa 2 Millionen (nicht Milliarden!) Jahren entstanden. Und den Homo sapiens gibt es erst seit ungefähr 100 000 bis 200 000 Jahren. Ganz genau kann man das nicht sagen - es ist kein singulärer Punkt, der seine Entstehung markiert, und letztendlich ist es auch eine Frage der Definition: Es gab menschenähnliche Arten, "Vormenschen". Ich würde

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