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Interessen um Eichmann Israelische Justiz, deutsche Strafverfolgung und alte Kameradschaften

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2012
  • Verlag: Campus Verlag
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Interessen um Eichmann

Der Prozess gegen Adolf Eichmann 1961 vor dem Jerusalemer Bezirksgericht leitete fünfzehn Jahre nach dem Ende des "Dritten Reichs" die Ära der Zeugenschaft der Opfer ein. Dem Angeklagten Eichmann in seinem Glaskasten traten die Überlebenden des Holocaust gegenüber und bezeugten vor aller Welt die präzedenzlosen Verbrechen der Deutschen. In Bonn löste der Prozess Sorgen und Befürchtungen aus - die Adenauer-Regierung schickte zur Beobachtung des Verfahrens eine Delegation nach Israel. Die Autorinnen und Autoren beleuchten den Eichmann-Prozess in seinem zeithistorischen Kontext. Sie belegen erstmals die Teilfinanzierung der Verteidigung Eichmanns durch altnazistische Kreise und zeigen darüber hinaus aufgrund bisher unausgewerteter Quellen die Verflechtungen des Prozesses mit der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Werner Renz, M.A., Germanist und Philosoph, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut.

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Interessen um Eichmann

Zum 50. Jahrestag des Eichmann-Prozesses veranstaltete das Fritz Bauer Institut im April 2011 eine Tagung über das Strafverfahren, das ein Meilenstein in der Verfolgung von Menschheitsverbrechen und ein transnationales Medienereignis zugleich gewesen ist. Die Autorinnen und Autoren des vorliegenden Bandes beleuchten in ihren Beiträgen unterschiedliche Aspekte des Prozesses, seine Auswirkungen auf die Holocaust-Historiographie und die Entwicklung des Völkerrechts sowie verschiedene Facetten der Person des Angeklagten. Adolf Eichmann und die Versuche, ihn in seinem Denken und Handeln zu beschreiben, haben heftige Debatten ausgelöst, die bis heute fortdauern.
Die Geschichte der justiziellen Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland, die Vorgeschichte des Eichmann-Prozesses an den beiden Schauplätzen Jerusalem und Bonn sowie den Verlauf des Verfahrens skizziert Werner Renz (Frankfurt am Main) in seiner Einführung. Leora Bilsky (Tel Aviv) entwickelt in ihrer Studie die Theorie der politischen Justiz weiter und verortet den Eichmann-Prozess an der Schnittstelle zwischen nationalen und internationalen politischen Prozessen. Das Jerusalemer Gericht hatte gegenüber den Einwänden der Verteidigung seine Zuständigkeit zu begründen, die es nicht allein durch das israelische 'Gesetz zur Bestrafung von Nazis und ihren Helfern' von 1950, sondern auch durch Prinzipien des internationalen Rechts, unter anderem durch das Universalprinzip, legitimiert sah. Der Eichmann-Prozess gilt als Präzedenzfall für die Anwendung des Prinzips der universellen Zuständigkeit durch ein nationales Gericht.
War Eichmann in Jerusalem das Nürnberg des jüdischen Volkes, die Justiz der Opfer über den Judenmörder, die Reaktion des zionistischen Staats auf den Judenfeind, fragt sich Hanna Yablonka (Beer Sheva) in ihrem Beitrag. Yablonka arbeitet die Unterschiede zwischen dem Nürnberger Prozess gegen die sogenannten Hauptkriegsverbrecher und dem Eichmann-Prozess heraus - in historischer, juristischer und epistemologischer Hinsicht. Im Nürnberger Verfahren kam der Mord an den europäischen Juden nur peripher vor, erschien die Shoah als eine deutsche Gräueltat unter vielen. Anders im Eichmann-Prozess. Israel sah in dem Angeklagten den singulären Holocaust-Täter, gegen den die Überlebenden zeugten. Hatten die Zeugen in Nürnberg nur eine marginale Rolle gespielt, war das Verfahren in Jerusalem geprägt durch die Zeugenaussagen, die das Gesamtgeschehen der Shoah darstellten. Juden waren hier nicht nur die Opfer der deutschen Täter, sie traten auch als heldenhafte Kämpfer auf, die den Nazis Widerstand geleistet hatten. In Jerusalem erschienen die Erben der Millionen Toten vor Gericht und legten Zeugnis ab.
Ruth Bettina Birn (Den Haag) weist in ihrem Artikel nach, dass die weitverbreitete Auffassung, erst der Eichmann-Prozess habe den entscheidenden Anstoß zur bundesdeutschen Strafverfolgung von NS-Verbrechen gegeben, ein Mythos ist. Birn wertet eine bislang unbekannte Quelle aus: die 29 Berichte, die der nach Jerusalem beorderte Staatsanwalt Dietrich Zeug über den Prozessverlauf verfasst hat. Zeugs Kritik am Jerusalemer Verfahren, vor allem seine Einwände gegen das Konzept der Anklagevertretung, stellt Birn als wohlbegründet dar. Die von ihr vorgenommene Auswertung der Akten von Vorermittlungsverfahren, die von der 1958 gegründeten Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung der nationalsozialistischen Gewaltverbrechen in Ludwigsburg eingeleitet worden waren, belegt die von Zeug formulierten Einwände gegen das Jerusalemer Verfahren.
Im Eichmann-Prozess spielte das aus drei Richtern zusammengesetzte Gericht eine herausragende Rolle. Lisa Hauff (Berlin) porträtiert die Richter Moshe Landau, Benjamin Halevi und Yitzhak Raveh einfühlsam. Im Kaiserreich geboren, hatten die Juristen im Deutschland der Weimarer Republik (Halevi und Raveh) und in England (Landau) Rechtswissenschaft studiert. 1933 wanderten

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