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Halte dich dicht an mich und eile! Der Untergang der Baron Gautsch von Pfeiffer, Hermann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.01.2014
  • Verlag: Braumüller Verlag
eBook (ePUB)
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Halte dich dicht an mich und eile!

Eine Familiengeschichte, in der sich die Weltgeschichte spiegelt: niedergeschrieben vom Grazer Arzt Hermann Pfeiffer für seinen Sohn im September 1914, kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges. Diese persönlichen Erinnerungen - ergänzt durch zahlreiche Originaldokumente - zeichnen ein berührendes Bild vom Untergang des Passagierdampfers Baron Gautsch, aber auch vom Lebenswillen und von der unerschütterlichen Liebe eines Vaters zu seiner Familie. Karl Hermann Emil Pfeiffer, Dr. med., wurde 1877 in Wien geboren. Studium der Medizin in Wien, Pathologe und Gerichtsmediziner in Innsbruck und Graz, dort auch Dekan. Verheiratet mit Anna Margarete Luise (1880-1914), gemeinsamer Sohn Ernst Hermann Pfeiffer (1911-1967), genannt Erny. Neben medizinischen Werken verfasste Hermann Pfeiffer den Gedichtband Der große Krumme. Er verstarb 1929 in Graz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 156
    Erscheinungsdatum: 02.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783992001156
    Verlag: Braumüller Verlag
    Größe: 7562 kBytes
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Halte dich dicht an mich und eile!

16. 9. 1914

Mein lieber Bub!

Da ich nicht weiß, ob es mir einmal möglich sein wird, mit Dir, als einem Erwachsenen, über alles zu sprechen, was mir am Herzen liegt, da ferner täglich meine Einberufung bevorsteht, die uns für lange Zeit, vielleicht für immer auseinanderreissen kann, so möchte ich heute und in den folgenden Tagen Dir von dem Lebensschicksal Deiner Eltern erzählen, um Dich wissen zu lassen, wie sehr sie sich geliebt und wie grausam unsere Ehe zerrissen wurde.

Ich beginne mit dem schrecklichen Ende, dem 13. August 1914, weil das zu wissen für Dich besonders wichtig ist. Das andere werde ich, soweit mir Zeit bleibt, nachholen.

Wie im Vorjahre, so hatten wir auch heuer beschlossen, da Du etwas schwächlich warst, den Sommer am Meer, teils auf der Insel San Sego, teils in Lussin grande zuzubringen. Bei diesem Entschluss spielte wohl auch der Umstand eine Rolle, dass wir Beide, Grete und ich, das südliche Meer liebten wie nichts anderes. Da ich durch Arbeiten in Graz noch festgehalten wurde, reiste Grete mit ihrem lieben Buben und dem Kindermädchen Fritzi Schallar (von Dir "Vila" auch "Vidiwitt" genannt) am Montag den 15. Juni hier ab. Mit Tante Else Eichmann und ihren Kindern Inge und Fritzel verbrachtet ihr 3 Wochen auf Sansego. Von diesem Aufenthalt sind einige gute Bilder Deiner Mutter und von Dir gemacht worden, doch sind die Filme u. Kopien untergegangen. Nachdem ich noch meine Arbeiten über Zellfermente bei den Eiweißzerfallstoxikosen beendet hatte, traf ich am 8. Juli in Lussin piccolo mit einem Dampfer der Ungaro-Kroata ein. Deine liebe Mutter stand, Dich an der Hand, am Molo und ich fühlte in diesem Augenblick, wo die beiden braun Gebrannten mir über den schmalen Wasserstreifen, der das Schiff v. der Steinmauer trennte, wieder einmal so voll, wie lieb ich Euch Beide habe und wie glücklich wir seien!

Wir hatten in der Casa Antončič in Lussin grande eine kl. Wohnung gemietet, aßen in der Pension Mathilde, wo wir mit lieben Freunden des Vorjahres täglich zusammentrafen, um mit Bad u. Segelpartien auf dem kl. Kutter "Vigilante" die Sommerwochen zu vertreiben. Deine Mutter und Du, Ihr waret schon prächtig erholt, voll Freude über das schöne Stück Erde, das Meer und die glühende Sonne, die uns allen so gut tat. Ich war überanstrengt zuerst und noch verstimmt über wissenschaftliche Angriffe, denen ich in den letzten Tagen in Graz ausgesetzt gewesen war, aber doch beglückt zugleich, wieder in Euerer Nähe sein und, ohne die Hast und die strenge Zeiteinteilung des übrigen Jahres, namentlich Dir mich widmen zu können.

So kam uns allen unerwartet in toller Ferialstimmung das Erlebnis des 25. Juli heran. Wir ahnten da unten nicht, dass die Ermordung des Thronfolgers in Sarajewo endlich unser altes, zerrissenes Österreich aus seinen inneren Kämpfen mit einem Schlage reißen sollte, dass es endlich – vielleicht zu spät! – gegen die Feinde die es umringten mit den Waffen sich stellen wolle.

Am Morgen eilte ich nichtsahnend in die Pension! Jubelnd wurde dort das Ultimatum verlesen, jenes befreiende, starke Dokument, das Serbien mit jenem Tone, der ihm allein gebührte, unannehmbare Forderungen diktierte! Das ist der Krieg, jubelten wir alle! In jauchzender Begeisterung, aber manchmal auch mit ernsten Untertönen machten wir an diesem Vormittage noch eine Segelpartie nach Palazuol und beschlossen im Scherze, unseren Kutter zu armieren, uns selbständig zu erklären und gegen Montenegro eine Seeschlacht zu schlagen. Wir alle glaubten, dass die Mächte der Tripelentente Serbien werden fallen lassen u. nichts anderes als eine Straf

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