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Hitlers Menschenhändler Das Schicksal der 'Austauschjuden' von Ammann, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2014
  • Verlag: Rotbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Hitlers Menschenhändler

Zwei ungleiche Männer zwischen den Fronten des Holocaust Ein Jahr vor Kriegsende, als der Massenmord an den Juden seinen grausamen Höhepunkt erreicht, verhandelt SS-Obersturmbannführer Kurt Becher mit dem jüdischen Unterhändler Rudolf Kasztner über die Freilassung von ungarischen Juden - im Gegenzug sollen die Nazis Geld, Waffen und im Ausland internierte Deutsche erhalten. Ein perfides Spiel um Leben und Tod beginnt, bei dem es letztlich nach zahlreichen Rückschlägen gelingt, 1700 Menschenleben zu retten. In Hitlers Menschenhändler zeichnen Thomas Ammann und Stefan Aust ein weitgehend vergessenes Kapitel aus der Schreckensgeschichte des Holocaust nach. Ein bewegendes wie lehrreiches Zeitdokument. Thomas Ammann, geboren 1956, war von 1983 bis 1992 Mitarbeiter des NDR Fernsehens, ab 1993 leitender Redakteur bei Spiegel TV. Seit 2008 ist er selbständiger Journalist und Autor sowie Redaktionsleiter und Autor der TV-Produktionsfirma Agenda Media. Stefan Aust, geboren 1946, war langjähriger Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel und ist Gründer von Spiegel TV. Er ist Geschäftsführer des Nachrichtensenders N24, zudem Autor zahlreicher Bücher, darunter das Standardwerk zur Geschichte der RAF Der Baader-Meinhof-Komplex.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 333
    Erscheinungsdatum: 14.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783867895743
    Verlag: Rotbuch Verlag
    Größe: 1218 kBytes
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Hitlers Menschenhändler

2.

DER UMSCHLAGPLATZ DER
MENSCHENHÄNDLER

Als britische Soldaten das Konzentrationslager Bergen-Belsen am 15. April 1945 zum ersten Mal betraten, entdeckten sie den Vorhof der Hölle. Allein in den letzten Kriegsmonaten waren hier Zehntausende von Häftlingen an Auszehrung und Seuchen wie dem Fleckfieber gestorben. Auch Häftlinge, die bis zuletzt darauf gehofft hatten, ausgetauscht zu werden. Niemand hatte sich mehr die Mühe gemacht, die Leichen wegzuräumen oder gar zu bestatten. Etwa 60 000 Überlebende fanden die Befreier auf dem Gelände des Lagers am Rande der Lüneburger Heide vor, die allermeisten in erbärmlichem Zustand. Eine Evakuierung der Gefangenen, wie sie in anderen Konzentrationslagern von der SS angeordnet worden war, war wegen der Fleckfieberepidemie nicht mehr möglich gewesen. "Kein Bericht und keine Fotografie kann den grauenhaften Anblick des Lagergeländes hinreichend wiedergeben", vermerkte damals der britische Militärarzt Glyn Hughes, "an zahlreichen Stellen waren die Leichen zu Stapeln von unterschiedlicher Höhe aufgeschichtet ... Überall im Lager lagen verwesende menschliche Körper."

Mit den Truppen kamen auch Kameramänner, die den Vormarsch der Briten im Deutschen Reich – oder dem, was davon noch übrig war – festhielten. Als die Lkw-Kolonne der Briten durch die Zufahrtstraße zum Lager fuhr, wurde sie zunächst von weiblichen Häftlingen mit Applaus empfangen. Eine Frau saß am Boden und küsste heftig schluchzend die Hand eines Befreiers. Ausgemergelte Jugendliche löffelten Suppe aus einem Blechnapf. Sie blickten auf, als sie die Kamera bemerkten.

Die britischen Kameramänner hielten das Grauen in ihren stummen Schwarzweiß-Bildern fest. Man sieht Berge von Leichen, kaum lassen sich die einzelnen Toten in dieser Masse ausmachen. In grotesk wirkenden Verrenkungen liegen sie zusammen, abgemagert bis aufs Skelett. Schwere Bagger räumen die Leichenberge beiseite, als wären sie Bauschutt. SS-Mannschaften müssen unter britischem Kommando Massengräber ausheben, achtlos werfen deutsche KZ-Aufseherinnen die Leichen in die Gruben. Und inmitten der Apokalypse zeigt die Kamera Überlebende, die von dem Geschehen um sie herum keine Notiz nehmen, als wären sie blind oder taub. Sie liegen auf dem nackten Boden oder schleppen sich wie in Zeitlupe vorwärts. Großaufnahmen zeigen völlig ausgezehrte Gesichter, stumpfe Augen, die den Blick längst nach innen gewendet haben. Teilnahmslos oder ungläubig starren die Überlebenden in die Filmobjektive ihrer Retter. Viele der Befreiten starben noch in den Wochen nach der Befreiung.

Der britische Militärarzt Hughes, der später die Rettungsmaßnahmen leitete, mag Recht haben: Nichts vermag das Grauen auch nur annähernd wiederzugeben, das in Bergen-Belsen herrschte, und dennoch sind diese Aufnahmen der britischen Armee von unschätzbarer Bedeutung. Sie waren, wie die Bilder der sowjetischen Kameramänner im befreiten Konzentrationslager Auschwitz, die ersten unwiderlegbaren Zeugnisse eines bis dahin undenkbaren Verbrechens. Für alle Zeiten auf Film gebannte Beweise für den Völkermord, der im Zeichen des Rassenwahns im Nazi-Reich geschah. Während des Krieges hatte es nur wenige Berichte von entflohenen Häftlingen gegeben, die so unvorstellbar klangen, dass sie selbst von Kriegsgegnern der Deutschen zuweilen angezweifelt wurden. Aufgrund dieser Bilder wurde Bergen-Belsen zum Symbol für das Grauen des Holocaust, seit 1945, wie auch Auschwitz, ein Synonym für den Massenmord der Nazis an den Juden.

In den überfüllten Baracken fanden d

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