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Deutsche Kriegsgreuel 1914 Die umstrittene Wahrheit von Horne, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.08.2014
  • Verlag: Hamburger Edition HIS
eBook (ePUB)
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Deutsche Kriegsgreuel 1914

Die 'deutschen Kriegsgreuel' von 1914. Lange galten sie als erfundene Propaganda der Alliierten - ebenso lange war man in Deutschland davon überzeugt, dass Zivilisten als Vergeltung für 'Franktireurangriffe' in Belgien und Nordfrankreich getötet worden waren. John Horne und Alan Kramer untersuchen die konkreten Vorfälle und stellen gleichzeitig die Kultur des Krieges dar, in der die Frage der 'deutschen Greuel' in einen Kampf der Worte und Propagandakampagnen mündete. Ebenso wird den Fragen der möglichen Kontinuität in der deutschen Kriegführung und der langfristigen Folgen der Debatte nachgegangen. Fraenkel-Preis 2000 Norman B. Tomlinson, Jr. Prize 2002

John Horne ist Professor für Moderne Europäische Geschichte und Leiter des Centre for War Studies am Trinity College in Dublin. Auf Deutsch veröffentlichte er als Herausgeber zusammen mit Robert Gerwarth 'Paramilitärische Gewalt in Europa nach dem Ersten Weltkrieg', Göttingen 2013. Alan Kramer ist Professor für europäische Geschichte am Trinity College in Dublin. Er arbeitet zur Geschichte des Ersten Weltkrieges, Geschichte der Gewalt im 20. Jahrhundert, Wirtschaftsgeschichte des Krieges und zur internationalen Geschichte der Lager. Zusammen mit Bettina Greiner veröffentlichte er als Herausgeber 'Welt der Lager. Zur 'Erfolgsgeschichte' einer Institution', Hamburg 2013

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 741
    Erscheinungsdatum: 07.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783868545869
    Verlag: Hamburger Edition HIS
    Größe: 6702kBytes
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Deutsche Kriegsgreuel 1914

Kapitel 1
Deutsche Invasion, Teil 1

Im August 1914 marschierte Deutschland mit einer Million Mann in Belgien ein, einem in der bisherigen Geschichte beispiellos gewaltigen Invasionsheer. Die Absicht des Generalstabs war es, entsprechend dem Schlieffenplan einen schnellen Sieg im Westen zu erringen, indem fünf Armeen in einem massiven Bogen über Mittel- und Südbelgien nach Frankreich geworfen wurden, um die französische Armee von Norden her zu überwältigen und Paris zu erobern. Zwei weitere Armeen sollten die Grenze in Elsaß-Lothringen gegen eine französische Invasion sichern. 1 Entscheidend war der Zeitfaktor. Die deutschen Armeen mußten ihre Feinde im Westen schlagen, bevor die russische Mobilisierung abgeschlossen war, so daß sie sich ihren österreichischen Verbündeten anschließen und auch im Osten triumphieren konnten. Das Gebiet der geplanten Invasion hatte schon früher Kriege erlebt. Belgien, das 1792 von den Armeen der Französischen Revolution überrannt wurde, war auch die Stätte von Napoleons Niederlage 1815. Nach der Unabhängigkeit Belgiens 1830 garantierten die europäischen Großmächte 1831 seine dauerhafte Neutralität, um zu verhindern, daß es noch einmal als Aufmarschgebiet für eine Invasion mißbraucht würde.

Die deutschen Armeen sollten dem Plan zufolge das nördliche Drittel Belgiens, das aus einem flachen Küstenstreifen besteht, unbehelligt lassen. Die 1. und 2. Armee, die den rechten Flügel der Invasion bildeten, sollten innerhalb weniger Tage durch die dichtbevölkerte Zentralebene der Provinzen Limburg und Brabant und den Hennegau (Hainault) zur französischen Grenze vorpreschen. Im südlichen Drittel des Landes (die Provinzen Namur und Luxembourg) boten die Täler der Sambre und der Maas bequeme Zugangswege nach Frankreich, während die Ardennen weiter südlich schwieriger zu überwinden waren. Hier sollten die 3. und die 4. Armee in immer kürzer werdenden Bögen nach Süden schwenken, um die Invasionsfront zu halten. Die 5. Armee schließlich hatte die Aufgabe, durch den Südzipfel Belgiens in das Département Meurthe-et-Moselle in Ostfrankreich vorzustoßen.

Karte 1: Die deutsche Invasion in Belgien und im Nordosten Frankreichs

Bevor jedoch die Invasion Frankreichs in vollem Umfang beginnen konnte, mußten sich die Deutschen den Zugang zu Belgien erzwingen. Liège, die östlichste Provinz Belgiens, grenzt an das deutsche Rheinland. Die Stadt Lüttich war das größte Industriezentrum des Landes – das "Birmingham Belgiens". Strategisch kontrollierte sie den Zugang zum Tal der Maas und zur Zentralebene. Geschützt durch einen Ring moderner Forts aus Stahlbeton, bildete die Stadt – zusammen mit Namur und Antwerpen – einen der drei militärischen Komplexe, auf die sich die Verteidigung des Landes stützte. Der deutsche Generalstab hatte ein spezielles Angriffskontingent vorgesehen, um Lüttich innerhalb weniger Tage militärisch auszuschalten. Am frühen Morgen des 4. August 1914 verletzten diese Truppen unter General von Emmich die belgische Neutralität und überschritten in einer Breite von 40 Kilometern zwischen Aachen und Malmedy die Grenze. 2
Der Schock von Lüttich

Die Deutschen rechneten damit, daß Lüttich von 6000 regulären Soldaten sowie 3000 Angehörigen der belgischen Garde Civique 3 verteidigt würde. Man hielt 39 000 deutsche Soldaten für ausreichend, um diesen Widerstand zu brechen. 4 Tatsächlich jedoch wurden weitere belgische Einheiten eiligst zur Verteidigung

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