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Kazik Erinnerungen eines Ghettokämpfers von Rotem, Simha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Assoziation A
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 30.11.2018 per Download lieferbar

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Kazik

Simha Rotem, genannt Kazik, nahm als Jugendlicher am Warschauer Ghettoaufstand teil und ist der letzte noch lebende Kämpfer dieses epochalen jüdischen Widerstandskampfes. Er war 15 Jahre alt, als die NS-Armee in Polen einfiel, und 19, als der Aufstand am 19. April 1943 begann. Er organisierte die Flucht der letzten überlebenden Kämpfer aus dem brennenden Ghetto durch das Labyrinth der Abwasserkanäle. 1944 beteiligte sich Kazik am Warschauer Aufstand und bereitete anschließend noch vor Kriegsende Fluchtwege nach Israel vor. Ohne nachträglich zu romantisieren oder zu verklären, beschreibt er die schier unvorstellbare Härte des Kampfes gegen die Nazis. Mit seinen Erinnerungen erfüllte er die innere Verpflichtung, Zeugnis abzulegen über 'die Geschichte des polnischen Judentums in den Tagen der Vernichtung und des Widerstands'.

Simha Rotem wurde am 10. Februar 1924 als Sohn von Zvi und Miriam Rathajzer-Minski im Warschauer Vorort Czerniaków geboren. Er war das älteste von vier Kindern. Bereits mit zwölf Jahren schloss er sich der zionistischen Jugendorganisation Hanoar Hazioni an. Beim Überfall der Deutschen auf Polen im September 1939 wurde das Haus der Familie bombardiert. Simha Rotem verlor dabei seinen Bruder und fünf weitere Familienmitglieder und wurde selbst durch einen Splitter am Hals verletzt. Im Jahr 1942 schloss er sich im Warschauer Ghetto der Jüdischen Kampforganisation ZOB an und beteiligte sich am Ghettoaufstand, den er als einer der wenigen überlebte. 1944 kämpfte er erneut im Rahmen des Warschauer Aufstands. Nach dem Krieg wanderte Simha Rotem 1946 nach Palästina aus. Simha Rotem lebt heute in Jerusalem.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862416264
    Verlag: Assoziation A
    Größe: 492 kBytes
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Kazik

Der letzte Ghettokämpfer

von Agnieszka Hreczuk

DÜNNE, SCHMUTZIGE MENSCHEN klettern aus dem Abwasserkanal ans Licht, einer nach dem anderen, 40 insgesamt. Sie stinken nach Gosse und wanken vor Erschöpfung. Kazik Ratajzer treibt sie an. Es ist zehn Uhr morgens. Der Schacht, durch den sie nach oben gekrochen kommen, liegt in der Prosta-Straße, nur 100 Meter von der deutschen Wache entfernt. Menschen, die auf der Straße laufen, halten an und schauen neugierig. "Wenigstens verdecken sie uns vor den Wächtern", denkt sich Ratajzer. Er ist ein paar Stunden zuvor aus dem Kanal gestiegen, hat einen Lastwagen organisiert, in den sie nun klettern. 40 schmutzige Juden fahren in einem Lastwagen durch ein Viertel, das nur für Deutsche ist, raus aus der Stadt Warschau, rein in den Wald.

Es ist der 10. Mai 1943. SS-General Jürgen Stroop muss in seinem Bericht vermerken, dass ein paar der Aufständischen, "Banditen", wie er sie nennt, geflohen sind. Stroop, der den Aufstand im Warschauer Ghetto, begonnen am 19. April, schließlich am 16. Mai 1943 niederschlägt, notiert, dass die "Banditen" trotz einer intensiven Verfolgungsjagd entkommen konnten. Unter ihnen auch Anführer des Aufstands: Marek Edelman, Cywia Lubetkin, Hersz Berlinski.

Heute befindet sich der Eingangsschacht zum Kanal immer noch an derselben Stelle. Als Kazik Ratajzer hineinschaut, stinkt es genauso wie damals. Es ist auch genauso beängstigend eng und dunkel. Er dreht den Kopf weg. Ist es der unangenehme Geruch oder die unerträgliche Erinnerung? Oben, auf der Straße, stehen keine Wachmänner mehr, sondern moderne Bürohäuser. Vor einigen Jahren wurde nur wenige Meter vom Eingangsschacht entfernt ein Denkmal errichtet, das an das erinnert, was hier 1943 geschah. Ein Messingrohr, das aus dem Bürgersteig herausragt, als Symbol für den Kanal. Im Inneren des Rohrs Dutzende Hände, die sich dicht an den Stufen einer Leiter festklammern, so wie damals, im Jahr 1943.

Über das Denkmal hat sich Kazik mehr gefreut als über den Orden, den er damals bekommen hat. Durch das Denkmal wird die Nachwelt etwas über seine Kameraden erfahren, zumindest ihre Namen werden überleben, denkt Kazik. Auch wenn es ihn selbst, der darüber erzählen kann, nicht mehr geben wird, werden die Menschen darüber stolpern. Und lesen. Sein Blick wandert über die auf der Gedenktafel eingravierten Namen derjenigen, die es damals aus dem Kanal herausgeschafft haben, und derjenigen, denen diese Flucht nicht gelang. Sein eigener steht ganz oben: "Simcha Rotem-Ratajzer, Kampfname Kazik". Zwei Namen - für zwei Leben. Das davor und das danach.

Hersz Berlinski und Cywia Lubetkin leben nicht mehr. Marek Edelman, der Einzige, der in Polen blieb, auch nicht. Jahrelang sind Marek und Kazik - über die Jahre und die Entfernung hinweg eng befreundet - gemeinsam zum Jahrestag des Ghettoaufstands gegangen. Sie redeten immer wieder über dasselbe: Wie es damals war, was sie hätten anders machen sollen. Nur selten waren sie einer Meinung, aber verstanden haben sie sich trotzdem. Vor einem Jahr ist Pnina Grynszpan-Frymer gestorben. Jetzt ist nur noch Kazik da, der Letzte. Eine enorme Belastung. Eine Botschaft, die nur er noch übermitteln kann. Und Fragen, die ihn quälen und die er mit niemandem mehr teilen kann. Mit niemandem, der ihn so richtig verstehen würde. Nicht mit den Menschen, die keine Ahnung vom Ghetto haben, vom Gefühl, nicht ein Mensch sein zu dürfen, von Entscheidungen, von denen keine einfach richtig oder falsch sein konnte.

"Ich weiß nicht, ob wir das Recht dazu hatten", sagte Kazik nachdenklich an jenem Nachmittag, als wir miteinander gesprochen haben. "Für die anderen zu entscheiden." Er rührte langsam in seiner Kaffeetasse herum. Das tat er seit einer guten halben Stunde, der Kaffee war mittlerweile kalt geworden. Kazik war mit seinen Gedanken

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