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Die Geburt der modernen Welt Eine Globalgeschichte 1780-1914 von Bayly, Christopher A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2008
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (ePUB)
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Die Geburt der modernen Welt

Christopher Baylys weltumspannender Blick auf das Agieren der Staaten, die vielfältigen Ausprägungen von Gesellschaftsordnungen, Religionen und Lebensweisen zeigt auf verblüffende Weise, wie eng schon im 19. Jahrhundert die Entwicklung Europas mit dem Geschehen in den anderen Erdteilen verknüpft war. "Ein mutiger Wurf, der geeignet ist, eingefahrene Sichtweisen aufzubrechen." Johannes Willms, Süddeutsche Zeitung "Dieses Werk schafft ein neues Geschichtsbild; wie viele Bücher können das schon von sich behaupten?" Frankfurter Rundschau
Ausgezeichnet als 'Historisches Buch des Jahres' der Zeitschrift DAMALS

Ausgezeichnet von H-Soz-u-Kult als 'Das Historische Buch 2007' in der Kategorie 'Entangled History'

Christopher A. Bayly ist Professor für Imperial and Naval History an der Cambridge University in Großbritannien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 650
    Erscheinungsdatum: 11.08.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593404882
    Verlag: Campus Verlag
    Originaltitel: The Birth of the Modern World 1780-1914. Global Connections and Comparisons
    Größe: 5527 kBytes
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Die Geburt der modernen Welt

1. Alte Ordnungen und "archaische Globalisierung" (S. 43)

In der Welt des 18. Jahrhunderts waren politische Macht und religiöse sowie kulturelle Autorität vielfältig und auf komplexe Weise miteinander verflochten. Die Ökonomie war relativ einfach, überwiegend landwirtschaftlich geprägt und abhängig von den Jahreszeiten. In den folgenden vier Kapiteln wird zu erklären versucht, wie und warum es im Laufe von etwas mehr als drei Generationen einen weltweiten Wandel zu politischer und kultureller Uniformität gab, bei dem komplexere und besser erkennbare soziale und ökonomische Formen entstanden.

In diesen Kapiteln wird die Entstehung europäischer Vorherrschaft in der ganzen Welt im Vordergrund stehen, ohne dass ich damit leugnen möchte, dass der Ursprung des Wandels zu dieser allgemeinen und doch stark umstrittenen Modernität mehrere Zentren hatte. Im vorliegenden Kapitel geht es um Ideologie und politische Organisation der Welt in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Bauern und Herren

1750 lebte der größte Teil der Menschheit noch in "Agrarreichen". Agrarreiche waren große, ethnisch komplexe Staaten, die im Wesentlichen davon lebten, dass sie die Überproduktion bäuerlicher Produzenten auffingen. Im strengen Sinne waren Bauern Landwirte, die kleine Landflächen hauptsächlich mit der Arbeitskraft ihrer Familie bewirtschafteten.

Über den Bauern standen in der sozialen Hierarchie lokale Eliten, die vielleicht manchmal selbst das Land bewirtschafteten, aber auch Pacht von Pachtbauern einnahmen. Unter den "Land besitzenden Bauern" standen landlose Arbeiter, die auf dem Land von Bauern oder der herrschenden lokalen Gruppe gegen Entgelt oder einen Anteil an der Ernte arbeiteten. Kulturell waren lokale Herren, ländliche Händler und Landarbeiter eng mit den "Land besitzenden Bauern" verbunden und hatten im Allgemeinen ähnliche Werte.

In den Agrarreichen im China der Qing, im Indien der Moguln, im Japan der Tokugawa, im Iran der Safawiden, in Java, im Osmanischen Reich, im Rus- sischen Reich und in der Habsburger Monarchie müssen zusammen mindestens 70 Prozent der Weltbevölkerung gelebt haben. Große Teile der spanischen Krongebiete in Mittel- und Südamerika wurden immer noch von bäuerlichen Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner bewirtschaftet. Gesellschaften, die regelmäßig Feldfrüchte anbauten, waren auch in Afrika verbreitet und lebten in einer komplexen Wechselbeziehung mit Nomaden und Waldbewohnern.

80 Prozent der gesamten Bevölkerung waren Bauern im weiten Sinne, auch wenn durch die Entstehung von frühen Knotenpunkten kapitalistischen Handels in einigen Gebieten die Stadtbevölkerung auf über 20 Prozent der Gesamtbevölkerung anwuchs. Das scheint zum Beispiel in Teilen Nordwesteuropas, in Küstengebieten oder an Flussläufen in China und an der Küste Japans so gewesen zu sein. Die politischen und religiösen Ordnungen dieser alten Staatswesen waren weiterhin mehr oder weniger fragmentiert und komplex.

Dennoch waren die Gesellschaften und Ökonomien, die sie aufrecht erhielten, im Vergleich zu denen des späten 19. Jahrhunderts, die bereits die frühe Industrialisierung und die Entwicklung des Staates hinter sich hatten, relativ einfach. Die meisten Menschen waren Bauern, Landarbeiter oder Grundbesitzer und Händler.

Wie seit Tausenden von Jahren hing das alltägliche Leben von der landwirtschaftlichen Produktion, und das heißt von der Qualität der Ernte, ab. Viele west- und südeuropäische Bauern waren kaum wohlhabender als ihre asiatischen oder afrikanischen Kollegen und hatten häufig nicht so guten Zugang zu ausreichender Nahrung.

John Komlos (1994) hat gezeigt, dass große Teile Mitteleuropas im 18. Jahrhundert unter einer ernsten Hungerkrise litten. Selbst das kulturell hoch entwickelte Frankreich wurde während des 18. Jahrhunderts von ständigen crises de subsistence (Subsistenzkrisen) geplagt. Die meisten asiatischen, afrika

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