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Alles fühlt Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften von Weber, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2010
  • Verlag: Berlin Verlag
eBook (ePUB)
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Alles fühlt

Seit jeher erklärt uns die Wissenschaft: Alle Lebewesen werden von Reflexen und Genen gesteuert. Doch was ist mit den Gefühlen? Lassen sie sich mit der Naturwissenschaft vereinbaren? Klar und packend erläutert Andreas Weber die Revolution der Lebenswissenschaften: Tiere und Pflanzen sind inniger mit uns verwandt, als wir jemals vermutet hätten. An ihnen erfahren wir zentrale Dimensionen unserer Gefühle. Daraus ergibt sich eine brisante Erkenntnis: Nur wenn wir die Natur bewahren, werden wir unsere eigene Humanität und Freiheit retten können.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 11.09.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827072887
    Verlag: Berlin Verlag
    Größe: 2276 kBytes
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Alles fühlt

1 Eine "Schöpferische Ökologie"

Selbstverständlich benötigen die Tiere den Menschen! Sie brauchen uns wie alte Eltern, gegen die wir eine Weile revoltiert haben, und die eines Tages, geschwächt, der ehemaligen Macht beraubt, unseren Schutz verlangen.

Brigitte Kronauer

Die Biologie, die Wissenschaft vom Leben, hat anderthalb Jahrhunderte auf die Frage geschwiegen, was Leben ist. Biologen hatten ein Konzept, das ihren Forschungen genügte: Sie nahmen an, dass Organismen kleine Maschinen sind.

Dieser Glaube ist heute erschüttert. Erst vor wenigen Jahren haben wir erlebt, wie Forscher die "Entschlüsselung" des menschlichen Genoms als zentralen Durchbruch feierten. Sie schienen kurz davor, der Mechanik des Lebens endgültig habhaft zu werden. Seitdem aber ist wenig geschehen. Der Boom ist zum Stillstand gekommen. Die Genetiker sind leiser geworden. Zwar können sie sagen, welche DNA-Sequenzen auf unsere Chromosomen geschrieben sind, und sie vermögen auch einigen dieser Sequenzen ein Merkmal zuzuordnen - so wissen wir etwa, wo das Gen liegt, das für die Herstellung von Insulin zuständig ist.

Doch beim nächsten Schritt - exakt nachzuvollziehen, wie aus den Genen ein Körper wird - versagt die Auffassung, der Organaufbau folge einer militärischen Befehlskette. In der Genforschung, in der Entwicklungsbiologie und in der Hirnforschung wird den Beteiligten zunehmend klar, dass sie Lebewesen nur verstehen können, wenn sie eine Kraft wieder in die Forschung einführen, die seit Hunderten von Jahren sorgfältig daraus verbannt wurde: die Subjektivität.

Die Biologie, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts alle Mühe gegeben hat, die Empfindung aus der Natur zu vertreiben, entdeckt das Gefühl als Basis des Lebens wieder. Bislang haben Forscher die Frage nach der Innenwelt eines Organismus ausgeklammert, um besser die Bausteine analysieren zu können, die sein Verhalten steuern. Inzwischen jedoch kennen sie unzählige neue Details und versuchen, ihre Fundstücke wieder zusammenzusetzen. Dabei stellen sie fest: Je weiter die Technologie erlaubt, das Leben auf einer Mikro-Ebene zu studieren, desto stärker werden die Beweise für dessen Komplexität und Intelligenz. Organismen sind keine Uhrwerke, die aus sauber getrennten Bausteinen bestehen. Sie sind Einheiten, die von einer mächtigen Kraft zusammengehalten werden: dem Empfinden, was ihnen guttut und was ihnen schadet.

Forscher haben erkannt, dass sie nur so, nur wenn sie Organismen als fühlende Systeme verstehen, die ihre Umgebung interpretieren und bewerten und nicht sklavisch Reizen gehorchen, eine Antwort auf die großen Rätsel des Lebens erhalten. Diese Rätsel sind: Wie entwickelt sich aus der Eizelle ein vollständiger Organismus? Wie entstehen neue Körperformen und neue Arten? Was unterscheidet Organismen von Maschinen? Lässt sich künstliches Leben herstellen? Was ist Bewusstsein? Wie sind unser Denken und unsere Kultur von dem Umstand geprägt, dass wir selbst Lebewesen sind? Warum fühlen sich Menschen von der Natur so angezogen? Welche Gründe zwingen uns, sie zu erhalten? Kurz: Was ist Leben und welche Rolle spielen wir darin?

Ich beschreibe in diesem Buch, wie die Biologie die Subjektivität als Grundmotor allen Lebens wiederentdeckt. Ich beschreibe aber auch, wie diese Entdeckung unser eigenes Bild als Menschen vollkommen auf den Kopf stellt: Haben wir uns bislang ebenfalls als biologische Maschinen verstanden, in denen irgendwie vage noch ein seelischer Faktor enthalten war, so finden wir nun die Subjektivität überall in der Natur wieder als ihr fundamentales Prinzip. Schon die einfachsten Wesen handeln anhand von Werten. Schon der Zusammenhalt ihrer Körper lässt sich nur verstehen, wenn man sie als Akteure auffasst, die hartnäckig ein Ziel verfolgen.

In der Biologie hat eine Revolution begonnen, deren Folgen nicht abzuschätzen sind. Der französische Neurobiologe David Rudrauf betont: "Di

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