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Begriffsgeschichte und historische Semantik Ein kritisches Kompendium von Müller, Ernst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.07.2016
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Begriffsgeschichte und historische Semantik

Das Interesse an Begriffsgeschichte und historischer Semantik ist ungebrochen. Dieses Kompendium unternimmt eine umfassende Rekonstruktion der bislang oft isoliert behandelten Beiträge und Debatten in Philosophie, Geschichtswissenschaft, Sozialwissenschaft, Sprachwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte und Kulturwissenschaft. Es bietet theoretische und historische Orientierungen und erschließt der Forschungspraxis neue interdisziplinäre Dimensionen und Fragestellungen. Begriffsgeschichte und historische Semantik sind keineswegs, wie es zunächst scheint, neutrale, rein technische Methoden. Sie wurden im Laufe ihrer Geschichte verschiedensten und zum Teil gegensätzlichen Funktionen dienstbar gemacht. Zu den überraschenden Befunden gehört, dass zwar viele ihrer Ansätze das historische Denken befördert haben, sie aber dennoch oft vor den Konsequenzen der eigenen Methode zurückgeschreckt sind. Das Paradigma der Begriffsgeschichte ist bis heute selten ausgereizt worden. Ernst Müller ist Privatdozent am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1027
    Erscheinungsdatum: 11.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518738504
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 2208 kBytes
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Begriffsgeschichte und historische Semantik

11 Einleitung

Ernst: Wovon ich einen Begriff habe, das kann ich auch mit Worten ausdrücken.

Falk: Nicht immer; und oft wenigstens nicht so, daß andre durch die Worte vollkommen eben denselben Begriff bekommen, den ich dabei habe.

Gotthold Ephraim Lessing, Ernst und Falk , zitiert nach Reinhart Koselleck, Motto zur "Einleitung" der Geschichtlichen Grundbegriffe

Über mangelnde Aufmerksamkeit brauchen sich Begriffsgeschichte und historische Semantik nicht zu beklagen. In den letzten fünfzehn Jahren, also gerade in der Zeit des Abschlusses der großen begriffsgeschichtlichen Lexika der Philosophie, Geschichtswissenschaft, Ästhetik oder Rhetorik, dürfte sowohl im deutschen wie internationalen Sprachraum mehr Literatur und Sekundärliteratur zur Methodik und Geschichte dieser Forschungsrichtungen erschienen sein als in der gesamten Zeit zuvor. Die vor allem in Aufsätzen und Sammelbänden vorgestellten Untersuchungen umfassen Arbeiten zur Geschichte der Begriffsgeschichte und historischen Semantik sowie zur Methodik in verschiedenen Geistes- und Sozialwissenschaften, [1] sie erschließen der Begriffsgeschichte neue Gegenstandsgebiete [2] und weiten sie auf andere Philologien aus. Um Christian Geulens "Plädoyer für eine Geschichte der Grundbegriffe des 20. Jahrhunderts" hat sich unter Zeithistorikern eine rege Debatte entfaltet. [3] In der gleichen Zeit hat die Begriffsgeschichte, die lange als eine fragwürdige Sonderentwicklung deutscher Geistes- und Geschichtswissenschaft galt, vornehmlich in der von 12 Reinhart Koselleck geprägten Form eine erstaunliche internationale Wirkung entfaltet. [4] Dazu kommen neue internationale Organisationsformen. [5] Schließlich eröffnen die digitalen Medien neue Recherche- und Darstellungsmöglichkeiten, von denen die Bearbeiter der großen Lexika nur träumen konnten. Georg Toepfer hat der Begriffsgeschichte allein wegen dieser neuen medientechnischen Möglichkeiten eine große Zukunft attestiert. [6] Zugleich enthalten immer mehr Artikel der Online-Enzyklopädie Wikipedia begriffsgeschichtliche Abschnitte, die von Etymologien bis zu elaborierten Narrationen reichen. Dieser Befund ist wohl ein Zeichen dafür, dass auch außerhalb der Wissenschaften die historische Genese der Begriffe zu deren Selbstverständnis gerechnet wird.

Hans Ulrich Gumbrecht scheint daher eher allein zu stehen, wenn er in seiner verdichteten, im polemischen Verabschiedungsgestus gehaltenen Einleitung zu Dimensionen und Grenzen der Begriffsgeschichte ein "plötzliches Abebben" des Enthusiasmus für Begriffsgeschichte konstatiert und die großen Wörterbücher als "Pyramiden des Geistes" oder "monumentale Zeugnisse aus einer abgeschlossenen Epoche der Geisteswissenschaften" charakterisiert. [7]

Das anhaltende Interesse an Begriffsgeschichte und historischer Semantik hat sicher unterschiedliche Gründe. Zunächst hat die sich in Lexika und Monographien niederschlagende empirische und detaillierte Arbeit über die einander ablösenden Theoriemoden der Geistes- und Sozialwissenschaften hinweg Bestand. Begriffsgeschichten erscheinen als Alternative zu den 'großen Erzählungen'. Vor allem aber gibt es eine große Schnittmenge zwischen den jüngeren Kulturwissenschaften und der Begriffsgeschichte. Beide haben es mit Bedeutung und Bedeutsamkeit sowie ihrer Genese zu tun. In beiden wird 'Kultur' selbst als ein dynamisches Moment 13 in der Realisierung und Veränderung sozialer, ökonomischer und politischer Beziehungen gefasst, ohne diese Handlungsdimension vorschnell auf davon präzise unterscheidbare Interessenlagen zurückzuführen. Wenn 'Kultur' nicht als separater Sektor der Gesellschaft neben anderen gesehen wird, sondern als umfassende Praxis der Artikulation und Aktualisierung von Bedeutungen, dann fallen Begriffsgeschichte und historische Semantik

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