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'Ich bleib erst mal hier.' Jugend in Waldshut-Tiengen

  • Erscheinungsdatum: 04.03.2015
  • Verlag: Hirnkost
eBook (PDF)
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'Ich bleib erst mal hier.'

Auch in Waldshut-Tiengen ist die Situation von Kindern und Jugendlichen geprägt von Veränderungen im Bereich der Familie, im Medienkonsum, in einer Freizeit, die zunehmend in organisierter Form unter professionalisierter Betreuung stattfindet. 55 % der Jugendlichen sind nicht zufrieden mit den Freizeitmöglichkeiten vor Ort. Über ein Viertel der Jugendlichen wollen weg, wenn sie erst einmal die Schule hinter sich haben. Was sie sich wünschen, trugen 50 Jugendliche im Rahmen einer Zukunftswerkstatt zusammen: weitere Sportangebote jenseits von Fußball, informelle Treffmöglichkeiten im Freien, vielleicht Grillplätze, mehr, unterschiedliche und für ihren Geldbeutel erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, Musikveranstaltungen für Jüngere und Treffpunkte ohne erwachsene Kontrolle oder pädagogische Aufwartung. Immer schwieriger wird es für Jugendliche, ihre Interessen zu organisieren. Sie finden zunehmend weniger Gleichgesinnte. Engagieren können sie sich fast nur noch in pädagogisierten Lern- und Bildungsräumen. Tatsächlich wird im öffentlichen Raum wenig jugendliche Initiative sichtbar. Die Studie: Nicht weniger, sondern mehr muss für Jugendliche getan werden, wenn sie weniger werden. Ziel der Untersuchung des Jugendamtes der Stadt Waldshut-Tiengen und des Berliner Archiv der Jugendkulturen e. V. in Kooperation mit der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Duisburg-Essen war die Beschreibung der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen in der Region. Die entwickelten Erkenntnisse sollen als Grundlage der Weiterentwicklung einer bedarfsgerechten und kooperativ angelegten Jugendarbeit dienen. Das nun vorliegende Buch dokumentiert nicht nur die quantitativen Ergebnisse der Studie, sondern lässt vor allem auch die Jugendlichen selbst zu Wort kommen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 169
    Erscheinungsdatum: 04.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945398043
    Verlag: Hirnkost
    Größe: 4288 kBytes
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'Ich bleib erst mal hier.'

"Es gibt keine
Waldshut-Tiengener."

Ein sozialstrukturelles Mosaik der
Doppelstadt am Hochrhein

Von Karl-Heinz Behr

Es gibt keine Waldshut-Tiengener: Man wächst in Waldshut auf oder in Indlekofen, in Gurtweil, Tiengen oder einem anderen der 12 Ortsteile. Die Identifikation mit dem einen schließt häufig andere aus. Das ist auf den Dörfern so. Oberalpfener müssen immer wieder ihren Jugendtreff "Wäschhüsli" verteidigen bei "Besuch" von außerhalb, Ortsvorsteher und Ortschaftsrat müssen hin und wieder klärend eingreifen. Das ist aber auch in den Stadtteilen so. In Tiengen kann die Identifikation mit dem Stadtteil dann so klingen: "... Wo hab ich mich rumgetrieben und wie konnten wir nur alle die Kontrolle über unser Leben so verlieren ach ich weiß doch auch nicht wir waren doch den ganzen Tag dicht und jetzt sitzen wir vor Gericht ich hoff ich muss dort nie mehr hin denn dann müsste ich nach Waldshut und darauf hab ich keinen Bock weil ich mich lieber hier in Tiengen City auf irgendeine Bank hock ... denn Tiengen ist die beste Stadt der Erde das is der Grund warum ich für immer hier in Tiengen City bleiben werde ... und jetzt schreit mit mir Tiengen Tiengen Tiengen." `Empire State of Tiengen hat der Rapper Gravito, Tiengener, seinen Tiengen-Rap genannt, den er schon mehrfach enthusiastisch im Jugendzentrum vortrug. Ganz ungern geht er damit nach Waldshut.

Im Zuge der Gemeindereform, die zum 1. Januar 1975 die Stadt Waldshut-Tiengen schuf, wurde möglicherweise die Verwaltung gestrafft und vereinfacht, nicht aber das Zusammenleben der Bürger. Es gibt mit Schwyzertag Anfang Juli in Tiengen und der Waldshuter Chilbi Mitte August zwei große Stadtfeste, zwei Vereine kümmern sich um Handel und Gewerbe je in ihrem Stadtteil. Natürlich gibt es zwei Freibäder und zwei Rathäuser. Es gibt nur einen Gemeinderat, aber beispielsweise zwei CDU- und zwei SPD-Ortsvereine, die sich immerhin auf jeweils eine Liste für den Gemeinderat einigen können.

Trägt die Doppelstruktur in mancher Hinsicht zur bereichernden Vielfalt bei, so erhalten sich doch auch immer wieder wenig hilfreiche, manchmal teure Parallelstrukturen. Auch wenn manchem Verein die Aktiven fehlen, werden die vereinseigenen Strukturen und Bestände geschützt.

Die städtische Vereinsdatei weist 376 Einträge auf von A wie Akkordeon-Orchester Tiengen bis Z wie Zierfischfreunde Hochrhein. Vergleichsweise hoch ist die Vereinsbindung von Jugendlichen, stellt die Waldshut-Tiengener Jugendstudie 2014 fest: 73% der an der Studie Teilnehmenden sind in einem Sportverein, 36% in einer Musikgruppe, wobei sich die Zugehörigkeit zum einen oder anderen nach Geschlecht teilt - Mädchen machen eher Musik, Jungen sind mehr im Sport aktiv. Auch die soziale Herkunft spielt dabei eine Rolle. Trotz hoher Mitgliederzahlen klagen Vereine und Verbände über die Schwierigkeiten, einen Vorstand zu besetzen oder Jugendtrainer zu finden. Eigeninitiative und Engagement, so stellt die Jugendstudie fest, ist bei den befragten Jugendlichen gering ausgeprägt. Das entspräche wohl den Einstellungen ihrer erwachsenen Vorbilder, ergänzte ein Kommunalpolitiker bei der Vorstellung der Studie. Nicht überraschend, dass die Stadtjugendringe in Waldshut und Tiengen schon in den 90er Jahren eingeschlafen sind und auch der Kreisjugendring, als einzig verbliebene verbandliche Vertretung Jugendlicher, seit Jahren Nachwuchsschwierigkeiten hat.
Waldshut-Tiengen wächst.

Trotz des auch hier vorhandenen landesüblichen Geburtendefizits ist die Bevölkerung in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen auf 22.700 im Jahr 2013. Das verdankt die Stadt vorwiegend den Gewinnen aus der bundesweiten Nord-Süd-Wanderung, aber auch den Wanderungsgewinnen aus dem Umland. 2012 blieb bei 1.963 Zuzügen ein Plus von 185 Personen. Der Demografieber

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