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Kultur in Deutschland Vom Kaiserreich bis zur Wiedervereinigung von Müller, Siegfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.12.2016
  • Verlag: Kohlhammer
eBook (PDF)
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Kultur in Deutschland

Diese deutsche Kulturgeschichte entwirft ein großartiges Panorama des kulturellen Lebens zwischen 1870 und der Wiedervereinigung. Darin finden nicht nur die Gipfelleistungen der Hochkultur in Literatur, Musik und Bildender Kunst ihren Platz. In den Blick geraten ebenso die Kultur des Alltags, aber auch die kulturgeschichtlichen Leistungen und Wirkungen der Technik, des Ingenieurskönnens und naturwissenschaftlichen Denkens. Der Autor legt dabei größtes Gewicht auf das eingängige Arrangement seines Stoffes, den er in übersichtliche Kapitel anordnet und äußerst knapp präsentiert. So eröffnet und ermöglicht er einen facettenreichen Rundgang durch die Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, deren wegweisende Etappen zur Orientierung des Lesers mit präziser Prägnanz beleuchtet werden. Dr. Siegfried Müller ist Historiker und war Leiter der Abteilung Kulturgeschichte im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg. Er war Projektleiter für die Neukonzeption des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden und hat das Konzept für das Knochenhauer-Amtshaus im Roemer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim erstellt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 626
    Erscheinungsdatum: 07.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170318458
    Verlag: Kohlhammer
    Originaltitel: Culture in germany
    Größe: 7091 kBytes
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Kultur in Deutschland

Vergnügen und Zeitvertreib

1900-1918

Die Vergnügungskultur war im Kaiserreich vielfältig. Sie reichte von den traditionellen kirchlichen Festen wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten bis zu privaten Feiern und öffentlichen Vergnügungen, die vor allem in den Großstädten ihr Publikum fanden. Während sich in Kleinstädten und auf dem Land die außerfamiliäre Freizeitgestaltung hauptsächlich auf den Besuch von Gaststätten und Kinos sowie die Mitgliedschaft in Vereinen beschränkte, etablierte sich in den Großstädten um die Jahrhundertwende eine Vergnügungskultur, deren Spektrum vom Tanzpalast über Kabaretts bis zum Vergnügungspark reichte. Tempo, Dynamik, Vielfalt, Reizüberflutung - das war der Rhythmus der Großstadt und in besonderem Maße der Berlins.
Berlin

Sedantag (2.9.) und Kaisers Geburtstag (27.1.) waren die wichtigsten Nationalfeiertage, die mit Festlichkeiten und Umzügen begangen wurden wie auch Denkmalsfeste wie z. B. am 18. Oktober 1913 die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig. 1913 wurde auch das 25-jährige Regierungsjubiläum des Kaisers in Stadt und Land gefeiert. "Die Reichshauptstadt bot den Anblick eines riesenhaften Volksfestes", wie seine Tochter, Viktoria Luise, in ihren Lebenserinnerungen schreibt. Arbeiter hatten ihre eigenen Formen der Geselligkeit, wobei es zahlreiche Parallelen zur bürgerlichen Festkultur gab. Sie stärkten ihr Zusammengehörigkeitsgefühl anlässlich der jährlichen Feier am 1. Mai sowie auf ihren Gewerkschafts- und Arbeitervereinsfesten. Viele engagierten sich in Schützenvereinen, Turn-, Sport- und Gesangsvereinen, Lese- und Theatergruppen, Obst- und Kleintierzuchtvereinen sowie in Geschichts- und Arbeiterbildungsvereinen. Höhepunkt waren immer die Stiftungsfeste mit Umzügen, Reden, Musik, Tanz und reichlich Alkohol. Hier konnten sie von der Monotonie des harten Industriealltags Abwechslung finden. Denn Fabrikarbeit hieß um 1900, 61 Wochenstunden zu arbeiten; um 1913 waren es immer noch 55,5 Stunden. Darüber hinaus gab es eine berufsständische Arbeiterfestkultur. Hierzu gehörte z. B. das "Bergfest", das die Bergleute zu Ehren der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, feierten. Auch für das Bürgertum fand ein großer Teil des geselligen Beisammenseins in Vereinen statt. Allein in Dortmund gab es 1908 über 400 Vereine, darunter Gesangs-, Turn-, Fecht- und Radfahrvereine sowie Schützengesellschaften.

Berlin war das Mekka der Vergnügungen. Hier entstand eine regelrechte Vergnügungsindustrie, die für jeden Geschmack etwas bot. George Grosz zufolge war die Zeit vor 1914 in Berlin "eine Zeit, in der man Feste feierte." Es gab viele Bälle:

"einen Ball deutscher Illustratoren, einen Heinrich-Zille-Ball, eine Admiralspalast-Redoute, Künstlerbälle, Theaterbälle und unzählige Privatveranstaltungen. Immer wieder suchte man nach neuen und originellen Einfällen für Feste."

Die literarische Intelligenz der Reichshauptstadt traf sich in Cafés, so z. B. im Café des Westens am Kurfürstendamm Ecke Joachimstaler Straße, wegen seiner exzentrischen Gäste auch Café Größenwahn genannt. Es war zusammen mit Romanischem Café gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dem Café Kranzler das Zentrum des literarischen Berlin. Dort trafen sich Schriftsteller, Maler und Kunstkritiker wie Otto Dix, Edmund Edel, George Grosz, Leo von König, Oskar Kokoschka, Willy Jaeckel und Lesser Ury, außerdem Else Lasker-Schüler und ihr Ehemann, der Kunstkritiker Herwarth Walden, dazu Leonhard Frank, Erich Mühsam und René Schickele. Liebhaber des Kabaretts gingen ab 1901 in Berlin in das Überbrettl oder in Max Reinhardts Schall und Rauch . In München gab es von 1901 bis 1903/04 Die Elf Scharfrichter , das Schriftsteller wie Heinrich Lautensack und Frank Wedekind prägten.

Zum großstädtischen Leben gehörten auch Theater, Opern, Opere

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