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Hitlers Helferinnen Deutsche Frauen im Holocaust von Lower, Wendy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.07.2014
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
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Hitlers Helferinnen

Sie waren jung und sie waren ehrgeizig. Den deutschen Truppen, die in Polen, in die Ukraine und in Weißrussland einmarschierten, folgten Hunderttausende von Frauen. Krankenschwestern waren dabei, Bürokräfte, aber auch die Ehefrauen von SS-Männern. Vielen von ihnen war eine Unterstützung im Hintergrund nicht genug. Sie griffen selbst zur Waffe, folterten und töteten Unschuldige. Nach dem Krieg wurden diese Taten verschwiegen und verdrängt. Wendy Lowers Buch nimmt die unterschiedlichen Rollen von Frauen während des Genozids in den Blick: Sie zeigt sie als Zeuginnen, Komplizinnen und Täterinnen. Und sie erklärt, wie in einem Klima enthemmter Gewalt alle zivilisatorischen Tabus fallen. Wendy Lower ist John K. Roth Professor für Geschichte am Claremont McKenna College und Direktorin des dortigen Zentrums für Menschenrechte. Zuvor war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der LMU München und am U.S. Holocaust Memorial Museum. 'Hitlers Helferinnen' stand auf der Shortlist für den National Book Award 2013.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 28.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446247178
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Hitler's Furies. German Women in the Nazi Killing Fields
    Größe: 5603 kBytes
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Hitlers Helferinnen

Einleitung

Im Sommer 1992 kaufte ich mir ein Flugticket nach Paris, erstand einen alten Renault und fuhr mit einer Freundin über holprige Sowjetstraßen Hunderte von Kilometern in die Ukraine. Unsere abenteuerliche Reise mussten wir häufig unterbrechen. Die Schlaglöcher ließen die Reifen platzen, es gab kein Benzin, und neugierige Bauern und LKW -Fahrer wollten unbedingt einen Blick unter die Motorhaube eines westlichen Gefährts werfen. An der einzigen Schnellstraße, die Lwiw mit Kiew verband, besuchten wir die Stadt Schytomyr, ein Zentrum jüdischen Lebens im ehemaligen Ansiedlungsrayon, wo während des Zweiten Weltkriegs Heinrich Himmler, der Architekt des Holocaust, sein Hauptquartier namens "Hegewald" aufgeschlagen hatte. Südlich der Route, in Winnyzja, lag Adolf Hitlers Führerhauptquartier, der Werwolf. Die gesamte Region war einst Tummelplatz der Nazis gewesen, mit all seinem Schrecken.

In seinem Bestreben, ein "Tausendjähriges Reich" zu errichten, kam Hitler in diese fruchtbare Gegend der Ukraine – die begehrte Kornkammer Europas – und hatte ganze Legionen von Entwicklern, Verwaltern, Sicherheitsbeamten, "Rassenkundlern" und Ingenieuren im Gepäck, die dieses Gebiet kolonialisieren und ausbeuten sollten. Die Deutschen trieben ihren "Blitzkrieg" 1941 Richtung Osten voran, verwüsteten und plünderten das eroberte Territorium und suchten 1943 und 1944 geschlagen Richtung Westen das Weite. Als die Rote Armee die Gegend besetzte, stellten sowjetische Offizielle Unmengen an Material sicher: seitenweise offizielle deutsche Berichte, ordnerweise Fotos und Zeitungen und ganze Schachteln voller Filmspulen. Sie bewahrten diese Kriegsbeute auf und werteten die Dokument-"Trophäen" in staatlichen und regionalen Archiven aus, wo sie jahrzehntelang hinter dem Eisernen Vorhang blieben. Genau deshalb war ich in die Ukraine gefahren: um mich mit diesem Material zu beschäftigen.

Im Archiv von Schytomyr stieß ich auf Papiere, auf denen Stiefelabdrücke zu sehen und die an den Rändern verkohlt waren. Die Dokumente hatten zwei Angriffe überstanden: den Rückzug der Nazis mit ihrer Politik der verbrannten Erde, zu der auch die Vernichtung von belastendem Beweismaterial gehörte, und die Zerstörung der Stadt während der Kämpfe im November und Dezember 1943. Die Aktenordner enthielten lückenhafte Briefwechsel, Papierfetzen, auf denen die Tinte verblasst war, Erlasse mit der ausladenden, unleserlichen Unterschrift von kleinen Beamten des NS -Staates und polizeiliche Verhörprotokolle mit dem zittrigen Gekritzel verängstigter ukrainischer Bauern. Ich hatte schon zuvor zahlreiche NS -Dokumente zu Gesicht bekommen, allerdings im komfortablen Ambiente des Mikrofilmraums in den National Archives in Washington. Nun aber saß ich in den Gebäuden, die von den Deutschen besetzt gewesen waren, und entdeckte neben dem "Rohzustand" des Quellenmaterials noch etwas anderes. Zu meiner Überraschung fand ich auch die Namen junger deutscher Frauen, die in der Region als Hitlers Reichsgründerinnen aktiv gewesen waren. Sie standen auf harmlosen Listen, auf denen die Behörden Kindergärtnerinnen verzeichnet hatten. Mit diesen Hinweisen kehrte ich in die amerikanischen und deutschen Archive zurück und suchte systematischer nach Dokumenten über deutsche Frauen, die gen Osten geschickt worden waren, insbesondere über solche, die den Holocaust als Augenzeuginnen erlebt oder als Täterinnen aktiv daran mitgewirkt hatten. Der Aktenberg wuchs und wuchs, und so langsam wurden darin einzelne Geschichten erkennbar.

Bei der Durchsicht von Untersuchungsberichten aus der Nachkriegszeit fiel mir auf, das

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