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Berufswunsch Henker Warum Männer im Nationalsozialismus Scharfrichter werden wollten von Hillenbrand, Klaus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2013
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Berufswunsch Henker

Tausende Menschen starben während der nationalsozialistischen Diktatur durch das Fallbeil. Einige wenige Scharfrichter töteten damals im Auftrag einer skrupellosen Justiz unterschiedslos Widerstandskämpfer, Diebe und Gewaltverbrecher. Berichte über diese Henker verlockten viele Deutsche dazu, sich selbst um das einträgliche Amt des Scharfrichters zu bewerben. Hunderte Schreiben gingen bei den Behörden ein; doch nur den wenigsten gelang es, tatsächlich zum 'staatlich bestallten Mörder' zu werden. Die Bewerber waren teils überzeugte Nationalsozialisten, teils Arbeitslose in großer persönlicher Not. Unter ihnen fanden sich Frontsoldaten ebenso wie Metzger, Polizisten und Krankenpfleger. Das Buch stellt die Praxis der Vollstreckung der Todesstrafe im 'Dritten Reich' dar und bietet den Versuch einer Typologie der Henker. So wird deutlich, zu welchen Gewaltexzessen manche Deutsche im NS-Staat bereit waren.

Klaus Hillenbrand ist langjähriger leitender Redakteur bei der Berliner tageszeitung (taz) und beschäftigt sich dort unter anderem mit zeitgeschichtlichen Themen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 292
    Erscheinungsdatum: 10.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593420936
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 2166 kBytes
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Berufswunsch Henker

Vorwort

Dieses Buch behandelt eines der furchtbarsten Kapitel der nationalsozialistischen Herrschaft: den juristisch sanktionierten Mord, ihre Vollstrecker und seine Sympathisanten. Etwa 12.000 Menschen wurden von 1933 bis 1945 zum Opfer. Sie verloren ihr Leben unter dem Handbeil. Sie wurden von einer Guillotine geköpft. Sie wurden gehenkt. Sie wurden erschossen. Sie alle starben, weil ein ziviles Gericht sie zum Tod verurteilt hatte. Nur die wenigsten von ihnen hatten sich tatsächlich etwas zuschulden kommen lassen. Ein Teil der Menschen wurde wegen lächerlich anmutender Delikte, etwa dem Diebstahl einiger Hühner, getötet. Ein Mann wurde umgebracht, weil er sich bei einer Metallsammlung für die Wehrmacht einen Löffel im Wert von 75 Pfennig angeeignet hatte. Eine Mutter von vier Kindern starb, weil sie Wollsachen im Wert von 30 Mark bei einer Wintersachensammlung entwendet hatte. Nur selten wurde den Verurteilten ein Kapitalverbrechen vorgeworfen, etwa, einen anderen Menschen getötet zu haben. Die allermeisten Opfer starben, weil sie sich am Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime beteiligt hatten - sei es, weil sie wie die Attentäter des 20. Juli 1944 versuchten, das Regime und seinen 'Führer' Adolf Hitler zu beseitigen, oder auch nur, weil sie an Bekannte oder Arbeitskollegen weitergaben, was sie in einem ausländischen Rundfunksender zur Kriegslage gehört hatten. Die Möglichkeiten der Gerichte im Nationalsozialismus, einen Menschen zum Tod zu verurteilen, waren nahezu unbegrenzt und kaum ein Richter hat den Mut besessen, sich der Aufforderung, stets von der Höchststrafe Gebrauch zu machen, zu entziehen.

Doch nicht um die Opfer geht es in diesem Buch, sondern um die Täter. Genauer: um das letzte Glied der Kette, beginnend mit dem Denunzianten oder Schutzpolizisten, der die vermeintliche Tat meldete und zur Anzeige brachte, über den Gefängnisaufseher und die Gestapo, die den vermeintlichen Täter in Untersuchungshaft einsperrte, befragte und folterte, das Gericht, das die Todesstrafe gegen den angeblich Schuldigen verhängte - und endend beim Scharfrichter und seinen Gehilfen, die das Urteil gegen den Verurteilten vollstreckten. Die Henker im NS-Regime waren eine kleine Gruppe von zuletzt nur wenigen Dutzend Personen. Anders als die Massenmörder der SS empfanden sie sich selbst wohl kaum als eine Elite, wie denn auch das NS-Regime Wert darauf legte, eine gewisse Distanz zu den Vollstreckern ihrer Urteile zu wahren. Der Scharfrichter tötete zwar im Auftrag der Nationalsozialisten, aber er blieb ein Ausgestoßener der Gesellschaft. Mit den Henkern wollte man über das unbedingt notwendige Maß nichts zu tun haben. Oder vielleicht doch?

Dieses Buch basiert auf der Auswertung von etwa 500 Briefen - Schreiben von deutschen Männern, die sich darum bewarben, vom Staat als Scharfrichter eingestellt zu werden. Nur die wenigsten unter ihnen - ehemalige Henker oder frühere Scharfrichtergehilfen - wussten wirklich, worauf sie sich da einlassen wollten. Aber sie alle einte der Wunsch, mit dem Töten anderer Menschen den eigenen Lebensunterhalt verdienen zu wollen.

Diese Briefe, von denen hier eine Auswahl rund 70 Jahre später erstmals veröffentlicht wird, sind Dokumente der Verrohung. Sie zeigen, dass ganz normale Männer es für erstrebenswert hielten, das NS-Regime nicht nur zu unterstützen, sondern die Herrschaft der Nationalsozialisten für die Erfüllung des eigenen Interesses zu nutzen, Menschen gegen Bezahlung zu töten. Die Briefe legen davon Zeugnis ab, dass für diese Männer Moral im traditionellen Sinn keine Gültigkeit mehr besaß. Du sollst nicht töten? Diese Männer wollten töten, sei es aus Gewinnsucht und Habgier, sei es, um den Nazis, die sie verehrten, einen besonderen Gefallen zu tun, oder sei es, weil gerade kein anderes Stellenangebot verfügbar war.

Aus manchen der Bewerbungen spricht große Verzweiflung über elende soziale und wirtschaftliche Verhältnisse, die di

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