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Die Mossdorfs Das Schicksal einer Berliner Familie im 20. Jahrhundert von Oeschger, Friederike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.09.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Die Mossdorfs

Neunzig Jahre war die Familie Mossdorf in der Prinzregentenstraße 83 in Berlin-Wilmersdorf zu Hause. Als Rosemarie Mossdorf stirbt, finden ihre Nichten im ehemaligen Mädchenzimmer ein ganzes Archiv: zahllose Briefe, Fotoalben und Tagebücher. Das gesamte zwanzigste Jahrhundert - vom Kaiserreich über Nationalsozialismus bis zum Mauerfall - spiegelt sich im Schicksal der Mossdorfs wider. "Aus der Familiengeschichte ist ein Stück Zeitgeschichte geworden." Arno Surminski Friederike Oeschger, geb. 1954 in Hamburg, arbeitete im Marketing- und PR-Bereich. Mit der tiefverwurzelten Liebe zur Reiterei setzt sie eine Passion der väterlichen Vorfahren fort.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 08.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455851281
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 3761 kBytes
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Die Mossdorfs

Prolog Der Beginn einer Zeitreise

D ie Nachricht kam am Morgen des 14 . Mai 2002 : Tante Rosi war in der Nacht in einem Berliner Krankenhaus an Altersschwäche gestorben. Ihre beiden Nichten in Hamburg und ihr Neffe in Berlin hatten sich in den Monaten davor intensiv um sie gekümmert. Die alte Dame war mehrfach zu Hause gestürzt, ganze Nächte hatte sie hilflos in ihrer Wohnung gelegen. Eine Nachbarin hatte morgens auf dem Balkon ihre Hilferufe gehört und die Feuerwehr alarmiert.

Neffe Richard Mossdorf und seine Schwestern Friederike Oeschger und Babette Radtke hatten beschlossen, ihre Tante in einem Pflegeheim unterzubringen. Ganz in der Nähe hatten sie ein angenehmes Haus gefunden, ein schönes Zimmer sollte mit liebgewonnenen Möbeln aus der Wohnung eingerichtet werden.

Als sie von den Plänen hörte, weigerte sich Rosemarie Mossdorf. Sie war 1925 in der Prinzregentenstraße 83 im Stadtteil Wilmersdorf geboren worden, in dem Haus, in das ihre Eltern 1912 gezogen waren. Nach dem Tod ihrer Mutter hatte die promovierte Tierärztin in der herrschaftlichen 160 Quadratmeter großen Wohnung 26 Jahre allein gewohnt. Die " 83 ", wie das Haus in der Familie nur genannt wurde, war ihr Lebensmittelpunkt, ihr Kokon, der ihr Sicherheit bot; seit neunzig Jahren war an der Einrichtung fast nichts verändert worden war, alles war vertraut und voller Erinnerungen. Unmöglich dort auszuziehen. In einem einzigen Zimmer zu leben? Ausgeschlossen, lieber wolle sie sterben.

Ein Jahr zuvor hatte sie ihren 75 . Geburtstag noch groß im noblen Tennisclub Rot-Weiß gefeiert, der rechte Ort für die ehemals passionierte Tennis- und Hockeyspielerin. Die ganze Familie war nach Berlin gekommen. Es wurden alte Geschichten erzählt. Etwa die, als Bruder Carl Friedrich Mossdorf 1935 als Vierzehnjähriger einen Aufsatz in Geschichte schreiben musste. Familienoberhaupt Otto Mossdorf, politischer Redakteur der Deutschen Allgemeinen Zeitung , las den Text und befand, das müsse von Grund auf neu geschrieben werden, und machte sich gleich selbst ans Werk. Carl Friedrich bekam dafür eine 5 , damals die schlechteste Note. Vater Otto hielt sich fortan von den Schularbeiten seiner Kinder fern.

Und Friederike erzählte bei dem Geburtstag von den zahlreichen Weihnachtsabenden, zu denen sich die ganze Familie in der " 83 " traf. Das sei immer so spannend gewesen, denn zwischen Blauem Salon und dem Herrenzimmer gab es eine Schiebetür, die am 24 . Dezember stets geschlossen war. Durch die matten Glasscheiben schimmerten die Kerzen des Weihnachtsbaums, und daneben meinte sie die Umrisse eines Schaukelpferdes zu erkennen, das sie sich so sehnlich wünschte, aber sie hatte sich jedes Mal getäuscht.

Nun war Rosemarie Mossdorf tot, und die " 83 " musste aufgegeben und geräumt werden. Liselotte Mossdorf, die Mutter von Richard, Friederike und Babette, hatte den Tag jahrelang kommen sehen und gesagt: "Mein Gott, Kinder, wenn ihr das mal auflösen müsst, das wird ja ganz gruselig. Was sich da seit 1912 alles angesammelt hat."

Richard kümmerte sich um alle Formalitäten und um die Beerdigung. Friederike und Babette machten sich wenig später im Auto auf nach Berlin. Sie hatten verabredet, sich Zeit mit der Wohnung zu lassen. Drei, vier Tage hatten sie für die erste Bestandsaufnahme veranschlagt. Sie wollten in kein Hotel gehen, sondern in der " 83 " übernachten. Sie wollten noch einmal die Atmosphäre der Wohnung auf sich wirk

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