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Die Alpen Von Hannibal bis Heidi - Geschichten, Mythen und Legenden von O'Shea, Stephen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.11.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Die Alpen

Die Geschichte des größten Gebirges Europas, von Hannibal bis Heidi und darüber hinaus. Ganze Armeen sind über ihre Pässe marschiert, Herden von Pilgern mussten sie auf dem Weg nach Rom überqueren, Schmuggler und Räuberbanden nutzten ihre vielen Täler als Unterschlupf und nicht wenige Bergbauingenieure und alpine Pioniere ließen ihr Leben bei dem Versuch, ihnen einen menschlichen Stempel aufzudrücken. Heute leben etwa 14 Millionen Menschen zwischen den Gipfeln des größten Gebirges Europas und die einst furchterregenden Höhen sind ein beliebtes Ziel von vielen Millionen Bergwanderern, Skifahrern und Wellnessurlaubern geworden. Dieses Buch nimmt seine Leser mit auf eine spannende und unterhaltsame Reise quer durch die Geschichte der Alpen. Der Historiker Stephen O'Shea begegnet den Einheimischen, ihren Eigenarten und erzählt wie im Vorübergehen die zahlreichen Mythen und Legenden, die sich an den Hängen und in den Tälern zwischen Grenoble und Triest finden lassen. Der Bogen dieser einzigartigen Reise spannt sich über 800 Kilometer durch Frankreich, Italien, die Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und Slowenien und über mehr als 2000 Jahre Geschichte - von Hannibal bis Heidi und darüber hinaus. Mit großer Übersichtskarte im Vor- und Nachsatz, erstellt von Peter Palm. Stephen O'Shea ist Historiker und Autor zahlreicher Bücher über Europäische Geschichte. Er zog bereits 1980 nach Paris und war nach einem Studium an der Sorbonne und am renommierten Institut d'Etudes Politiques als Frankreich- und Europa-Korrespondent für diverse Zeitungen und Magazine tätig, darunter Elle, Variety, The Observer, The Times of London, Harper's Bazaar, Interview und Allure. Er lebt mittlerweile mit seiner Familie in Providence, Rhode Island, USA. "Die Alpen" sind sein erstes Buch, das auch in deutscher Sprache erscheint.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 20.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641214814
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Alps
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Die Alpen

TEIL EINS

Vom Genfer See zum Gotthardpass

1. Genfer See

Ich starte in Paris. Die Straße nach Süden liegt vor mir, die Luft über dem Asphalt flimmert in der Hitze. Gleich hinter den Randbezirken der französischen Hauptstadt rücken die Waldgebiete der Île de France heran, nur um etwa eine Autostunde später von den Reblandschaften rund um Chablis abgelöst zu werden. Weiter im Süden von Burgund stehen oben auf den Kämmen der sanften Hügel befestigte Gehöfte, Zeugen einer seit dem Mittelalter reichen Weidewirtschaft. Der heiße Tag zieht sich auf der Autobahn dahin. Zu meiner Rechten tauchen die Weinberge von Beaujolais auf, während sich hinter der Saône zu meiner Linken die ersten Ausläufer des Jura-Gebirges erheben. Die grünen Hügel sind Vorzeichen darauf, wo ich den Sommer verbringen werde: in einem geologischen Chaos.

Der Kilometerzähler schnurrt nur so dahin, bis ich etwa eine Stunde nördlich von Lyon bin. Nach einem kurzen Übernachtungsstopp in einem verschlafenen Weindorf fahre ich am nächsten Morgen von der Nord-Süd-Autobahn ab, um mich nach Osten zu wenden, mitten hinein in die Schweiz. Richtig heiß ist es noch nicht, und so lasse ich die Scheiben herunter und genieße die morgendlich kühle Brise. Die sanften Hügel und ziegelrot bedachten Häuser der Franche-Comté, der Freigrafschaft Burgund, ziehen vorüber, und keines der öffentlichen Gebäude, auf die ich einen flüchtigen Blick erhasche, scheint ohne eine riesige Uhr auszukommen, ganz so, als ob niemand hier die Zeit vergessen wollte. Seltsam, denke ich, wo diese wunderschöne Region doch so gänzlich aus der Zeit gefallen scheint.

Schließlich erreiche ich die Grenze. Eine Frau in Schweizer Uniform verlangt von mir umgerechnet 20 Euro für eine Plakette, mit der ich für die nächsten zwölf Kalendermonate sämtliche Schweizer Autobahnen benutzen darf. Nur wenig später rollt mein Wagen durch die Straßen von Genf. Immer wieder drehen sich Köpfe nach mir um, fast durchweg männliche, sodass ich mich langsam zu fragen beginne, ob irgendetwas an meiner Erscheinung verkehrt ist. Und dann komme ich drauf: Klar, ich sitze am Steuer eines Renault Mégane Sport - noch dazu eines limitierten Sondermodells, grafitfarben mit roten Zierleisten und besonders viel Dampf unter der Haube, den ich mir für die Tour durch die Berge gemietet habe.

Träge geht der Tag in Genf an diesem brütend heißen Wochenende im Spätfrühling dahin. Draußen an der Hafeneinfahrt schießt die berühmte Fontäne gewaltige, weiß glänzende Wassermengen mehr als 100 Meter hoch in die Luft. Von der Schwerkraft besiegt, fällt der Strahl als tagheller Dunstschleier in das milchige Wasser darunter. Die Wasser der Rhone, die den Genfer See durchfließen, treten am westlichen Ende des großen, bananenförmigen Sees (des Lac Léman, wie er hier heißt) wieder hinaus, um ihre lange Reise zum Mittelmeer fortzusetzen.

Genf ist kein perfektes Postkartenidyll. Prachtvolle Bauten aus dem 19. Jahrhundert in unterschiedlichsten Farbtönen drängen sich am Ufer des Sees - wie ein von Farbenblinden erbautes Paris. Genf gibt kein geschlossenes Bild ab, kein beschaulich zusammenhängendes Ganzes, das dem Auge schmeichelt, nur unregelmäßig unterbrochene Abschnitte architektonischer Schönheit. Nichtsdestotrotz will ich genau hier meine Reise beginnen - in der langweiligsten interessanten Stadt auf dem europäischen Kontinent, die Fjodor M. Dostojewski einst als "eine langweilige, düstere, protestantische, dumme Stadt mit einem entsetzlichen Klima, doch zum Arbeiten gut geeignet" bezeichnet hat, die als Geburtshelferin der calvinistischen Reformation und Heimat des Gutmenschentums gilt, damals wie heute. Wo Völkerbund, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und das Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) ihren Hauptsitz haben. Wo vor über 200 Jahren eine ästhetische Revolution stattfand, eine Umkehr des gesellschaftlichen Denkens, die die menschliche

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