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Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung

  • Erscheinungsdatum: 21.11.2013
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (PDF)
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Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung

In der religiösen Mentalitätsgeschichte spielt Franz von Assisi (1182-1226) eine bedeutende Rolle. Mit seinem Sonnengesang stellt er die Gottesbeziehung in einen universalen Horizont. Bei seiner friedlichen Begegnung mit dem Sultan von Ägypten (1219, während des fünften Kreuzzugs) überschreitet er ein begrenztes Gottesverständnis und belebt den Austausch zwischen islamischer und westlicher Welt. Die Beiträge des vorliegenden Bandes stellen sich der Frage, welche Bedeutung dieser Impuls für das interreligiöse Gespräch grundsätzlich hat und welche Wirkungen im Lauf der Jahrhunderte davon ausgegangen sind. Prof. Dr. Adrian Holderegger lehrte bis 2012 Theologische Ethik an der Universität Fribourg. Prof. Dr. Dr. Mariano Delgado lehrt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Fribourg. Dr. Anton Rotzetter ist Lehrbeauftragter für Spiritualität an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster.

Prof. Dr. Adrian Holderegger lehrte bis 2012 Theologische Ethik an der Universität Fribourg. Prof. Dr. Dr. Mariano Delgado lehrt Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Fribourg. Dr. Anton Rotzetter ist Lehrbeauftragter für Spiritualität an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 21.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170234796
    Verlag: Kohlhammer
    Serie: Religionsforum Bd.10
    Größe: 3689kBytes
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Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung

Der eine Gott und die vielen Religionen

Die universale Vision des Franz von Assisi

von Niklaus Kuster

1. Einleitung

Auf den 27. Oktober 1986 lud Johannes Paul II. zum ersten großen Friedensgebet der Weltreligionen. Deren Delegationen trafen sich weder an den UNO-Sitzen New York oder Genf, noch in Rom, der Stadt des Gastgebers, sondern im mittelitalienischen Städtchen Assisi. 1 Im Frühjahr 2002 kam es da nach dem Schock des traumatischen 11. Septembers zu einem weiteren großen Frie-densgebet, an dem 300 Delegierte der Welt- und Naturreligionen teilnahmen. Angesichts des drohenden Afghanistankrieges verwarfen sie in einer Erklärung jede Form von Gewalt im Namen Gottes und wahrer Religiosität. Der Zen-Buddist Shido Munan begründete die Ortswahl mit dem "Geist von Assisi". 2 Der polnische Papst sah diesen Geist explizit in Franziskus wirken: "einem Propheten des Friedens, der nicht nur von Christen geliebt wird, sondern auch von vielen anderen Glaubenden und von Menschen, die sich auch fern der Religion in seinen Idealen der Gerechtigkeit, der Versöhnung und des Friedens wiedererkennen". 3

Im Herbst 2011 lud Benedikt XVI. anlässlich des 25. Jahrestags zu einem dritten großen weltweiten Treffen, an dem neben den Welt- und Naturreligionen auch Nichtgläubige beteiligt waren. Im Geist des Franziskus nannte der Papst sie alle zusammen mit agnostischen Menschen und seine eigene Kirche "Pilgernde zu Wahrheit und Frieden". Die Delegationen wiesen auf Franziskus als gemeinsamen Propheten, suchten bei der Portiunkula-Kapelle miteinander von der Weisheit in jeder Religion zu lernen, beteten bei San Francesco und dankten zum Schluss am Grab des Bruders. 4

Ein erster Schritt dieses Referats zeichnet biografisch nach, wie der Kleinbürger einer Kleinstadt schrittweise zu seiner universalen Offenheit kommt: einer Offenheit, die in der geschaffenen Welt keine Fremde und nichts Fremdes mehr kennt, weil alles geschwisterlich verwandt ist. Ein zweiter Teil folgt Franziskus auf den Weg nach Ägypten und sammelt die Früchte dieser friedlichen Begegnung mit al-Kâmil Muhammad al-Malik. Sie öffnete seine Vision grenzenlos und macht den Mystiker zum Propheten des interreligiösen Dialogs.
2. Werdegang eines Friedensstifters

2.1 Enge Grenzen und weiter Horizont

Franziskus kommt aus der kleinräumigen Welt eines mittelalterlichen Städtchens, das sich um 1200 sozial und politisch klar abgrenzte. 5 In den jungen Jahren des Kaufmanns bekämpften sich Adel und Bürger der Stadt. Obdachlos nächtigten Arme und Bettlerinnen in engen Gassen, und vor den Mauern kämpften jene Entwurzelten ums Überleben, die es nicht schafften, in der aufstre-benden Kleinstadt Fuß zu fassen. Die arbeitende Landbevölkerung blieb über den Bürgerkrieg hinaus unterdrückt: Bauernfamilien lebten weiterhin leibeigen unter dem Joch des Adels oder der zwölf benediktinischen Klöster. 6

Franziskus war der Spross eines reichen Bürgers. 7 Nannte ihn jemand "rusticus", weil sein Reden oder Tun "bäuerlich" wirkte, fühlte sich der ehrgeizige Kaufmannssohn beleidigt. Jede Verbindung des urbanen Modeexperten zum Bauernstand vor den Mauern war eine Zumutung. Franziskus bewegte sich jahrelang in der engen Welt seiner privilegierten Familie, der führenden Zunft und einer zerstrittenen Kleinstadt, die sich über ihre Landbevölkerung erhob und gegen ihre bedeutendste Nachbarstadt Krieg führte.

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