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Mauern als Grenzen

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: Philipp von Zabern
eBook (ePUB)
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Mauern als Grenzen

"Die Aussicht war wunderschön. Aber ich konnte die Große Mauer nicht sehen." Yang Liwei, 1. Raumfahrer Chinas Vom Hadrianswall und der Großen Mauer in China über die deutschdeutsche Grenze bis zur Mauer zwischen Israel und Palästina: Die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch haben sich Völker durch Mauern abgegrenzt - mal hat man das Fremde ausgesperrt, mal die eigenen Mitbürger eingesperrt. Anlässlich des 20. Jahrestages des Falls der Berliner Mauer berichten erstmals namhafte internationale Fachleute in einem Band über Mauergrenzen aus über 4000 Jahren Geschichte - von den frühesten Hochkulturen bis heute.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783805341349
    Verlag: Philipp von Zabern
    Größe: 16210 kBytes
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Mauern als Grenzen

ZU MAUERN - ZUMAUERN

Astrid Nunn

EINE SCHWIERIGE BEGEGNUNG

Die Begegnung mit dem Anderen, mit anderen Menschen war zu allen Zeiten und überall auf der Welt nach Emmanuel Lévinas' Wendung "ein fundamentales Ereignis". Seit jeher ist dieses Zusammentreffen zwiespältig: Menschen brauchen sich untereinander, aber sie stören sich auch und konkurrieren miteinander. Mit welcher Einstellung sollen wir Fremden gegenübertreten? Mittlerweile gibt es Schulen der Philosophie und der Ethnologie, die sich mit dem friedlichen oder dem gewalttätigen kulturellen Prozess der Begegnung auseinandersetzen. Grundsätzlich können Menschengruppen Krieg beginnen, in einen Dialog eintreten oder sich hinter einer Mauer verschanzen.

Die Entscheidungsträger, denen wir in diesem Buch begegnen, entschlossen sich für eine Trennung. Solche Entschlüsse wurden schon in der Antike getroffen. Warum werden seit mindestens fünf Jahrtausenden Mauern oder unpassierbare Grenzzäune gebaut? Gerade in Deutschland haben wir allen Grund, Mauern mit politischen und wirtschaftlichen Grenzen gleichzusetzen.

GRENZEN UNABHÄNGIGER STAATEN

Heute beruhen Grenzen auf dem Prinzip des Selbstbestimmungsrechts eines jeden Staates, das nach dem 28. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Woodrow Wilson (1913-1921), "Wilsonsches Prinzip" genannt wird. Wilson betonte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges immer wieder den völkerrechtlichen Anspruch eines Staates auf eigene Grenzen. Diesem Anspruch unterliegt das Konzept der "state nation", das vom 16. Jh. an entwickelt wurde. Demnach besteht ein Staat aus einem relativ präzise festgelegten Territorium.

Die Territorialisierung der Staaten erlebte einen entscheidenden Antrieb mit der Kolonialisierung während des 19. Jhs. Über 70 % aller heutigen Staatsgrenzen wurden zwischen 1885 und 1910 festgelegt. Bei dieser Festlegung spielten die damaligen Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich die Hauptrolle.

Diese Grenzziehungen waren in der Hauptsache machtpolitischer und geostrategischer Natur. Auf dem Papier entworfen, offenbarten sie häufig mehr Macht anspruch als wirkliche Macht. In den Kolonien verliefen Tausende von Kilometern Grenze durch die Wüsten, die von Nomaden jedoch unbeachtet blieben.

NATÜRLICHE UND GESELLSCHAFTLICHE GRENZEN

In früheren Zeiten erfolgte das Kontrollieren von Grenzen nur ungenau und auch die Vorstellung von Staatsgrenzen war nicht klar umrissen. Zunächst gehörte das Territorium eines Dorfes einem Gott, später mit der Hierarchisierung der Gesellschaft einem Stamm oder einer Familie. Die erste Abgrenzung fand zwischen den Familien statt, dann zwischen den Dörfern, den Städten, den Regionen und schließlich den Staaten.

Abb. 1: Die Mauer, die Jerusalem in Ost und West teilt. Davor die römischkatholische Dormitio-Abtei (ganz links im Bild) und ein griechisch-orthodoxes Kloster; im Hintergrund: das Moab-Gebirge. Aufnahme 2008.

Die Menschen der Antike oder auch die Nomaden von heute stellen sich entfernte Grenzen jedoch nicht linear vor. Meist waren sie (und sind es häufig noch) natürliche Barrieren wie Flüsse und Gebirge, Wälder, Oasen oder Wüsten, in der Antike auch Wolken und Sterne, die bisweilen konkrete Anhaltspunkte in einem größeren Gebiet boten. Grenzen bestanden auch als Sprachgebiete, die mit einer Ethnie oder einem Stamm übereinstimmen konnten.

In der Folge wurde ein Staat nicht als Territorialstaat empfunden, sondern als Macht- und Einflussgebiet. Konkret waren Grenzen eher die Gebiete, in denen ein Machtbereich aufhörte und ein anderer begann. Zusätzlich lagen mythische Grenzen unbewohnt, unantastbar und, von historischen Gegebenheiten unbeeinflusst, am Ende der (bekannten) Welt. Sie untermauerten die königliche Macht, stützten aber auch ein kollektives Kulturverständnis.

Das Erscheinen größerer, von einem Herrscher regierten Ein

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