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Der Tod des Schtetls von Bauer, Yehuda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2013
  • Verlag: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag
eBook (ePUB)
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Der Tod des Schtetls

Das Schtetl war "eine kleine Civitas Dei", wie Manès Sperber schrieb, ein untergegangenes Paradies, ein ausgelöschter Sehnsuchtsort. In den "Städtlein" Galiziens, Weißrußlands und der Ukraine lebten die Juden wie aus der Zeit gefallen: in bitterster Armut, größter Religiosität und in der Tradition der Vorfahren, aber ohne den Druck zur Assimiliation wie im übrigen Europa. Pogrome bedrohten das Schtetl schon im 19. Jahrhundert, doch erst die Nazis vernichteten im Zweiten Weltkrieg die Schtetl und ihre Einwohner. Yehuda Bauer, der große Erforscher der Shoah, ruft uns die untergegangene Welt des jüdischen Lebens in Osteuropa in Erinnerung. Er erzählt ohne Verklärung von den Lebensumständen im Schtetl, von den sozialen Widersprüchen, den Schicksalen der einzelnen. Anhand exemplarischer Betrachtungen einzelner Orte zeigt er die Umstände der Auslöschung nach dem Einmarsch der Deutschen. Er beschreibt die verzweifelten Rettungsversuche, die Flucht in die Wälder und den jüdischen Widerstand. Yehuda Bauer gibt Einblick in das jüdische Leben in Osteuropa vor und während der Shoah, er bewahrt die Welt des Schtelts vor dem Vergessen.

Yehuda Bauer, geboren 1926, ist ein israelischer Historiker und emeritierter Professor für Holocaust-Studien an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Große Beachtung fanden seine letzten Bücher Freikauf von Juden? (1996) und Die dunkle Seite der Geschichte (2001).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 364
    Erscheinungsdatum: 20.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783633760107
    Verlag: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag
    Größe: 2984kBytes
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Der Tod des Schtetls

1?Hintergrund

Ungefähr 3,3 Millionen Juden lebten im Polen der Vorkriegszeit, davon zwischen 30 und 40 Prozent – genaue Zahlen lassen sich nicht ermitteln – in kleinen Städten und Kommunen. Die großen Städte mit ihren jüdischen Gemeinden – Warschau, ?ó;d?, Krakau, Wilna, Bia?ystok, Cz?stochowa und andere – konzentrierten sich im mittleren, nördlichen und westlichen Teil des Landes. Im Osten, wo die Polen in der Minderheit waren und der Großteil der Bevölkerung vor allem aus Ukrainern und Weißrussen bestand (den Distrikt Bia?ystok ausgenommen), gab es nur eine größere Stadt, nämlich Lwó;w (Lemberg; heute Lwiw), sowie eine Reihe mittelgroßer Städte wie Brest-Litowsk (poln.: Brze?? nad Bugiem; jidd.: Brisk de Lita), Rowne (ukr.: Rivne; jidd.: Rowno oder Rowna), Lutsk, Kovel und einige andere. 1 In diesem östlichen Landesteil, polnisch Kresy ("Sumpf-" oder "Grenzland") genannt, lebten etwa 1,3 Millionen Juden, die meisten von ihnen in kleineren Städten, Gemeinden und Dörfern. Die Gemeinden mit einem hohen Anteil jüdischer Einwohner wurden von diesen Schtetlech genannt ("Städtchen"; Sing.: Schtetl). Wir können davon ausgehen, dass weit über ein Drittel der polnischen Juden in den über das ganze Land verstreuten Schtetlech lebte, in den Kresy sogar um die 60 Prozent der dort ansässigen Juden. Aus manchen Statistiken geht hervor, dass 60 Prozent aller polnischen Juden in Orten lebten, die weniger als 10 000 jüdische Einwohner hatten. 2

Die Schtetlech des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und ihre Geschichte sind Gegenstand umfangreicher Literatur. Im 19. Jahrhundert wurde Jiddisch zu einer literarischen Sprache, und große Schriftsteller beschrieben die Schtetlech in Romanen, Gedichten und Dramen. Mendele Moicher Sforim (Shalom Y. Abramowicz), Sholem Aleichem (Shalom N. Rabinowicz), Yehuda Leib Peretz, Sholem Asch und andere schufen eindrucksvolle Bilder jüdischen Lebens an diesen Orten. Ihre Beschreibungen waren keineswegs ausschließlich positiv: Mit bitterer Kritik schilderten sie die entwürdigende Armut, den religiösen Fanatismus und die autoritären Oligarchien, die nicht an allen, doch an den meisten dieser Orte herrschten, und erzählten von der Hoffnungslosigkeit der Juden, die antisemitischer Bürokratie ausgesetzt waren und seit Mitte des 19. Jahrhunderts nichts lieber getan hätten, als den Schtetlech durch Flucht in den Westen zu entkommen. Aus den Geschichten der Schriftsteller erfahren wir von den sozialen Konflikten und von Korruption, die nicht nur unter der christlichen Obrigkeit, sondern auch unter der jüdischen Bevölkerung verbreitet war. Doch hoben die Autoren auch die unter den Juden herrschende Loyalität und ihren engen Familienzusammenhalt hervor und bewunderten sie für die Beständigkeit, mit der sie ihre religiösen Bräuche und Gesetze befolgten. Diese literarische Produktion versiegte nach dem Ersten Weltkrieg, und nur wenige Schriftsteller, der große Isaac Bashevis Singer etwa, befassten sich in ihren Werken weiterhin mit den polnischen Juden und den Bewohnern der Schtetlech. Was blieb, war ein Bild des Schtetls, des heim , das Millionen von Emigranten in sich trugen, als sie zumeist in die Vereinigten Staaten, das Land der "unbegrenzten Möglichkeiten", auswanderten. In den 1940er Jahren und auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch dominierte eine wirklichkeitsfremde, süße Nostalgie die Erinnerung an das Schtetl, wie sie sich etwa in dem bekannten Musical Fiddler on the Roof manifestiert, die verzerrte Darstellung einer Erzählung von Shol

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