text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Heiliger Krieg Gewalt im Namen des Christentums von Buc, Philippe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2015
  • Verlag: Philipp von Zabern
eBook (ePUB)
31,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Heiliger Krieg

"Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns": Mit dieser biblischen Paraphrase suchte George W. Bush Verbündete hinter sich zu versammeln und seinen Angriff auf den Irak zu legitimieren. Ist er damit ein heiliger Krieger? Der Historiker Philippe Buc, ausgewiesener Experte auf dem Gebiet mittelalterlicher religiös motivierter Gewalt, nimmt in seinem großen historischen Essay eine ungewohnte und provozierende Perspektive ein. Er untersucht, wann und unter welchen Bedingungen Konflikte christlich geprägter Gesellschaften zu manichäischen Kriegen wurden, zur Konfrontation von Gut und Böse. Die theologisch motivierte Legitimation von Terror und Krieg lädt Konflikte nicht nur auf, sie erschwert oder verhindert auch die Möglichkeiten von Friedensschluss und Versöhnung. Philippe Buc deckt mit großer Quellenkompetenz und ausgeprägtem Aktualitätsbezug die historischen Wurzeln des Geflechts der gegenwärtigen weltpolitischen Verwerfungen auf - ein gänzlich neuer Ansatz.

Philippe Buc, geb. 1961, war Professor an der Stanford University, Gastprofessor in Heidelberg und lehrt heute in Wien. Er ist ein international hochgeachteter Mediävist und ausgewiesener Expete auf dem Gebiet mittelalterlicher religiös motivierter Gewalt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 01.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783805349291
    Verlag: Philipp von Zabern
    Originaltitel: Holy War, Martyrdom, and Terror
    Größe: 1494 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Heiliger Krieg

I. DER AMERIKANISCHE WAY OF WAR IM SPIEGEL DER VORMODERNE

Schon hören wir den Trommelwirbel, das Trompetengeschmetter, und die Rufe der Hauptleute, die ihre Heerscharen aufstellen und ordnen.
(American Theological Review, 1859)

Endlich liegt sie vor uns. Die große Schlacht unserer Zeit. (Gandalf, der ostwärts in Richtung Mordor blickt)
(Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs)

Denn wir befinden uns in einem "Desert Storm" und kämpfen gegen den Feind.
(Liedbeitrag im evangelikalen Radiosender WIHS, Middletown, Connecticut, 2005)

Eine bestimmte Art, Krieg zu führen, ist für den Westen typisch. "Westen" bezeichnet hier jene kulturellen Regionen, die vor der Reformation die religiöse Vorherrschaft des päpstlichen Rom anerkannten und nach den Religionskriegen der Frühneuzeit entweder protestantisch wurden oder katholisch blieben. Ebenso gehören ihre Ableger in den Vereinigten Staaten und anderswo zum "Westen". Mit Way of War sind nicht Methoden der Kriegführung gemeint, sondern die damit verbundenen Ideale, Ideologien und Konzeptionen. 1 Der Schwerpunkt liegt also auf kulturellen Kräften, insofern sie den historischen Akteuren und ihren Zeitgenossen die Kriegführung als sinnhaft vermitteln und insofern sie handlungsleitend wirken.

Dieses Kapitel verfolgt zwei Ziele. Zunächst stellt es dar, inwiefern die Kriege Amerikas, die scheinbar von einer idiosynkratischen Ideologie beseelt waren und offenkundig auf einem besonderen Terrain geführt wurden, 2 tatsächlich typisch westlicher Provenienz sind. Genauer gesagt soll gezeigt werden, wie viel sie dem Einfluss tiefsitzender christlicher Ideen von Freiheit, Reinheit, Universalismus, Märtyrertum und Geschichte verdanken, die noch bis vor kurzem in Westeuropa vorherrschend waren. Insbesondere Lesern, die sich mit der protestantischen Vielfalt in der Neuen Welt auskennen und von daher eher zur gesonderten Betrachtung ihrer Spielarten neigen, mag es ungerechtfertigt erscheinen, die vielen Konfessionen und Denominationen, die sich seit der Reformation vervielfältigt haben, unter dem Etikett "westliches Christentum" zusammenzufassen. 3 Dennoch: Sind die Unterschiede zwischen ihnen analytisch so bedeutsam wie das Trennende zwischen all diesen religiösen Glaubensrichtungen auf der einen und dem Hinduismus, Buddhismus oder der Religion der Azteken auf der anderen Seite?

Außerdem will dieses Kapitel in die erwähnten typisch westlichen Ideen einführen. Spätere Kapitel gehen stärker in die Tiefe, was die Querverbindungen zwischen ihnen angeht, und beziehen weitere Konzeptionen wie zum Beispiel die Rache mit ein. Aber die Leser haben dann bereits gesehen, wie diese Ideen zusammenwirken und so ihren spezifischen Ausdruck finden. Die Kombinationen können variieren, aber die Variationen bleiben innerhalb eines begrenzten Themenspektrums.

Was also könnte einem unvoreingenommenen Beobachter, der von außen auf die amerikanische Kriegführung blickt, als idealtypisch erscheinen?

Erstens dies: Amerikanische Kriege haben mit der moralischen Identität Amerikas zu tun. Um nur ein Beispiel zu nennen: Für Theodore Roosevelt (1858-1919) war die Eroberung Kubas und der Philippinen 1898 eine Expansion, welche die Länder und ihre Bevölkerung reinigen, das heißt auf eine höhere Entwicklungsstufe heben würde, zugleich aber auch für die Amerikaner eine Selbstreinigung und -überwindung bedeutete. Diese Vorstellung war nicht die Obsession eines Einzelnen, sondern charakteristisch für die amerikanische politische Kultur nach dem Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 bis hin zum Ersten Weltkrieg. 4 Der Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden war selbst als reinigend begriffen worden. Horace Bushnell (1802-1876) und der aus der Schweiz stammende Philipp Schaff (1819-1893), ein The

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen