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Feder im Sturm Meine Kindheit in China von Wu, Emily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2013
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Feder im Sturm

Ein ergreifendes Zeitdokument - mitreißend, aufwühlend und spannend bis zur letzten Zeile. Mit Fantasie, Improvisationstalent und großem Glück gelingt es der jungen Emily Wu, in den Wirren von Maos großer Kulturrevolution zu überleben. Eine berührende Geschichte von Mut, Leidenschaft und der Liebe zum Leben. Als Tochter eines Amerikanistik-Professors im China der Kulturrevolution muss die junge Emily Wu Unvorstellbares erleben - die ganze Familie ist Demütigungen und Schikanen ausgesetzt, die Welt um sie herum versinkt im Chaos. Und trotzdem: Mit äußerster Standhaftigkeit, Würde und Erfin-dungsreichtum gelingt es dem Mädchen auf wundersame Weise, sich dem Schicksal entgegenzustellen. Mal vertreibt sie sich und anderen Kindern die Nöte mit Märchen und Geschichten, die sie von ihrem Vater hörte, mal führt ihr einnehmendes Wesen zu einer plötzlichen Wendung der Ereig-nisse. Am Ende geht sie als gereifte Frau aus dem dramatischen Geschehen hervor - und einer ersten Liebe entgegen. 'Ich hoffe, dass meine Biografie Mahnung und Erinnerung an all die Kinder ist, die im Chaos untergingen.' Emily Wu Emily Wu, Jahrgang 1958, wuchs zunächst in Hefei, dann in einem Dorf in der Provinz auf, wohin sie mit ihrer Familie zur 'Umerziehung unter Bauern' verbannt wurde. 1981 wanderte sie in die USA aus, wo sie Anglistik studierte und Erzählungen publizierte. Sie ist freie Schriftstellerin und lebt mit ihren beiden Kindern in Cupertino, Kalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 398
    Erscheinungsdatum: 22.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850963
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Originaltitel: Feather in the Storm
    Größe: 3911 kBytes
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Feder im Sturm

Kapitel 10

D ie Schwester brachte mich in ein kleines Vierbettzimmer im ersten Stock. Während sie mich in eins der Betten steckte und eine Decke über mich breitete, starrten mich die drei Mädchen in den anderen Betten an und tuschelten miteinander.

Der Arzt teilte der Schwester mit, dass ich mich im vierten Stadium der Krankheit befände. "Hoffentlich können wir sie noch retten."

Bei meiner Einlieferung ins Krankenhaus konnte ich kaum noch sprechen oder feste Nahrung schlucken. Zwei Wochen lang wurde ich intravenös ernährt. Tag für Tag nahm man Untersuchungen an mir vor, gab mir Spritzen, Pulver und Pillen. Ich nahm die Medikamente streng nach Anweisung, und allmählich kehrten meine Kraft, mein Appetit und meine Stimme zurück.

Wenn die Infusionsflasche leer war, konnte ich mir die Nadel aus dem Arm ziehen, ohne dass es wehtat. Die anderen Mädchen im Zimmer, die Angst vor Spritzen hatten, staunten, wenn ich mir mit unbewegter Miene die Nadel entfernte. Manchmal musste ich lächeln, wenn ich sah, wie sie mich ungläubig angafften. Sie kamen zu dem Schluss, dass ich entweder höchst tapfer oder völlig unempfindlich sein musste. Ich genoss es, wenn sie sich um mein Bett scharten und mit ansahen, wie ich geschickt eine Arbeit verrichtete, die eigentlich Ärzten und Krankenschwestern vorbehalten war.

Nach zwei Wochen nahm ich erstmals wieder feste Nahrung zu mir. Kurz darauf konnte ich auch allein aufstehen und zur Toilette gehen. Die Schwestern nannten mich "kleine Katze", weil ich das kleinste Kind im Krankenhaus sei, völlig geräuschlos herumtappte und mein Name wie das hochchinesische Wort für "Katze" klang.

Das gefiel mir, denn die Ärzte und Schwestern machten daraus einen Kosenamen. Immer wenn jemand von ihnen ins Zimmer kam, hieß es: "Wie geht's unserer kleinen Katze heute?" Und ich antwortete mit einem leisen "Miau."

Besuche waren nur sonntags erlaubt. Mama und Papa besuchten mich abwechselnd und bemühten sich stets, mir etwas Besonderes mitzubringen. Einmal hat mir Mama eine Packung der beliebten Hefei-Hong-Kekse gekauft, die sehr lecker und knusprig waren. Ich probierte einen und fand ihn unwiderstehlich. Am liebsten hätte ich alle auf einmal verschlungen, doch Mama meinte, ich solle mir die anderen für die nächsten Tage aufsparen. Das versprach ich ihr. Aber kaum hatte sie sich verabschiedet, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, doch noch einen Keks zu essen.

Gerade als ich einen aus der Schachtel nehmen wollte, kam eine Schwester herein und steckte mir ein Fieberthermometer in den Mund. Kaum war sie weg, nahm ich den Keks und wollte trotz des Thermometers im Mund ein Stück davon abbeißen. Dabei brach das Thermometer entzwei. Hastig versuchte ich mir die Glasscherben aus dem Mund zu pulen und spuckte Keks, Glas und Quecksilber auf den Boden. Die anderen Mädchen riefen um Hilfe. Als die Schwester hörte, was passiert war, beunruhigte sie das mehr als mich.

Nachdem sie mir die Glasstückchen und das Quecksilber aus dem Mund geholt und sich vergewissert hatte, dass ich nichts davon geschluckt hatte, meinte die Schwester im Spaß zu den anderen Mädchen, sie müssten besser auf mich aufpassen, denn ich sei so ausgehungert, dass ich sogar Fieberthermometer aufäße. "Du bist eine ungewöhnliche kleine Katze", sagte sie. "Du ziehst dir selbst die Nadeln raus, isst Thermometer und hast ständig Hunger."

Darauf antwortete ich natürlich mit meinem üblichen "Miau".

Sobald ich in der Lage war, auf der Station herumzugehen, freundete ich mich auch mit einigen erwachsenen Patienten an. Sie freuten sich, mi

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