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Kolonialismus denken Konzepte und Theorien in kritischer Perspektive von Cooper, Frederick (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.08.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Kolonialismus denken

In den Geschichts- und Sozialwissenschaften ist der Kolonialismus mit seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen und Auswirkungen mittlerweile ein häufig und kontrovers diskutiertes Forschungsfeld. Mit Frederick Cooper bietet einer der weltweit renommiertesten Forscher zur Geschichte Afrikas eine umfassende theoretisch-methodische Auseinandersetzung mit dem Thema. Zunächst schildert er die Entstehung und Entwicklung der "colonial" und "postcolonial studies" und unterzieht beide Zugänge einer kritischen Analyse. Anschließend untersucht er, inwiefern die drei Konzepte Identität, Moderne und Globalisierung für die Kolonialismusforschung sinnvoll und fruchtbar sind. Cooper zeigt, dass das Phänomen des Kolonialismus sich nur aus dem Zusammenspiel von regionalen, transnationalen und globalen Entwicklungen erklären lässt. Sein Buch liefert eine wesentliche Grundlage für alle, die zu diesem Thema lehren und forschen.

Frederick Cooper ist Professor für Afrikanische Geschichte an der New York University.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 394
    Erscheinungsdatum: 16.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593424002
    Verlag: Campus Verlag
    Serie: Globalgeschichte Bd.2
    Originaltitel: Colonialism in Question. Theory, Knowledge, History
    Größe: 3730 kBytes
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Kolonialismus denken

1 Einleitung : Koloniale Fragen, historische Entwicklungslinien
In den letzten beiden Jahrzehnten ist es zu einer wahren Flut wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema Kolonialismus gekommen, welche die Grenzen der Disziplinen Literaturwissenschaft, Ethnologie und Geschichte immer wieder überschreitet. Dadurch wurde eine der gravierendsten Blindstellen offengelegt, die in der Auseinandersetzung des Westens mit seiner Geschichte bestand. Mit dem Zeitpunkt hat es aber eine eigenartige Bewandtnis: Das wissenschaftliche Interesse am Kolonialismus regte sich, als die Kolonialimperien ihre internationale Legitimität bereits verloren hatten und keine lebensfähigen Formen politischer Organisation mehr darstellten. Zuvor, als der Kolonialismus noch Gegenstand politischer und persönlicher Mobilisierung war, ließen sich Gelehrte und Intellektuelle vor allem vom Drama der Befreiungsbewegungen in ihren Bann ziehen, von den sich nun auftuenden Verheißungen von 'Modernisierung' und 'Entwicklung' für jene Menschen, die durch Kolonialismus und Rassismus bislang von der Teilhabe am Fortschritt ausgeschlossen gewesen waren.
Teilweise waren die neueren Forschungen und Veröffentlichungen über den Kolonialismus von dem Bestreben motiviert, dafür Sorge zu tragen, diese Vergangenheit nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Die koloniale Vergangenheit wird jedoch auch in Erinnerung gerufen, um der Gegenwart eine Lektion zu erteilen - indem nämlich Verbindungslinien zwischen der Geschichte des Imperialismus und der hinter dem Anspruch Europas stehenden Heuchelei gezogen werden, Modelle demokratischer Politik und effizienter Wirtschaftssysteme sowie einen rationalen Ansatz zum Verständnis und zur Veränderung der Welt bereitzustellen. Dieses Anliegen hat einige Gelehrte dazu veranlasst, den komplexen Mechanismen sorgfältig nachzugehen, durch die Europa von seinen Kolonien her geschaffen wurde, und dabei zu erforschen, wie sich jene Kategorien, mit deren Hilfe wir die Vergangenheit der Kolonien und die Zukunft der ehemaligen Kolonien verstehen wollen, durch den Prozess der Kolonisierung im Einzelnen herausbildeten.
Ein bedeutender Teil dieser Arbeiten hat die Forschung zum Kolonialismus jedoch aus jener Geschichte herausgelöst, deren Bedeutung wir gerade unterstrichen haben, und den Kolonialismus abstrakt und im Sinne eines Gattungsbegriffs als etwas behandelt, was einer ebenso schlichten Vorstellung von europäischer 'Moderne' entgegengesetzt werden könne. Diese Forschungsrichtung hat sich stärker auf Standpunkte konzentriert - also auf die kritische Untersuchung der Subjektposition von Gelehrten und Verfechtern politischer Positionen - und weniger auf Prozesse, also darauf, wie die Entwicklungsbahnen eines kolonisierenden Europa und eines kolonisierten Afrika und Asien einander im Zeitverlauf gegenseitig bestimmten. Dieser Ansatz verdeckt nicht nur den Blick auf die Details der Kolonialgeschichte und auf die Erfahrungen der Menschen in den Kolonien. Auch die Bestrebungen der politischen Bewegungen und die damit verbundenen Herausforderungen, die im Laufe der Geschichte in den Kolonien auf den Plan traten, verschwinden hinter dem ironischen Blick, mit dem die Kritik die Ansprüche auf Fortschritt und Demokratie bedacht hat.
Die Weigerung, das 'Koloniale' als säuberlich abgegrenzte Dimension der europäischen Geschichte zu belassen, bedeutet eine wesentliche Herausforderung für die historische Analyse. Doch mit der Entgrenzung des Kolonialismus ist das Risiko verbunden, dass wir einem Kolonialprojekt gegenüberstehen, welches vage zwischen 1492 und den 1970er Jahren verortet ist, dessen Kontext und Tragweite schwanken und das neben der Entwicklung eines ebenso zeitlosen 'post-aufklärerischen' Europas steht. Dabei werden die Kämpfe nicht berücksichtigt, durch die im Verlauf dieser Epoche Möglichkeiten und Begrenztheiten immer wieder neu konfiguriert wurden. Aus diesem Grund sollte sich eine Neubestimmung des historisc

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