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Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer Die Aufzeichnungen von Dietrich Bonhoeffers jüngster Schwester Susanne Dreß von Dreß, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.10.2018
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
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Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer

"Auf zwei Dinge kam es mir an: absolute Ehrlichkeit und kein Heldenepos daraus zu machen." (Susanne Dreß)
Mehr als siebzig Jahre nach seinem Tod gibt es bei Dietrich Bonhoeffer Neues zu entdecken! Seine jüngste Schwester Susanne Dreß hat ihre Lebenserinnerungen aufgezeichnet: Von der Kindheit im Kaiserreich über den Ersten Weltkrieg und die Räterepublik bis zum Nazi-Regime und die Zeit des Wiederaufbaus reicht ihre Biographie und spiegelt die enormen Wandlungen wider, welche sich in diesem Zeitraum vollzogen haben. In einem eigenwilligen und höchst anschaulichen Stil stellt Susanne Dreß die großbürgerliche Familie vor Augen, der Bonhoeffer entstammte. Das vertraute Bild erhält so viele neue, unbekannte Nuancen. Ein Dokument von großem zeitgeschichtlichen Wert und zugleich eine fesselnde Lektüre.
Neue Impulse für die Bonhoeffer-Forschung
Die Lebenswirklichkeit einer großbürgerlichen Familie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Ein Dokument von großem zeitgeschichtlichen Wert
Die Familie Bonhoeffer in einem neuen Licht

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 928
    Erscheinungsdatum: 22.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641233303
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
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Aus dem Leben der Familie Bonhoeffer

BAND 1: GRUNDLEGENDES AUS DEM LEBEN DER FAMILIE BONHOEFFER

1.1 Die Vorfahren der Familie Bonhoeffer

An der Wand im Treppenhaus hängt auf Leinen gemalt, riesengroß, oben und unten mit einer runden Holzstange versehen, ein brauner Eichbaum. Er hat einen dicken Stamm mit vielen Zweigen und nach oben hin immer dichter werdenden grauen, schildförmigen Blättern, die mit Namen und Zahlen beschrieben sind. Unten an der Wurzel ist ein goldener Löwe auf blauem Schild, der in den Pfoten eine Bohnenranke hält und dessen Schwanz in einem Bohnenblatt endet. Das ist der Stammbaum der Bonhoeffers. Ganz oben - so hoch, dass ich es kaum mehr sehen kann (geschweige denn lesen), sondern nur abzählen - befinden sich wir acht Kinder. Auch auf dem Stamm in der Mitte sind bis oben hin Namensschilder mit Zahlen angebracht. Bei dem untersten steht '1300?' Das ist eben schon so lange her, dass man das Geburtsjahr dieses ersten Ahnen nicht mehr genau kennt. Aber man weiß, dass er in Nijmegen in Holland gewohnt hat und gar nicht 'Bonhöffer' hieß, sondern 'van den Bönhof'. Erst als sie 1480 nach Schwäbisch Hall auswandern, nennen sie sich Bonhöffer, und sie sprechen sich dort später nach schwäbischer Art vorn mit Nasallaut aus und ziehen das 'ö' in die Länge. Das 'oe' kommt erst in noch feineren Jahrhunderten.

Sie sind Goldschmiede und Stadtschreiber - das war in der freien Reichsstadt Hall so etwas wie Kanzler, lerne ich. Oder sie waren Archediakonus, das ist so eine Art Oberpfarrer dort an der Michaels-Kirche. Hallmeister sind sie auch, das heißt, sie verdienen durch den Salzhandel viel Geld und bauen sich große, vielstöckige, wappengeschmückte Familienhäuser am Markt und in der Stadt. Sie sind freie Bürger, und das 'van den' war auch gar nicht adelig, sagen mir die großen Geschwister voll Bürgerstolz; es hieß nur, dass sie von dem 'Bohnenhof' kamen. Mein Vater sagt, es sei ihm eigentlich leid, dass er der Erste aus der Familie ist, der keine Haller Bürgerrechte hat, weil er dort nicht rechtzeitig genug Grundbesitz erworben habe. Die 'schöne Bonhoefferin', eine Ahnfrau aus der Zeit um 1700, die als Kopie bei uns im Esszimmer hängt und die ich gar nicht besonders schön finde, ist mit anderen Vorfahren dort in der Kirche zu sehen. Mir kommt das merkwürdig vor, weil ich mir unsere Grunewald-Kirche nicht mit Familienbildern geschmückt denken kann. Aber ich bin doch recht stolz darauf. Leider dürfen wir drei Jüngsten noch nicht mit, als mein Vater mit den Großen die Spuren der Ahnen in Schwäbisch Hall aufsucht. Komisch ist auch, dass meine Großmutter "von Bonhoeffer" heißt. Aber das ist persönlicher Adel, lerne ich, weil mein Großvater Präsident von irgendetwas war. Und Adel ist überhaupt Quatsch, sagt Karl-Friedrich, mein ältester Bruder, der den Stammbaum gemalt hat.

Meine Großeltern waren wohl sehr verschieden, wenn auch ihre stark vergrößerten Fotografien einträchtig in einem Doppelrahmen im Zimmer meines Vaters hingen. Großvater Bonhoeffer war ebenso groß und kräftig, wie seine Frau klein und zierlich war; er war so ruhig und bedächtig, wie sie lebhaft und schnell. Er war besinnlich, sie zupackend. Ihm waren Anerkennung, Karriere und Geld völlig nebensächlich - sie hatte Pläne und Ehrgeiz, war gerne geehrt und litt unter der Geldknappheit des zur Repräsentation verpflichteten und doch vermögenslosen hohen Beamten. Mein Großvater war Pfarrerssohn und hatte mehrere ältere Schwestern. Seine Mutter war Witwe und die Schwestern wohl größtenteils unverheiratet. Das machte der sehr jungen Frau den Start in die Ehe bitter. Jedenfalls warnte sie uns immer vor den einzigen Söhnen von Witwen. Erfolglos!

Mein Großvater lebte nicht für seinen Beruf, er lebte im Freien. Besser wäre er Landmann oder Förster geworden. Jeden Tag machte er lange Spaziergänge. Nie kam er - und sei es auch bei Schnee und Eis - ohne etwas Hübsches z

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