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Die Suche nach der zweiten Erde Illusion und Wirklichkeit der Weltraumforschung von Oeser, Erhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Die Suche nach der zweiten Erde

Die Frage, ob es draußen im weiten Weltall wohl eine ?Zweite Erde? geben könnte, die unserer ähnelt und vielleicht sogar Bewohner beherbergt, hat die Menschheit von alters her umgetrieben. Beispielsweise glaubten griechische Philosophen der Antike an eine Bewohnbarkeit des Mondes - eine Vorstellung, die auch Jahrhunderte später noch aktuell war, wie Jules Vernes Roman "Reise um den Mond" zeigte. Spätestens die erste Mondlandung der Apollo 11-Mission im Jahr 1969 bewies, dass es kein Leben auf dem Mond gab. Doch die Fantasien von der Eroberung des Weltraums fingen jetzt erst richtig an. Neue Weltraumprogramme in der Realität führten zu neuen Formen der phantastischen Literatur und des phantastischen Films in der Fiktion. Bis heute befruchten und inspirieren sich beide Bereiche gegenseitig. Erhard Oeser bietet in seinem Buch einen Wissensschatz der Kulturgeschichte von realer Weltraumforschung bis hin zu phantastischer Science Fiction. Erhard Oeser, geb. 1938, ist emeritierter Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften an der Universität Wien und Vorstand des Institutes für Wissenschaftstheorie. Er erhielt 2006 den Eugen Wüster Sonderpreis für Terminologie-Forschung. Seine bisherigen Buchveröffentlichungen bei der WBG: Geschichte der Hirnforschung (2. Aufl. 2010), Hund und Mensch (3. Aufl. 2009), Die Suche nach der zweiten Erde (2009), Die Jagd zum Nordpol (2008), Katze und Mensch (3. Aufl. 2008), Pferd und Mensch (2007), Das selbstbewusste Gehirn (2006).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534704057
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 5783 kBytes
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Die Suche nach der zweiten Erde

Keplers Traum

Eine der wichtigsten Botschaften von Galileis "Sidereus Nuncius", die Entdeckung der Jupitermonde, lieferte Johannes Kepler (1571 - 1630) ein Argument für die Bewohnbarkeit der Planeten des Sonnensystems. Im Jahre 1610 schrieb er in seiner "Unterredung mit dem Sternboten" (Dissertatio cum nuncio sidereo) an Galilei: "Wenn vier Monde den Jupiter in ungleichen Abständen und Umlaufzeiten umkreisen, dann muss man fragen, wem das wohl nützen mag, wenn es keine Wesen auf dem Jupiterball gibt, die diesen wunderbaren Wechsel mit ihren Augen schauen könnten." Was aber die Bewohnbarkeit des Mondes anbelangt, so hatte Kepler bereits konkrete Vorstellungen entwickelt , die weit über Beobachtungen Galileis hinausgehen. Denn er sieht in den durch das Fernrohr sichtbaren Ringwällen ungeheure Bauten, die von den mit großartigem Geist und stolzen Kräften ausgestatteten Mondbewohnern errichtetet worden sind: "Da sie einen Tag haben, der 15 Erdentage lang ist, und unerträgliche Hitze zu verspüren bekommen, da sie vielleicht auch keine Steine haben, um Schutzmauern gegen die Sonne zu errichten, dagegen vielleicht lehmartige, zusammenhaltende Erde, so wird bei ihnen das also die übliche Bauweise sein, dass sie riesige Ebenen tiefer legen, indem sie Erde in einer Kreisform hinausschaffen und ringsum aufhäufen, vielleicht auch in der Absicht, in der Tiefe Wasser zu finden. So können sie auf dem vertieften Grund hinter den aufgeworfenen Wällen im Schatten liegen und in ihrem Innern mit der Bewegung der Sonne dem Schatten folgend herumwandern. Und es kann für sie eine Art Stadt entstehen: die Häuser als eine Menge Höhlen, in jenen kreisrunden Sockel hineingegraben, Äcker und Weideland in der Mitte, damit sie auf der Flucht vor der Sonne sich dennoch nicht allzu weit von ihrem Besitz zu entfernen brauchen" (Kepler 1610, Ges. Werke IV, S. 299, dt. Übers. nach F. Hammer in der Faksimile-Ausgabe der Dissertatio, München, S. 22). Diese fantasievollen Vorstellungen hat Kepler später in seinem Traum vom Mond weiterentwickelt, den sein Sohn Ludwig nach seinem Tode im Jahre 1634 in Frankfurt veröffentlichte.

Keplers Traum vom Mond und seinen Bewohnern verbindet sich in eigentümlicher Weise mit der Gestalt seiner unglücklichen Mutter, die in einen Hexenprozess verwickelt war (vgl. Oeser 1971, S. 75 ff.). Am 7. August 1620 wird die "Keplerin" unter dem Verdacht, Zauberei und Hexerei getrieben zu haben, in dem Ort Heumaden bei Stuttgart im Hause ihrer Tochter mitten in der Nacht verhaftet. Um kein Aufsehen zu erregen, wird die alte Frau in einer verschlossenen Truhe weggeschleppt. Man führt sie zum Gerichtsort Leonberg, wo endlich in größter Eile und Heimlichkeit die Endphase jenes Prozesses stattfinden soll, der schon mehr als sechs Jahre gedauert hat. Die Prozessakten aus dem Stuttgarter Staatsarchiv zeigen das düstere Bild einer Zeit, in der sich Aberglaube, Wahnsinn und menschliche Niedertracht zu einem fast unentwirrbaren Dickicht verflechten: Es ist von Giftmischerei, von verhexten Kühen und Schweinen, vom Totenschädel des Vaters, den sich die alte Frau hatte ausgraben lassen, um ihn als Trinkbecher zu benützen, und anderen Dingen dieser Art die Rede. Ein ganzes Jahr lang sollte dieser schändliche Prozess noch dauern. Ein Jahr lang kämpfte Kepler verbissen um das Leben seiner Mutter. Allein seinem Auftreten in diesem Prozess war es wohl zu verdanken, dass die hilflose, dem Schwachsinn nahe Alte dem sicheren Tod auf dem Scheiterhaufen entrissen wurde. Am 4. Oktober 1621 wurde sie aus der Haft entlassen, nachdem sie standhaft alle Leiden und Foltern ertragen hatte. Sie war jedoch bereits vom Tode gezeichnet: Im Frühjahr des folgenden Jahres starb sie, bis zum Ende ihres Lebe

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