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Der Tanz der Bienen Karl von Frisch und die Entdeckung der Bienensprache von Munz, Tania (eBook)

  • Verlag: Czernin Verlag
eBook (ePUB)
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Der Tanz der Bienen

Rund- und Schwänzeltanz sind die faszinierende Sprache der Bienen. Der Verhaltensforscher Karl von Frisch, 1886-1982, entdeckte diese und andere Stärken der fliegenden Insekten - eine Pionierleistung, die ihm 1973 den Nobelpreis einbrachte. Mit 'Der Tanz der Bienen' liegt nun die erste eingehende und meisterlich erzählte Biografie über den Ausnahmewissenschaftler vor. Bienen sind beliebt wie nie zuvor. Sie sind fleißige Honigproduzenten und unverzichtbare Pflanzenbestäuber. Seit Karl von Frisch wissen wir auch, dass sie auf einzigartige Weise mittels einer Tanzsprache miteinander kommunizieren. Geforscht hat von Frisch, der eine jüdische Großmutter hatte, unter den Nationalsozialisten. Aufgrund des damaligen Bienensterbens stuften sie seine Arbeit als unverzichtbar ein und sahen von einer Suspendierung ab. Von Frisch war nicht nur ein begeisterter, sondern auch ein begeisternder Forscher, der sein Wissen stets und gerne verständlich weitergab. Tania Munz entwirft das emotionale Porträt eines höchst interessanten Menschen im Spannungsfeld zwischen einem Leben für die Wissenschaft, einer unglaublichen Entdeckung und den erschwerten Bedingungen im Zweiten Weltkrieg. Tania Munz, Vizepräsidentin für Wissenschaftliche Programme am National Humanities Center in North Carolina, ist promovierte Wissenschaftshistorikerin. Sie arbeitete an mehreren Universitäten, u.a. in Kansas, Berlin, Minnesota und Chicago, und lehrte Biologie und Chemie. Zahlreiche Publikationen zur Wissenschaftgeschichte und Verhaltensforschung, vor allem zu Karl von Frisch und Konrad Lorenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 360
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783707606492
    Verlag: Czernin Verlag
    Größe: 6583 kBytes
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Der Tanz der Bienen

BIENENSKIZZE I

Viktorianische Bienen

Im Dunkel des Bienenstocks gehen Zehntausende Bienen ihren Geschäften nach. Während einige die Jungen betreuen, reinigen andere die Zellen. Wieder andere reparieren oder bauen Waben, und ein paar Bienen bewachen den Eingang. Eine andere Gruppe nimmt jene in Empfang, die vom Nektarsammeln zurückkehren. Diese Insekten erhalten die von ihren Schwestern ausgewürgte Nahrung und bringen sie in die Vorratszellen. Andere Sammlerinnen wiederum gehen mit ihren von Pollen schweren Hinterbeinen tief in den Stock hinein, wo sie ihre Ladung in dafür vorgesehene Zellen streifen. Eine Handvoll Bienen wendet sich der Königin zu, die sich durch das enge Gewirr aus Körpern bewegt und dabei ihren Hinterleib in eine Zelle nach der anderen taucht. Jedes Mal hinterlässt sie dabei ein einzelnes kleines Ei - glänzend und durchscheinend wie ein perfektes Reiskorn. Nach drei Tagen erschauern die Eier und machen winzigen, wurmartigen Larven Platz, die nun eingerollt in den Zellen liegen und fressen. Und fressen. Neun Tage darauf ist das Gewicht einer Larve auf mehr als das Tausendfache jenes Eis gestiegen, das sie ursprünglich war. Nun werden die Zellen von Arbeitsbienen versiegelt, und die eingeschlossenen Kreaturen verpuppen sich - ein Stadium, in dem sie weder essen noch trinken. Am einundzwanzigsten Tag ist die Transformation vollzogen und eine neue Arbeitsbiene schlüpft aus der Zelle. Solcherart sind die Mechanismen eines Bienenstocks - und das ist der jahrhundertealte Stoff der Bienenkunde.

Seit langer Zeit fesseln Bienen nicht nur die Aufmerksamkeit von Imkern und Naturforschern, sondern auch jene von Ökonomen, Poeten, Staats- und Sozialtheoretikern. Man hat Bienen für ihre Arbeitsethik ebenso bewundert wie für ihre Staatskunst und ihre aus Honig und Wachs bestehenden Gaben. Erstaunt waren die Kommentatoren vor allem jedoch über die bemerkenswerten Fähigkeiten der kleinen Tiere, ihre komplexe soziale Welt zu organisieren. Wenn kein einzelnes Tier - nicht einmal die Königin - das Ganze überblicken kann, wie kommt dann der gesamte Bienenstock zu Entscheidungen, die das Überleben sichern? Als Tiere, deren jede einzelne Bewegung von komplexen angeborenen Verhaltensprogrammen bestimmt war, stellten Bienen für Naturforscher den Gipfel der Instinkte dar.

Wenn die Naturforscher die Bienen zur uneingeschränkten Herrscherin der Instinkte krönten, so würdigten sie den Wabenbau als ein besonders beeindruckendes Beispiel im Repertoire ihrer Fertigkeiten. Charles Darwin war von den eleganten Waben der Tiere in einem solchen Ausmaß ergriffen, dass er zum "beschränkten Menschen" erklärte, "welcher bei Untersuchung des ausgezeichneten Baues einer Bienenwabe, die ihrem Zwecke so wundersam angepasst ist, nicht in begeisterte Bewunderung geriete." Beschränkt, allerdings. Reihe um Reihe perfekt - fast wie maschinell erzeugt - gestapelt, hielt man die Zellen für Wunderwerke geometrischer Effizienz. Diese Formen sind so geschachtelt, dass sie ihr Gewicht gleichmäßig auf die benachbarten Zellen verteilen. Jedes dieser Sechsecke teilt seine Wände mit direkt anschließenden Zellen, womit für die Konstruktion die geringstmögliche Menge an Wachs benötigt wird. Colin Maclaurin, Mathematiker im 18. Jahrhundert, schrieb über die Zellenform: "Was besonders schön und regelmäßig ist, stellt sich zudem als besonders nützlich und vortrefflich heraus." 16

Doch während alle darin übereinstimmen konnten, dass die Waben elegant und vortrefflich sind, unterschieden sich die Meinungen darin, was den Bienen abverlangt würde, um diese Konstruktionen errichten zu können. Für viele verlangte der offensichtlich hohe Grad an Perfektion der Waben eine über das bloß Natürliche hinausgehende Erklärung. Tatsächlich hielten sie die Waben für einen Beweis des göttlichen Plans in der Natur. So argumentierte der neuzeit

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