text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Amundsens letzte Reise von Kristensen, Monica (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.01.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
21,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Amundsens letzte Reise

Am 18. Juni 1928 besteigt Roald Amundsen in Tromsö ein französisches Flugboot, eine Latham 47, mit Ziel Spitzbergen. Der Bezwinger des Südpols und norwegische Nationalheld macht sich auf, den italienischen Polarforscher Umberto Nobile zu retten, mit dem er zwei Jahre zuvor in einer spektakulären Fahrt den Nordpol angeflogen hatte. Nobiles Luftschiff ist bei einer neuerlichen Arktis-Expedition abgestürzt, seit Tagen treiben er und ein Teil seiner Mannschaft hilflos auf einer Eisscholle. Nobile wird einige Zeit später gerettet - jedoch nicht von Amundsen: Gegen 18.00 Uhr geht an jenem Tag ein Funkspruch von der Latham 47 ein - es sind die letzten Lebenszeichen Amundsens und der Crew. Bis heute fehlt jede Spur von ihnen. Was ist damals tatsächlich passiert? Warum musste ein Mann sterben, der als besonnen und überaus gründlich galt? Wusste er, welches Risiko er einging? Basierend auf zum Teil bisher unveröffentlichten Quellen zeichnet die norwegische Polarforscherin und Schriftstellerin Monica Kristensen ein ebenso bewegendes wie scharfsichtiges Porträt Amundsens und erzählt zugleich eine höchst dramatische und unglaubliche Geschichte aus dem ewigen Eis. Monica Kristensen ist eine der bekanntesten norwegischen Polarforscherinnen, sie leitete zahlreiche Expeditionen in arktische und antarktische Gebiete. Von 1998-2003 war sie Direktorin der Kings Bay GmbH, der Kohlebergwerkgesellschaft in Ny-Ålesund auf Spitzbergen. Darüber hinaus promovierte sie an der Universität von Cambridge in Glaziologie. Für ihre Forschungsarbeiten erhielt sie mehrere bedeutende wissenschaftliche Auszeichnungen, darunter die Goldmedaille der Royal Geographical Society. 'Die Suche' ist ihr erster Roman, der auf Deutsch erscheint. Gegenwärtig schreibt sie an ihrem vierten Krimi aus Spitzbergen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 21.01.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641222826
    Verlag: btb
    Originaltitel: Amundsens siste reise
Weiterlesen weniger lesen

Amundsens letzte Reise

PROLOG

Tromsø, 18. Juni 1928

Das Zimmer lag still im Halbdunkel, trotz des grellen, klaren Tageslichts draußen vor den Fenstern. Das Haus, eine prächtige, dreistöckige Villa im Schweizer Stil, lag zentral an der Storgata, die die Stadt Tromsø durchquerte. Hier hatten der weltberühmte Polarforscher Roald Amundsen und der norwegische Pilot Leif Dietrichson frühmorgens am Montag, dem 18. Juni 1928, Zuflucht gesucht. Auf dem Kai wie auch vor dem Haus, dessen Erdgeschoss vollständig von der Apotheke Nordstjernen eingenommen wurde, hatten sich nach und nach Menschengruppen eingefunden, die aufgeregt miteinander diskutierten. Der alte Polarheld war endlich in der Stadt eingetroffen.

Das französische Flugboot Latham 47- II war kurz nach sechs Uhr morgens auf dem Tromsøsund gelandet. Das Flugzeug wurde am Ostufer der Bucht vertäut, beim Lager der Vestlandske Petroleumskompani, und die Besatzung, vier Franzosen und zwei Norweger, wurden in einem Ruderboot an Land gebracht. Gleichzeitig kam ein Wachmann, der von der Gemeinde Tromsø eingestellt worden war, an Bord. Er sollte auf dem Flugboot bleiben, solange die Mannschaft sich in der Stadt ausruhte.

Beide Chefpiloten, René Guilbaud und Leif Dietrichson, waren berühmte Männer in ihrem Metier, bekannt für ihre Pionierleistungen und ihre Tüchtigkeit. Aber trotzdem war es Roald Amundsens Anwesenheit, die die Begeisterung unter den Menschen weckte und die Schlagzeilen in den Zeitungen beherrschte. Der Fußweg vom Kai, wo sie an Land gegangen waren, bis hoch ins Zentrum von Tromsø war nicht lang, doch selbst in diesen frühen Morgenstunden hatten sich bereits Menschen entlang der Straßen eingefunden, um zumindest einen kurzen Blick auf den berühmten Polarfahrer zu erhaschen.

Roald Amundsen war diese Begeisterung gewohnt, derartige Aufmerksamkeit war seit mehr als zwanzig Jahren Teil seines Lebens. Er lächelte freundlich, versuchte so schnell wie möglich sein Ziel zu erreichen, blieb nicht stehen, um etwaige Fragen zu beantworten. Am Tag zuvor hatte er sich in Bergen interviewen lassen, das musste genügen. In Tromsø war die Zeit knapp, und er wollte nicht gestört werden. Das genaue Ziel der nächsten Etappe seines Flugs Richtung Norden stand noch nicht endgültig fest. Wichtige Entscheidungen mussten getroffen werden.

Aber nicht alle konnten einfach ignoriert werden. Zumindest Helmer Hanssen nicht, Roald Amundsens alter Freund und Teilnehmer an drei seiner größten Expeditionen. Nach mehreren Streitigkeiten zwischen ihnen auf der sieben Jahre dauernden "Maud"-Expedition im Nordpolarmeer hatte es sich gezeigt, dass die früher so enge Freundschaft nur schwer wieder zu kitten war. Jetzt war Helmer Hanssen gekommen, um Roald Amundsen in Tromsø willkommen zu heißen. Ein versöhnlicher, schöner Zug, wie viele meinten. Was Amundsen selbst dachte, war unmöglich zu erkennen. Er blieb stehen und begrüßte den ehemaligen Freund, wechselte einige Worte mit ihm. Doch der Besitzer des stattlichen Hauses in der Storgata, Fritz Gottlieb Zapffe, sorgte entschlossen dafür, dass der Polarfahrer und Leif Dietrichson ins sichere Hausinnere gelangten. Helmer Hanssen wurde nicht eingeladen, ihnen zu folgen.

Die vier Franzosen wurden im alten, ehrwürdigen Grand Hotel einquartiert, nur zwei Häuser von Zapffes Villa entfernt. Dort legten sie sich für ein paar Stunden schlafen. Der Flug von Caudebec in Frankreich war lang gewesen. Das Wetter über der Nordsee hatte sich als schwierig erwiesen, mit Sturm und Hagelschauern auf weiten Teilen der Strecke. In Bergen waren sie zwischengelandet, um Amundsen und Dietrichson an Bord zu nehmen. Kein Mitglied der Besatzung hatte auf dem Weiterflug nach Tromsø viel geschlafen. Und die nächste Strecke nach Spitzbergen sollte eine neue, weitaus größere Herausforderung werden. Von den Franzosen hatte keiner Erfahrungen mit arktischen Verhältnissen. Ihre Erfolge mit der Latham hatten sich

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen