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Links und frei Mein Weg 1930 - 1950 von Brandt, Willy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2012
  • Verlag: Hoffmann und Campe
eBook (ePUB)
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Links und frei

Die bewegende Autobiographie eines der bedeutendsten Politiker unseres Landes: Willy Brandt berichtet von den wichtigsten Stationen seines Lebenswegs in den dreißiger und vierziger Jahren, die ihn unter anderem ins skandinavische Exil führten - ein eindrucksvolles Dokument deutscher Zeitgeschichte. Das persönlichste Buch Willy Brandts schildert dessen Werdegang der frühen Jahre: die Jugendzeit in Lübeck, die mit dem Zusammenbruch der ersten deutschen Demokratie und dem erzwungenen Exil für den noch nicht Zwanzigjährigen ihr Ende fand; die Jahre bis zum Kriegsausbruch, in denen der junge Linkssozialist Aufgaben in Oslo, Paris, Berlin und Barcelona wahrzunehmen hatte; die Fortsetzung des politischen und publizistischen Widerstands im skandinavischen Exil bis zum Kriegsende; und schließlich - nach der Rückkehr in die Heimat - die Übernahme politischer Verantwortung in der wiedererstandenen SPD. Ein anschaulicher Bericht darüber, wie Grundüberzeugungen entstanden, die das Leben eines großen Staatsmanns prägten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 04.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850390
    Verlag: Hoffmann und Campe
    Größe: 917kBytes
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Links und frei

OSLO
Über die Ostsee
Am 11. und 12. März 1933, am Rande der Konferenz in Dresden, wurden Vorbereitungen dafür getroffen, einige unserer Genossen ins Ausland zu schaffen, damit sie von dort aus die "illegale" Arbeit im Lande unterstützen könnten. Beim höchst geheimen Gespräch in einer Privatwohnung fiel mir die Aufgabe zu, einem der führenden Mitglieder unserer Gruppe - dem Publizisten Paul Frölich - nach Dänemark entkommen zu helfen. Von dort sollte er sich nach Norwegen begeben, um in Anlehnung an die Arbeiterpartei für einen Stützpunkt zu sorgen.
Einige Tage danach kam er nach Lübeck. Ich hatte vorbereitet, daß er (am 21. März) zur Insel Fehmarn gebracht wurde. Dort sollte er einen hilfsbereiten Fischer finden. Dieser Fluchtversuch mißlang. Frölich war aufgefallen. Er wurde auf der Insel in Landkirchen verhaftet. (Doch er hatte noch Glück: Im Dezember 1933 wurde er entlassen und von Freunden rasch über die tschechische Grenze gebracht. Im Februar 1934 sahen wir uns in Paris wieder.)
Nach dem mißlungenen Fehmarn-Transport war ich in Lübeck - auch aus anderen Gründen - nicht mehr annähernd sicher: So entschied die Reichsleitung - der Ausdruck wirkt heute fremd, doch er war damals nicht ungewöhnlich! - , ich solle trotz meiner jungen Jahre die Frölich zugedachte Aufgabe in Norwegen übernehmen. Ich bestätigte den Auftrag. Was er im einzelnen bedeuten und wie lange er mich von Deutschland fernhalten würde, konnte ich allerdings kaum ahnen. An einem der ersten Tage im April verließ ich Lübeck. Ein Fischkutter sollte mich von Travemünde über die Ostsee nach Dänemark bringen. Mein Großvater hatte mir 100 Reichsmark mitgegeben, die er von dem für mich angelegten Sparbuch abgehoben hatte. Meine Mutter war besorgt, doch sie verstand mich. Mein Halbbruder, vierzehn Jahre jünger als ich, wußte noch nicht, wovon die Rede war. Meine Freundin fühlte sich in der Pflicht für "die Sache"; sie folgte mir dann noch im Sommer nach Norwegen.
Nachdem ein politisch sympathisierender Fischer durch ein Mitglied unserer Gruppe vorbereitet worden war, fuhr ich zu ihm nach Travemünde. Er nahm mich freundlich in seinem kleinen Haus auf. Das Wetter war günstig und sprach dafür, noch in der Nacht mit seinem Schwiegersohn in See zu stechen. Vorher hätte das Unternehmen zweimal an einem Malheur scheitern können. Mit einem Angehörigen der Familie Johannsen ging ich leichtsinnig noch ein Glas Bier trinken. In der Gastwirtschaft stieß ich auf einen Bekannten, der - älter als ich - in der Arbeiterjugend eine kleine Führerfunktion hatte - jetzt äußerte er sich verdächtig freundlich über die Nazis. Vielleicht war er sogar einer von denen, die ihr Hakenkreuzabzeichen schon einige Zeit unter dem Revers getragen hatten? In Lübeck gab es nur wenige Überläufer. Von denen, die nach Tradition und Überzeugung in der deutschen Arbeiterbewegung verankert waren, sind auch anderswo nur wenige zu den Nazis gegangen.
Der einstige Genosse in der Travemünder Gastwirtschaft ließ sich ablenken. Er hat mich nicht denunziert. Die zweite, größere Gefahr: Bevor das Boot TRA 10 nach Mitternacht ablegte - ich war ein paar Stunden vorher an Bord gebracht und gut verstaut worden - , kam ein Zöllner zur Routinekontrolle. Wäre es nicht mehr Routine als Kontrolle gewesen, das Versteck hätte nichts genützt.
Die Überfahrt nach Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland war stürmisch und unangenehm. Jedenfalls hat sie sich mir so eingeprägt. Der Fischer, der mich hinüberbrach

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