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Für Prophet und Führer Die islamische Welt und das Dritte Reich von Motadel, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2017
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Für Prophet und Führer

David Motadel schildert die Geschichte der Millionen Muslime unter deutscher Herrschaft. Eindringlich zeigt er, wie der NS-Staat und andere Großmächte den Islam für politische Zwecke vereinnahmten. Ein Standardwerk zur deutsch-islamischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Das Buch wurde 2014 mit dem Fraenkel Prize in Contemporary History ausgezeichnet "Herausragend, mit faszinierenden und ungewöhnlichen Einblicken." Sir Ian Kershaw David Motadel stellt erstmals umfassend die Islampolitik des NS-Regimes dar. International vielbeachtet veranschaulicht der Historiker, dass und wie sich das Dritte Reich als Schutzherr der Muslime präsentierte. Deren Glauben instrumentalisierte die NS-Elite für geopolitische wie militärische Zwecke. In der entscheidenden Phase des Zweiten Weltkrieges - als Hitlers Truppen in viele muslimische Gebiete einmarschierten - umwarb Berlin Muslime, um sie als Verbündete zu gewinnen. Mit einem unglaublichen Pragmatismus wurden dabei rassistische Bedenken beiseitegeschoben. Eingehend untersucht der Autor die deutsche Propaganda in den muslimisch besiedelten Kriegsgebieten; detailliert beschreibt er die politische Indoktrinierung Zehntausender Muslime, die in der Wehrmacht und SS kämpften. Der Historiker David Motadel vergegenwärtigt den enormen Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf die islamische Welt und eröffnet so ein neues Verständnis von Religion und Politik im 20. Jahrhundert. David Motadel, geboren in Detmold, lehrt als Professor für Internationale Geschichte an der London School of Economics. Er studierte Geschichte an den Universitäten Freiburg, Basel und Cambridge, und wurde in Cambridge promoviert. Forschungsaufenthalte in Harvard, Yale und Oxford. Er ist Fellow der Royal Historical Society. Seine Texte zu Geschichte und Gegenwartsfragen erschienen u. a. im "Spiegel", in der "Süddeutschen Zeitung", der "NZZ", und in der "New York Times".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 656
    Erscheinungsdatum: 17.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608109788
    Verlag: Klett-Cotta
    Originaltitel: Islam and Nazi Germany's War
    Größe: 11712 kBytes
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Für Prophet und Führer

Einleitung

Der Zweite Weltkrieg erfasste weite Teile der islamischen Welt. Rund 150 Millionen Muslime zwischen Nordafrika und Südostasien lebten unter britischer und französischer Herrschaft, und mehr als 20 Millionen wurden von Moskau beherrscht. Auf dem Höhepunkt des Krieges, in den Jahren 1941-1942 - als Japan in muslimische Gebiete Südostasiens eindrang und deutsche Truppen in muslimisch bevölkerte Territorien auf dem Balkan, in Nordafrika und auf der Krim einmarschierten und in Richtung Naher Osten und Zentralasien vordrangen -, begannen sowohl die Achsenmächte als auch die Alliierten den Islam als politisch bedeutsam wahrzunehmen.

Berlin unternahm nun zunehmend Anstrengungen, Muslime als Verbündete zu gewinnen und sie zum Kampf gegen angeblich gemeinsame Feinde aufzustacheln, allen voran das Britische Empire, die Sowjetunion und die Juden. In den muslimischen Kriegsgebieten, in Nordafrika und im Nahen Osten, auf der Krim, im Kaukasus und auf dem Balkan präsentierten sich die Deutschen als Freunde der Muslime und Verteidiger des Islam. Gleichzeitig wurden Zehntausende von Muslimen in die Wehrmacht und in die SS rekrutiert. Die meisten dieser Männer stammten aus der Sowjetunion. Viele kamen vom Balkan und einige - in geringerer Anzahl - aus dem Nahen Osten. Deutsche Behörden gründeten diverse muslimische Einrichtungen wie etwa das 1942 eröffnete Islamische Zentralinstitut in Berlin, und sie warben zur Unterstützung ihrer Bemühungen religiöse Führer aus der gesamten muslimischen Welt an. Zu den wichtigsten zählten der litauische Mufti Jakub Szynkiewicz aus Wilna (Vilnius), der Hitlers Neue Ordnung als Chance für eine islamische Wiederbelebung in den muslimischen Territorien Osteuropas und Zentralasiens propagierte; der bosnische islamische Geistliche Muhamed Pandza, führendes Mitglied der Ulama Sarajevos und Verbündeter der Deutschen auf dem Balkan; und der legendäre Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, der die Gläubigen zwischen Marokko und der Malaiischen Halbinsel zum Heiligen Krieg gegen die Allierten aufrief. Diese Politik war ein bedeutender Versuch, den Islam zu politisieren und Muslime auf deutscher Seite in den Krieg mit einzubeziehen.

Für Berlin gewannen Muslime in zwei Kontexten Bedeutung, beide im Zusammenhang mit einer größeren, in den Jahren 1941-1942 sich vollziehenden Verschiebung im Verlauf des Zweiten Weltkriegs.

Indem der europäische Krieg sich zunehmend zu einem Weltkrieg ausweitete, wurden muslimisch bevölkerte Regionen zu Kriegsgebieten. 1942 standen deutsche Soldaten von den Kanalinseln im Westen bis zu den Gebirgszügen des Kaukasus im Osten, und von Skandinavien im Norden bis in die Sahara im Süden. Plötzlich sahen sich die Deutschen mit umfangreichen muslimischen Bevölkerungsgruppen im Kaukasus, auf der Krim, im Maghreb und auf dem Balkan konfrontiert. In den von Hitler überfallenen Territorien standen zahllose Minarette. Deutschland kontrollierte muslimische Metropolen wie Tunis, Sarajevo und Bachtschyssaraj. Nahezu sämtliche Gebiete in den wenigen nicht-europäischen Territorien, die die Deutschen besetzt hielten, waren von Muslimen bevölkert, und auch innerhalb von Europa, auf dem Balkan, festigte Berlin zunehmend seine Kontrolle über muslimisch besiedelte Gebiete. Eine wohl nicht minder bedeutsame Rolle spielte, dass die NS -Führung davon ausging, dass noch weitaus mehr Muslime unter deutsche Herrschaft geraten würden, wenn erst der islamische Gürtel zwischen den asiatischen und den europäischen Kriegsschauplätzen erobert war. Die Aussicht, in diesen Regionen Unterstützung durch die Muslime zu erhalten, wurde um so wichtiger, als für einen kurzen Zeitraum alles darauf hinzudeuten schien, dass dieser Gürtel zum entscheidenden Kriegsgebiet werden würde.

Aus strategischer Sicht waren Berlins Versuche, Muslime als Verbündete zu gewinnen, keinesfalls Teil längerfristiger Planungen, sonder

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