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Die Völkischen in Deutschland Kaiserreich und Weimarer Republik von Breuer, Stefan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.12.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Die Völkischen in Deutschland

Die völkische Bewegung war ein loses Konglomerat von Vereinen und Parteien, die in ihrer Ideologie Rechtsnationalismus, Kritik an der Zweiten Moderne und Mittelstandsorientierung verbanden. Nach einem Höhepunkt Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts erlebten sie einen Niedergang, um nach dem Ersten Weltkrieg wieder einen starken Zustrom zu erfahren, der sowohl Massenorganisationen wie den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund hervorbrachte als auch völkische Flügel bei Parteien wie den Deutschnationalen entstehen ließ. Die NSDAP versuchte mit Erfolg, sich selbst als treibende Kraft der völkischen Bewegung zu profilieren. Vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus ist heute jede Beschäftigung mit der Völkischen Bewegung zu sehen. Stefan Breuer, einer der wichtigsten Autoren zu den rechten Strömungen im 19. und 20. Jahrhundert, zeichnet in seiner Studie das gesamte heterogene Spektrum der Völkischen Bewegung nach und untersucht Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gruppierungen.

Stefan Breuer, geb. 1948, ist Professor für Soziologie in Hamburg. Bei der WBG erschien von ihm u.a.: Anatomie der Konservativen Revolution (2. Aufl. 1995); Ästhetischer Fundamentalismus. Stefan George und der deutsche Antimodernismus (1995); Ordnungen der Ungleichheit. Die deutsche Rechte im Widerstreit ihrer Ideen 1871 - 1945 (2001).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 294
    Erscheinungsdatum: 01.12.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534706631
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1567 kBytes
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Die Völkischen in Deutschland

1. Die antisemitische Bewegung der Reichsgründungszeit

Die Uneinigkeit darüber, was als "völkisch" zu verstehen sei, setzt sich in der Uneinigkeit über die Frage fort, seit wann überhaupt von einer völkischen Bewegung gesprochen werden kann. Während nicht wenige der Akteure den Terminus a quo in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen des politischen Antisemitismus gegeben sahen und damit der Forschung lange Zeit die Richtung wiesen 1 , tendiert ein Teil der neueren Forschung dahin, beide Bewegungen voneinander zu trennen. 2 Die antisemitische und die völkische Bewegung, meint Werner Bergmann, "entstanden unabhängig voneinander und liefen eine Weile parallel", bevor sie sich seit den späten 90er Jahren einander annäherten 3 ; Uwe Puschner sieht ähnlich eine von der antisemitischen Bewegung unabhängige Wurzel der völkischen Bewegung im Kulturnationalismus der 90er Jahre, wie er sich 1894 und 1896 in der Gründung des Deutschbundes und der Zeitschrift Heimdall niedergeschlagen habe. Was davor liegt, die antisemitische Bewegung, der Bayreuther Regenerationsidealismus, gilt dementsprechend als "prävölkisch". 4 Erst gegen Ende der 90er Jahre hätten sich beide Bewegungen verbunden, was dadurch ermöglicht worden sei, daß ihre Leitideen von unterschiedlicher Reichweite gewesen seien. Beim Antisemitismus habe es sich um eine vorwiegend negative und auf einen einzigen Punkt beschränkte Erscheinung gehandelt, wohingegen die völkische Bewegung über eine "Weltanschauung" verfügt habe, in die der Antisemitismus als "konstitutives Element" habe eingehen können. 5 Noch größer erscheint der zeitliche Abstand in anderen Darstellungen, die die völkische Bewegung erst am Vorabend des Ersten Weltkriegs (Lohalm) oder gar erst in der Weimarer Republik (Heberle) beginnen lassen. 6

Für diese Trennung gibt es sachliche Gründe. Mit seiner Kombination von Ideologie und Gesinnung, von zweck- und wertrationalen Motiven, bewegt sich der völkische Nationalismus in der Sphäre der "Vergesellschaftung", worunter Max Weber eine soziale Beziehung versteht, bei der "die Einstellung des sozialen Handelns auf rational (wert- oder zweckrational) motiviertem Interessenausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht." Der Antisemitismus dagegen wurzelt in einem Affekt: der Judenfeindschaft, und fällt damit zunächst, sobald er über eine rein individuelle Äußerung hinausgeht, in die Sphäre der "Vergemeinschaftung", bei der die Einstellung des sozialen Handelns "auf subjektiv gefühlter (affektueller oder traditionaler) Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht." 7 Judenfeindschaft wird zu Antisemitismus freilich erst dann, wenn eine Reihe von hinzutretenden Bedingungen gegeben sind: Erstens, eine Hemmung und Zurückhaltung der konstitutiven Affekte (in der Regel: Haß, Racheimpulse, Neid, Eifersucht), die deren Realisierung der "vorblickenden Überlegung" unterwirft, wodurch aus dem bloßen Impuls ein "Ressentiment" wird, eine "dauernde psychische Einstellung" vorwiegend negativer Art, wie sie sich vor allem im "Groll" manifestiert: einem "dunkel durch die Seele wandelnde(n), verhaltene(n) und von der Aktivität des Ich unabhängige(n) Zürnen, das durch wiederholtes Durchleben von Haß-Intentionen oder anderen feindseligen Emotionen schließlich sich bildet und noch keine bestimmte feindliche Absicht enthält, wohl aber alle möglichen Absichten solcher Art in seinem Blute nährt." 8 Zweitens: die Kommunikation dieses Ressentiments, seine Artikulation in mündlicher und zunehmend auch schriftlicher Form, womit zugleich eine gewisse Diskursivierung, Rationalisierung und Intellektualisierung verbunden ist. Drittens: die damit einhergehende Anpassung an die Selbstbeschreibungen, Programme und Interessentenideologien, wie sie für die unterschiedlichen Handlungsfelder einer funktional differenzierten Gesellschaft charakteristisch sind. Zugespitzt ließe si

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