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Kommunisten gegen Hitler und Stalin Die linke Opposition der KPD in der Weimarer Republik von Bois, Marcel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.02.2015
  • Verlag: Klartext Verlag
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Kommunisten gegen Hitler und Stalin

Am Ende der Weimarer Republik war die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) eine weitgehend undemokratische und bürokratische Partei, ihre politische Linie wurde aus Moskau vorgegeben. Doch das war nicht immer so. Vielmehr erlebte die KPD im Lauf der zwanziger Jahre einen fundamentalen Wandel. Nicht alle Kommunisten ließen diesen Prozess, der als 'Stalinisierung' bezeichnet wird, widerspruchslos über sich ergehen. Im linken Parteiflügel entstanden verschiedene Gruppen und Fraktionen, die sich gegen die Entdemokratisierung wehrten und für eine Rückkehr zur 'alten KPD' kämpften. Später engagierten sich die Oppositionellen auch gegen die immer stärker werdenden Nationalsozialisten. Denn anders als die KPD-Führung hatten sie sehr früh die Gefahr erkannt, die von Hitler für die deutsche Arbeiterbewegung ausging. Die KPD-Linken hatten zeitweilig zehntausende Anhänger. Darunter befanden sich bekannte Parteimitglieder wie Ruth Fischer, Karl Korsch oder Werner Scholem. Trotzdem verloren sie den Kampf um ihre Partei - nicht zuletzt, weil ihre Kritik vielen als unaufrichtig erschien. Denn an der Entdemokratisierung der KPD hatten sie selbst einen wichtigen Anteil. Anhand bislang unbekannter Quellen hat Marcel Bois erstmals eine Gesamtdarstellung der linken KPD-Opposition geschrieben. Er stellt knapp ein Dutzend verschiedene Gruppen vor, wie den Leninbund oder die bislang kaum erforschte Weddinger Opposition. Dabei untersucht er ausführlich deren Sozial- und Organisationsgeschichte und gibt so einen lebendigen Einblick in das Innenleben einer weitgehend vergessenen Strömung des deutschen Kommunismus. 'Kommunisten gegen Hitler und Stalin' wurde mit dem Wissenschaftspreis 2015 der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen ausgezeichnet. Marcel Bois wurde 1978 in Bonn geboren. Er studierte Geschichtswissenschaft, Soziologie und Kunstgeschichte an den Universitäten Konstanz und Hamburg. Am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin wurde er zum Dr. phil. promoviert. Im Rahmen seines Dissertationsprojekts forschte er unter anderem am Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam und an der Harvard University in Cambridge, Mass. (USA). Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte sozialer Bewegungen im frühen 20. Jahrhundert und die Historische Kommunismusforschung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 614
    Erscheinungsdatum: 26.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783837514216
    Verlag: Klartext Verlag
    Größe: 5244 kBytes
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Kommunisten gegen Hitler und Stalin

1. Einleitung

1.1 Gegenstand des Buchs

Moskau, August 1939: Frida van Oorten ist seit Jahren eine linientreue Kommunistin, kämpfte im Untergrund gegen die Nazis. Lange Zeit arbeitete sie für den sowjetischen Geheimdienst. Doch nun gerät sie selbst in dessen Visier. Als sie in den Kellern des Innenministeriums verhört wird, bricht es schließlich aus ihr heraus. "Er!", ruft sie und deutet auf das Stalin-Gemälde. "Er ist der Verräter!"

Es ist nur eine kleine Sequenz in Leander Haußmanns Spielfilm "Hotel Lux". 1 Doch in ihr kommt die Tragik einer ganzen Generation mitteleuropäischer Kommunisten zum Ausdruck. Inspiriert von der Oktoberrevolution in Russland wurden sie Kämpfer für eine bessere Welt. Sie engagierten sich für die Überwindung des Kapitalismus, gingen zu Tausenden in den antifaschistischen Widerstand und flüchteten schließlich in ihr "gelobtes Land", die Sowjetunion. Allerdings hatte sich dort der Sozialismus, für den sie jahrelang gekämpft hatten, mittlerweile in sein Gegenteil verkehrt: Arbeiter wurden ausgebeutet, Andersdenkende in Arbeitslager gesteckt und dissidente Kommunisten politisch verfolgt. All das ließ sich noch irgendwie rechtfertigen: Es sei notwendig für den Aufbau einer neuen Gesellschaft und im Kampf gegen innere und äußere Feinde des jungen Sowjetstaats.

Doch ein Ereignis konnte sich kaum mehr ein Kommunist schönreden, erst recht nicht, wenn er aus Nazi-Deutschland geflüchtet war: den "Hitler-Stalin-Pakt", ein deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt, der am 23. August 1939 unterzeichnet wurde. Dieser Bündnisschluss, an dessen Vorabend "Hotel Lux" spielt, ließ Tausende Kommunisten sprichwörtlich vom Glauben abfallen. Fassungslos mussten antifaschistische Widerstandskämpfer mitansehen, wie sich der Mann ihres Vertrauens mit ihrem größten Feind verbündete. Hitler hatte sie verfolgt, Tausende ihrer Genossen inhaftieren und ermorden lassen. Mit ihm, dem wahrscheinlich gefährlichsten Antikommunisten des Kontinents, schloss der sowjetische Generalsekretär nun also einen Staatsvertrag.

Etliche Kommunisten brachen daraufhin mit ihrer Bewegung. Stellvertretend für sie steht der langjährige Kominternfunktionär Willi Münzenberg. Im September 1939 verfasste er einen anklagenden Artikel, für den er ähnliche Worte wählte wie die fiktive Figur van Oorten: "Heute stehen in allen Ländern Millionen auf, sie recken den Arm, rufen, nach dem Osten deutend: 'Der Verräter, Stalin, bist du'." 2

Nicht für alle zeitgenössischen Beobachter kam dieser Verrat überraschend. Infolge der Oktoberrevolution von 1917 hatten die russischen Kommunisten zwar den Versuch unternommen eine sozialistische Gesellschaft zu errichten, eine Gesellschaft ohne Armut, Hunger und Unterdrückung. Doch ein Jahrzehnt später klaffte eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der Staat, der aus der Revolution hervorgegangen war, nannte sich zwar "Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken" (UdSSR) - doch dieser Name hatte nicht mehr viel mit der Realität zu tun. Die einzelnen Teilstaaten waren Ende der 1920er Jahre ebenso wenig sozialistisch wie sie Räterepubliken waren. Auch von einer Union, also einem freiwilligen und gleichberechtigten Zusammenschluss, konnte keine Rede mehr sein. Stattdessen entwickelte sich im Land zunehmend eine Ein-Parteien-Herrschaft mit der Stalin-Clique an der Spitze.

Zugleich gerieten die ausländischen kommunistischen Parteien immer mehr in Abhängigkeit vom stalinistischen Regime und entfernten sich von ihren ursprünglichen Idealen. Allen voran galt dies für die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Sie war um die Jahreswende 1918/19 von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und anderen bekannten Köpfen der deutschen Linken gegründet worden, zu einer Zeit, als im ganzen Land eine politische Aufbruchsstimmung zu spüren war. Eine Massenbewegung

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